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interview mit dem stellvertretenden solooboisten florian adam

Aus dem Programmheft zum 4. Mittwochs um halb acht 2018/2019 am 8. Mai 2019

 

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Alexandra Muhr und Florian Adam bei der Langen Nacht der Museen

Florian Adam, was bedeutet Musik für Sie persönlich?

Musik ist für mich die Ausdrucksform schlechthin. Abgesehen davon, dass ich sie zu meinem Beruf gemacht habe, kann ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Ich höre zwar nicht laufend Musik, aber doch relativ häufig. Mit jeder Lebensphase verbinde ich bestimmte Werke: zum Beispiel meine Jugend mit Barockmusik, weil ich in dieser Zeit viel Barockmusik gespielt habe. So versetzen mich Stücke, die ich in einer gewissen Lebensphase gehört habe, dahin zurück, wenn ich sie wiederhöre – ähnlich, wie Gerüche das tun. Ich habe Phasen, in denen mir jeweils eine Art von Musik besonders gut gefällt. Die höre ich dann „endlos“: beim Autofahren, zuhause, auch beim Einschlafen … Gerade habe ich den Pianisten Wilhelm Kempff für mich entdeckt. Ich habe mir so ziemlich alle Aufnahmen von ihm besorgt und bin gerade an den Beethoven-Sonaten sowie Schubert und Brahms dran.

War Oboe Ihr erstes Instrument?

Nein, ich habe im Alter von sieben Jahren mit Blockflöte und Klavier angefangen. Mit dreizehn habe ich dann mit der Oboe begonnen. Die Musik war bei uns stets präsent, denn meine Mutter ist ausgebildete Sängerin. Sie blieb, nachdem sie uns Kinder bekommen hatte, auf diesem Gebiet auch immer aktiv, hat unterrichtet, solistisch und im Chor gesungen. Mein Vater ist bildender Künstler, war Kunstlehrer am Gymnasium und schätzt ebenfalls die Musik. Meine Mutter mochte die Oboe und hätte als Kind wohl selbst gerne Oboe gespielt. Außerdem hatte mir ein Freund unserer Familie ein Tonbandgerät inklusive Aufnahmen mit Oboenmusik geschenkt. Ich habe mir all diese Mitschnitte aus dem Radio angehört und „Feuer gefangen“. Ab da hatte ich – mit Unterbrechungen – den Wunsch, Berufsmusiker zu werden.

Was gefällt Ihnen an der Oboe?

Ich mag ihren Klang. Außerdem gefällt mir der Platz, den die Oboe und das [damit verwandte] Englischhorn in der musikalischen Literatur einnehmen. Die oft etwas melancholischen Stellen für Englischhorn wie zum Beispiel in Dvořáks Symphonie Aus der Neuen Welt mag ich sehr. Der Klang der Oboe hat oft etwas Klagendes. Er ist aber sehr formbar und auf eine sanfte Weise durchdringend: ein schöner runder, weicher Ton, der dennoch einen Kern hat. Man hört die Oboe immer gut heraus; deshalb kommt wohl von der Oboe auch das a zum Einstimmen des Orchesters. Ähnlich schön finde ich Horn und Cello.

Wie schritt Ihre Ausbildung an der Oboe voran?

Ich bin in Lindau aufgewachsen, Oboenunterricht hatte ich aber an der Jugendmusikschule in Wangen. Traditionell gingen alle, die anschließend Oboe studieren wollten, nach Freiburg im Breisgau zu Hans Elhorst. Ich habe ihm in der Oberstufe vorgespielt und war dann zunächst Jungstudent bei ihm am Konservatorium in Bern, wo er ebenfalls eine Professur hatte. Vor dem Studium in Freiburg kam noch der Zivildienst in München – und parallel dazu Oboenunterricht bei Dieter Salewski vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

War das nicht ein seltsamer Kontrast – auf der einen Seite der praktische Zivildienst, auf der anderen Seite die Musik?

Ich hatte damals noch eine andere Idee für das Studium; auch Medizin und Zahnmedizin haben mich interessiert. Um hier Klarheit zu bekommen, habe ich als Zivildienstleistender im OP-Bereich gearbeitet. Während des Instrumentalstudiums habe ich mich immer wieder für die medizinischen Fächer beworben und wochenlang überlegt, was ich mache. Nach dem dritten Semester in Freiburg habe ich mit Zahnmedizin in München begonnen, aber schnell gemerkt, dass mir die Musik viel zu sehr fehlt. Daher habe ich schließlich mein Oboenstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bei Klaus Becker aufgenommen. Er hat mich am meisten geprägt – spieltechnisch und musikalisch, aber auch durch seine Persönlichkeit. Er schaffte es, alles unter einen Hut zu bringen: die Atemtechnik, die Phrasierung, die musikalische Gestaltung, den Klang, den Rohrblattbau und auch regelmäßiges Probespieltraining. Vor allem aber hat er mir ein freies und entspanntes Spielgefühl vermitteln können.

Diverse Meisterkurse z. B. bei dem französischen Oboisten Maurice Bourgue rundeten Ihre Ausbildung ab. Was konnte er Ihnen vermitteln?

Maurice Bourgue ist natürlich eine Klasse für sich, eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Und er strahlte so viel Energie und Freude aus! Sicher einer der besten Lehrer, die es je gab, weil er Aspekte wie Stilempfinden und Atemführung besonders gut vermitteln konnte. Wenn er die Oboe in die Hand nahm, wurde allein schon durch das Zuschauen und Zuhören vieles klar. Überhaupt gibt es eine Handvoll Musiker, in deren Gegenwart man sofort eine Stufe besser spielt. Vor Kurzem hatten wird hier beim Münchner Rundfunkorchester eine CD-Produktion mit dem Flötisten Emmanuel Pahud. Der gehört auch zu diesem Typus: Wenn ich ihn nur einatmen höre, „ordnet“ sich bei mir automatisch die ganze Atmung.

Sie begannen Ihre Laufbahn im Orchester der Beethovenhalle Bonn, waren dann Oboist und Englischhornist im Münchner Rundfunkorchester sowie Soloenglischhornist im WDR Sinfonieorchester Köln, bevor Sie zum Münchner Rundfunkorchester zurückkehrten. Hier wurden Sie 2010 Stellvertretender Solooboist. Welche Aufgaben umfasst das?

In der Regel spiele ich Zweite Oboe; die Erste Oboe übernehme ich immer dann, wenn unser Solooboist, mein Kollege Jürgen Evers, keinen Dienst hat. Dazu kommt als drittes Element das Englischhorn, das ich besonders liebe. Zum Beispiel habe ich in der Konzertreihe Paradisi gloria den Solopart in The World’s Ransoming von James MacMillan für Englischhorn und Orchester übernommen. Ein Highlight in jüngerer Zeit war für mich anlässlich der Tournee mit Diana Damrau im Goldenen Saal in Wien die Arie „O Salce! Salce“ aus Verdis Otello, bei der ich Englischhorn gespielt habe. Es war mein erstes Konzert im Wiener Musikverein, und ich war sehr beeindruckt von der Akustik. Man hat das Gefühl, vollkommen mühelos zu spielen. Die Bühne besteht aus altem Holz und ist so leicht gebaut, dass man sogar die Schwingungen der Kontrabässe spüren kann – ein großer Resonanzkörper.

Wie sind Sie in das Spezialgebiet Englischhorn hineingewachsen?

An der Hochschule wurde das Englischhornspiel zumindest damals nicht so intensiv gelehrt. Da war man vor allem Autodidakt – und wurde dann in der Praxis gleichsam ins kalte Wasser geworfen. Obwohl vieles ähnlich ist wie bei der Oboe, handelt es sich doch um ein eigenes Instrument mit eigenen Erfordernissen, und man muss andere Rohre dafür bauen. Das Englischhorn ist mein Steckenpferd, das ich in Bonn nicht so intensiv pflegen konnte. Beim Münchner Rundfunkorchester wurde damals eine entsprechende Stelle frei – genau in der Zeit, als Marcello Viotti Chefdirigent war und sehr viel italienische und französische Oper gespielt wurde. Da ist für Englischhorn viel zu tun, was für mich ein Anreiz war, mich zu bewerben. Beim dritten Probespiel habe ich die Stelle bekommen.

Spielen Sie gerne Opern?

Ja, ich mag dieses Repertoire, das wir mit unserem jetzigen Chefdirigenten Ivan Repušić wieder verstärkt spielen. Aber auch aus früheren Jahren gibt es tolle Erinnerungen. Sehr beeindruckt hat mich zum Beispiel unser erstes Konzert bei den Salzburger Festspielen: Verdis Giovanna d’Arco mit Anna Netrebko und Plácido Domingo. Allein schon die Atmosphäre in Salzburg fand ich toll. Und Domingo ist sowieso mein Liebling: Seine Stimme hat so ein unverwechselbares Timbre. Meine erste größere CD-Einspielung mit dem Münchner Rundfunkorchester war Ponchiellis La gioconda mit ihm in der männlichen Hauptrolle und unter der Leitung von Marcello Viotti.

An welche Konzerte mit dem Münchner Rundfunkorchester denken Sie außerdem gern?

Die Aufführung von Gounods Cinq-Mars im historischen Ambiente der Opéra Royal in Versailles war ein besonderes Erlebnis. Ein Highlight war für mich auch die Einspielung der CD Visions mit der Sopranistin Véronique Gens unter der Leitung von Hervé Niquet – meines Erachtens eine unserer besten Aufnahmen, seit ich hier im Orchester bin. Ich mag die französische Romantik, ebenso wie diese Sängerin.

Sie waren schon öfter bei den Kammermusikkonzerten des Freundeskreises des Münchner Rundfunkorchesters zu erleben …

Ja, da habe ich schon in vielen Formationen gespielt, z. B. haben wir mit unserem Bläserquintett aus dem Rundfunkorchester u. a. Werke von Carl Nielsen oder Francis Poulenc aufgeführt. Das kammermusikalische Spiel – ganz gleich mit wem – finde ich sehr wichtig, denn es bringt einen wieder näher ans Instrument. Man wird wieder flexibler und aktiver, und danach bin ich auch im Orchester wieder viel wacher. Es ist wie eine Frischzellenkur.

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