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StartseiteHome Orchester Interview Albert Bachhuber

interview mit dem bratschisten albert bachhuber

Aus dem Programmheft zum 1. Konzert Mittwochs um halb acht 2018/2019 am 17. Oktober 2018

Albert Bachhuber bei der Langen Nacht der Museen (Credit Florian Lang)
Albert Bachhuber bei der Langen Nacht der Museen

Albert Bachhuber, Sie sind in München geboren, haben hier studiert und beruflich Wurzeln geschlagen. Ist München eine gute Musikstadt?

Ich empfinde es tatsächlich als ein Geschenk, hier leben zu dürfen. Allein schon die geografische Lage ist sehr schön – und das kulturelle Leben vielfältig. So habe ich während des Studiums schon meine Fühler ausgestreckt und als freischaffender Musiker Fuß gefasst; zum Beispiel habe ich zwei Jahre im Ensemble für moderne Musik von Roger Epple gespielt, wo ich viel gelernt habe. Es war manchmal sehr herausfordernd, mit den zeitgenössischen Werken klarzukommen. Doch es war eine gute Schule, auch was das schnelle Erfassen von Notentexten oder außergewöhnliche Spielweisen angeht, die man als Studierender noch gar nicht „auf dem Schirm“ hat.

Wie ist die Musik überhaupt in Ihr Leben gekommen?

Durch die Ansicht meines Vaters, dass ich zu viel Zeit auf dem Fußballplatz verbringe. Er dachte sich wohl: „Sport ist ganz gut, aber ich drücke ihm mal eine Geige in die Hand.“ Er ist Hobbymusiker, spielt sehr gut Klavier, und ich habe als Kind gern gesungen. Im Alter von sieben Jahren bekam ich ersten Violinunterricht. Ich habe mich wohl nicht ganz dumm dabei angestellt und relativ schnell Fortschritte gemacht. Aber natürlich ist da noch nicht so viel Zug dahinter wie später, wenn man die berufliche Option im Hinterkopf hat. Ab vierzehn oder fünfzehn war ich dann parallel zur Schule Jungstudent am Richard-Strauss-Konservatorium. Eine Zeit lang wohnten wir außerhalb von München und ich fuhr mit der Bahn zum Violinunterricht. Vom Zug aus sah ich das BR-Funkhaus und stellte mir vor, wie es wohl wäre, dort zu arbeiten.

Ab wann war klar, dass Sie Berufsmusiker werden wollten?

Richtig klar wird es einem erst, wenn man das Probejahr bestanden hat. Vorher, während der Schulzeit, als mir die Musik immer wichtiger wurde und ich zuhause stundenlang Klassik hörte, war es ein Wunsch, der immer größer wurde. Ich wollte entweder Musik oder Medizin studieren. Die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule stand zuerst an, und damit war für mich die entscheidende Weiche gestellt. Im Studium bin ich dann durch ziemlich viele offene Türen gegangen. Ich habe mein Diplom im Fach Violine abgeschlossen, spielte außerdem Klavier und ein bisschen Trompete, aber Bratsche war zunächst nicht dabei. Doch wir waren vier Freunde, die zusammen Kammermusik machen wollten [das spätere Arias-Quartett]. Drei davon waren Geiger, also brauchten wir einen Bratscher. Schließlich hat es denjenigen getroffen, der bereit war, sich möglichst schnell den Bratschenschlüssel anzueignen: Ich habe es ausprobiert und war von Anfang an ziemlich begeistert. Die C-Saite und das tiefe Register haben mir richtig gut gefallen. Ich habe mich dann zum Aufbaustudium im Fach Viola entschlossen, hatte aber zu diesem Zeitpunkt noch kaum Repertoire. Hariolf Schlichtig hat mich in seine Klasse aufgenommen; er kannte mich schon von der Kammermusik her und hat wohl gesehen, dass Potenzial vorhanden ist. Nach nur eineinhalb Jahren Aufbaustudium habe ich das Probespiel beim Münchner Rundfunkorchester gewonnen, und den Abschluss habe ich dann parallel zur Berufstätigkeit gemacht.

War die Geige damit ad acta gelegt?

Nein, ich spiele immer noch Geige, in der Kammermusik und auch als Solist. Mit Raúl Teo Arias [Stimmführer der Zweiten Violinen bei den Bamberger Symphonikern] habe ich zum Beispiel bei einem Konzert letztes Jahr in Mexiko zuerst Geige als Solist im Trio gespielt, und dann im nächsten Stück Bratsche als alleiniger Solist. Ich hatte keine Zeit, mich auf die neue Mensur einzustellen, es ging sofort weiter. Aber diese Umstellung fällt mir nicht schwer. Ich spüre den Unterschied eher rechts mit dem Bogen als links mit der Griffhand. Denn man wählt die Kontaktstelle bei der Bratsche etwas anders als bei der Geige, geht etwas anders auf die Saite.

Nochmal zurück zu Ihrer Ausbildung: Violine haben Sie bei Gerhart Hetzel studiert, der Professor an der Münchner Musikhochschule und Erster Konzertmeister der Wiener Philharmoniker war. Was haben Sie von ihm mitbekommen?

Er legte großen Wert auf das „Organisiert-Sein“. Ich bin vom Typ her eher der „Drauf-los-Spieler“. Aber er wollte, dass ich mir musikalisch und auch technisch einen Plan zurechtlege. Alles sollte total durchdacht sein, er arbeitete zum Beispiel gern mit Fingersatzkonzepten. Strukturiertes Üben, das Zurechtlegen von Übepatterns − das war komplementär zu der Art, wie ich damals gedacht habe, und hat mir sehr geholfen. Wie werde ich einer schwierigen Stelle Herr, welche Herangehensweisen gibt es, um sie nach einer bestimmten Zeit zu beherrschen? Daran orientiere ich mich heute noch, und ich überlege, wie ich Fingersatz und Saitenwechsel optimieren kann.

Wie war Hariolf Schlichtig im Vergleich dazu?

Er hat einem viel mehr Freiheiten gelassen. Aber natürlich war ich zu diesem Zeitpunkt schon auf einer anderen Entwicklungsstufe. Und was im Unterricht verlangt wurde − auch das Pensum − war enorm. Er legte viel Wert auf Etüden, und es musste alles auswendig vorgetragen werden. Gleichzeitig kann man sich verstärkt auf das Künstlerische verlegen, wenn man nicht mehr so sehr mit den technischen Basics beschäftigt ist. Dazu kam sein Interesse für Kammermusik; er hatte eine umfassende Sicht auf die Dinge. Als Geiger ist man, gerade wenn man auf der „Soloschiene“ fährt, ein bisschen versucht, zu sehr auf sich selbst zu schauen und sich in Details zu vergraben. Aber bei Hariolf Schlichtig hat sich mir der Blick geweitet.

Wie verlief 1992 Ihr Start beim Münchner Rundfunkorchester?

Wenn man als Musiker auf der Suche ist, bewirbt man sich natürlich auf alle Stellen, die gerade frei sind. Beim ersten Probespiel hier wurde die Position nicht besetzt, aber ich war in die dritte Runde gekommen. Beim zweiten Probespiel hat es dann geklappt. Anfangs war mir noch gar nicht klar, welch tolle Stelle ich bekommen hatte, weil ich das Orchester noch nicht gut genug kannte. Aber im Lauf der Zeit habe ich zu schätzen gelernt, wie vielseitig das Orchester ist. Einer meiner ersten Dienste war die Gesamtaufnahme der Oper Die schweigsame Frau von Richard Strauss unter der Leitung von Pinchas Steinberg. Gleich mit so herausragenden Sängern wie Kurt Moll in Berührung zu kommen – da hat sich für mich eine neue Welt geöffnet. Seitdem liebe ich es sehr, mit Sängerinnen und Sängern zu arbeiten. Und ich finde es schön, dass wir bei den Sonntagskonzerten auch unbekannte Werke „ausgraben“. Gerne erinnere ich mich zum Beispiel an Fedora von Umberto Giordano unter der Leitung von Fabio Luisi – einer meiner „Gänsehautmomente“! Aber auch die Reihe Paradisi gloria mag ich sehr, weil sich dadurch die Gelegenheit bietet, regelmäßig mit dem BR-Chor zusammenzuarbeiten. Dazu die Atmosphäre in der Herz-Jesu-Kirche! Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, und daher ist es auch für mich persönlich etwas Besonderes, bei diesen Aufführungen dabei zu sein und mit meinem Instrumentalpart den Text zu unterstützen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Musik eine spirituelle Seite, eine geistliche Dimension hat; bei den großen Werken von Johann Sebastian Bach zum Beispiel dient sie ganz dem Wort. Der Text wird ja oft über den Kopf gefiltert; doch dieses Problem wird von der Musik gelöst, indem sie direkt ins Herz geht.

Gab es auch mal eine dramatische Konzertsituation, die Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, die Aufführung von Benjamin Godards Oper Dante bei einem Gastspiel in Versailles habe ich noch wie heute vor mir. Véronique Gens, die die weibliche Hauptrolle sang, sank eine halbe Minute vor dem Ende des Stücks ohnmächtig zu Boden. Inhaltlich ging es darum, dass die sterbende Béatrice nach all ihrem Leid in den Himmel eingeht. An dieser Stelle versagten Véronique Gens die Kräfte, und im ersten Moment hätte man glauben können, sie spielt es, weil die zwei Stunden davor so dicht und emotional waren. Wir hatten große Sorge um sie und waren sehr erleichtert, als wir später erfuhren, dass es ihr gut geht. Ich kann mir vorstellen, dass sie als Sängerin auf der Bühne die Handlung so tief empfunden hat, dass dies zu ihrem Zusammenbruch beigetragen hat. Wir haben das Stück dann nicht mehr zu Ende gespielt. Ulf Schirmer, der das Werk dirigiert hat, entschied, es lieber so zu belassen.

Was tun Sie, wenn Sie nach all den intensiven Eindrücken und Erlebnissen, die das Leben als Musiker mit sich bringt, mal abschalten wollen?

Ich mache gern Sport, bin Hobby-Rennradfahrer. Zu Fuß geht es mir zu langsam und im Auto zu schnell. Aber auf dem Rennrad habe ich die perfekte Geschwindigkeit, um die Welt um mich herum wahrzunehmen. Überhaupt beobachte ich gerne die Natur und Tiere – auch beim Schnorcheln oder in den Bergen. Ganz vom Sport hat mich mein Vater also nicht weggeholt. Bis heute spiele ich auch Beach-Volleyball – und glücklicherweise ist mir noch nie etwas an den Händen passiert.

 

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