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1929 - Tempo, Tanz und Technik

1929 - Tempo, Tanz und Technik

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29. Oktober 1923 – ein geschichtsträchtiges Datum. Inmitten des politischen wie wirtschaftlichen Krisenjahres wurde in der Dachkammer eines Bürogebäudes am Potsdamer Platz mit der ersten Sendung der Berliner Funkstunde das Zeitalter des öffentlichen Rundfunks in Deutschland eingeläutet. – Für die Produktion und Rezeption von Musik bot der Rundfunk ganz neue Möglichkeiten. Die beiden Kompositionen der vorliegenden CD profitierten von diesen Entwicklungen – und sie gestalteten sie auch aktiv mit. Bloß drei Monate nach der Uraufführung von Hanns Eislers Tempo der Zeit bei den Donaueschinger Musiktagen 1929 riss der Börsencrash des „Schwarzen Freitags“ genau diejenigen, an welche sich diese „Kantate des kleinen Mannes“ wandte, in einen Abgrund aus Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger. Eduard Künnekes Tänzerische Suite wurde im gleichen Jahr 1929 am Vorabend der Eröffnung der ersten Berliner Funkausstellung uraufgeführt. Der durch Operetten wie Der Vetter aus Dingsda beliebte Komponist spielte in den Anfangsjahren des Radios eine bedeutende Rolle; er galt als „musikalisch dem Operettendurchschnitt überlegen“.

Hanns Eislers Kantate Tempo der Zeit op. 16 für Soli, Sprecher, Chor, Bläser und Schlagzeug entstand 1929 als Auftragswerk der Donaueschinger Musiktage (1927 bis 1929 unter dem Namen „Deutsche Kammermusik Baden-Baden“). Die Uraufführung fand am 28. Juli im Konzert „Originalmusik für Rundfunk“ in Baden-Baden statt – mit dem Frankfurter Rundfunkorchester unter Leitung von Hermann Scherchen. Das Libretto hatte der berühmte Schlagertexter Robert Gilbert (Ein Freund, ein guter Freund) unter seinem Pseudonym David Weber geschaffen. Tempo der Zeit trifft mit seinem reinen Bläserensemble und Schlagwerk den typischen Songspiel-Sound jener Zeit. Dass Eisler ausgerechnet das „moderne“ Medium des Rundfunks nutzte, um seine fundamentale Kritik an blinder Technikbegeisterung unters Volk zu bringen, ist ein pikantes Detail seiner Komposition und ihrer Rezeptionshistorie.

Eduard Künnekes fünfsätziges Concerto grosso Tänzerische Suite op. 26 für Jazzband und großes Orchester war der sechste Kompositionsauftrag, den der Komponist von der Berliner Funk-Stunde erhielt. Seine fünf Sätze entsprachen modernen Tänzen: Die Ouvertüre ist ein Foxtrott, das Andante ein Blues, das Intermezzo ein Tango, der Valse mélancolique ein Valse Boston und das Finale wieder ein Foxtrott. Die Uraufführung fand unter Künnekes Leitung am 8. September 1929 in Halle 5 der Berliner Funkausstellung statt. Es spielte das Berliner Funk-Orchester zusammen mit der renommierten Jazzband von Dajos Béla. Die Suite wurde als Meilenstein aktueller Rundfunkmusik gefeiert und bald ins reguläre Konzertprogramm übernommen. Selbst die Kritik war begeistert: „Künneke verbindet geschickt den Charakter der alten Suite mit den modernen Mitteln. Moderne Tänze werden mit erregender Rhythmik und reichgetöntem Kolorit plastisch stilisiert, unter reizvoller Verwendung solistisch hervortretender Instrumente wie Geige, Saxophon usw. Das Ganze ist von guter Hörbarkeit im Rundfunk, gefällig, einfallsreich, Jazz-Symphonik auf bestem Niveau.“

Die CD erscheint im Rahmen des Programmschwerpunkts zum Thema „100 Jahre Rundfunk“, der zeigt, wie prägend der Sound dieses Jahrhunderts war: 1923 begann inmitten der gesellschaftlichen Umwälzungen das Zeitalter des Rundfunks. In der für das neue Medium komponierten Musik spiegelt sich die Zeit zwischen Moderne und Tradition, Revolution und Republik, Jazz und Tanzmusik.

Mitwirkende

Ruth Volpert, Mezzosopran
Christopher Dollins, Bariton
Clemens Nicol, Sprecher

Tomasz Tomaszewski, Solovioline Jazzband

Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater München
Martin Steidler, Einstudierung

Münchner Rundfunkorchester
Ernst Theis, Leitung

November 2023
CD BR-KLASSIK 900350

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