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Interview mit der Soloharfenistin Uta Jungwirth

Aus dem Programmheft zum 3. Mittwochs um halb acht 2017/2018 am 11. April 2018

Uta Jungwirth zeigt Kindern ihr Instrument, die Harfe (Denis Pernath Fotografie)
Uta Jungwirth zeigt Kindern ihr Instrument, die Harfe.

Uta Jungwirth, können Sie sich an Ihren ersten Kontakt mit einer Harfe erinnern?

Da war ich noch ein kleines Kind: Meine Geschwister und ich hatten Flötenunterricht bei einer Musikerin, die auch Harfenistin war, und so hörte ich zum ersten Mal das Instrument. Meine Eltern haben mir dann vorgeschlagen, Harfe zu lernen. Ich habe im Alter von acht Jahren begonnen und bald an der Reaktion der Leute gemerkt, dass dieses Instrument offenbar etwas Besonderes ist. Am Anfang kam es mir ziemlich groß vor, aber ich habe gespürt, dass es gut zu mir passt: Es ist ein sehr handwerkliches Spielen; der Kontakt zum Instrument und die Tonerzeugung gehen direkt über die Fingerkuppen. Nichts ist dazwischen: keine Fingernägel, keine Technik, kein Bogen! Deshalb klingt die Harfe besonders individuell. Gerade bei Wettbewerben merkt man das sehr deutlich.

Haben Sie gleich auf einer normalen Konzertharfe begonnen?

Nein, eine Konzertharfe wäre zu groß und zu teuer. Man weiß ja am Anfang nicht, ob man das beruflich machen möchte. Und es würde auch zu viel Kraft kosten, denn das Instrument wird beim Spielen gekippt und gegen die Schulter gelehnt. Hier bei uns fangen die Schüler in der Regel mit einer bayerischen Liederharfe an – auch Volksmusikharfe oder Einfachpedalharfe genannt. Sie ist kleiner als eine Konzertharfe und hat Saiten aus Nylon. Daher ist sie in der Anschaffung günstiger und trotzdem ein authentisches Instrument, zum Beispiel für alpenländische Stubenmusik. Man kann sich damit in bestimmten Tonarten bewegen, kann begleiten oder zum Beispiel das Konzert für Flöte und Harfe von Mozart oder das Harfenkonzert von Händel darauf spielen. In manchen Ländern fängt man dagegen auf einer irischen Harfe an. Das ist ein ganz anderes Instrument: viel kleiner und mit Haken oben am Rahmen zum Verstellen der Halbtöne, geeignet vor allem für keltische oder irische Volksmusik.

Ab wann hatten Sie eine Konzertharfe?

Ich selbst bekam mit 13 Jahren eine Konzertharfe von der bekannten Firma Horngacher in Starnberg. Die Wartezeit betrug damals fünf Jahre. Aber nachdem jemand anderes zurückgetreten war, ging es schneller. Im Orchester spiele ich auf Horngacher-Harfen, die dem BR gehören.

Wie lange dauert es, die Harfe zu stimmen?

Mit einem Stimmgerät kann man die 47 Saiten recht schnell stimmen, aber ich brauche dann noch mindestens zehn bis zwanzig Minuten Zeit, um die Stimmung ganz in Ruhe und anhand einzelner Stellen zu überprüfen, die später im Stück drankommen. Nur so kann ich ein gutes Ergebnis liefern.

Schauen Sie beim Spielen mehr auf die Noten oder auf die Saiten?

Darin liegt bei der Harfe tatsächlich eine große Schwierigkeit. Es ist nicht wie beim Klavier, wo mit den Tasten alles vor einem liegt. Ein Streicher wiederum würde nie schauen, wo zum Beispiel das hohe e liegt. Aber bei der Harfe sieht man normalerweise schon auf die Saiten, sobald man springen muss. Im Orchester muss man außerdem die Verbindung zum Dirigenten halten, während das Notenpult in einer ganz anderen Blickrichtung steht. Bei wichtigen Stellen, die sehr gut zu hören sind oder an denen man ganz alleine ist, überlege ich mir vorher, was ich auswendig lernen muss, oder ich lege mir die Noten so, dass die betreffende Stelle rechts liegt, damit ich den Kopf nicht so weit drehen muss.

Eine Konzertharfe wiegt ungefähr 35 Kilogramm. Wie transportieren Sie Ihr Instrument?

Ich habe einen kleinen Wagen – im Prinzip wie eine Sackkarre, aber extra für die Harfe gebaut. Damit kann ich sie fortbewegen und auch ein paar Treppenstufen hochziehen. Dennoch bin ich sehr froh, dass hier beim BR die Orchesterwarte alles aufbauen. Früher war ich privat als Musikerin viel unterwegs und musste mir immer überlegen, was ich mit der Harfe mache. Man kann das Instrument nicht einfach an der Raststätte im Auto lassen, besonders wenn es gerade minus 20 Grad hat oder sehr heiß ist.

Sie haben schon als Kind bei der renommierten Harfenistin Maria Graf Unterricht erhalten, später dann bei ihr an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg studiert. In welcher Tradition stehen Sie dadurch?

Wir gehören zur französischen Schule. Das erkennt man zum Beispiel daran, wie die Finger auf die Saiten gehen und wie stark man die Saiten andrückt, bevor man loslegt. Es ist also nicht einfach ein Zupfen, sondern der Ton wird zum Leben erweckt. In Frankreich wurde die Harfe viel gespielt, sie passte sehr gut zum dortigen Musikgeschmack und zu Komponisten wie Debussy und Ravel. In Deutschland dagegen hing es sehr von der Epoche ab: In der Klassik war der Klang der Harfe wenig beliebt. Aber später, in der Romantik bis hin zu Richard Wagner, wurde sie gerne eingesetzt − gerade auch in der Oper, wenn es die Handlung verlangte, zum Beispiel bei einem Ständchen oder bei sakralen Themen.

Ist die Harfe heute immer noch ein Fraueninstrument?

Ja, absolut − ich behaupte, mindestens zu 95 Prozent! Aber es gibt auch gute Harfenisten. Ein Instrument kann man eben nur dann perfekt spielen, wenn es einem liegt; es ist nicht so, dass ein Musiker gleichermaßen für Flöte oder Geige oder für Gesang geeignet ist. Es muss passen.

Sie haben wichtige Erfahrungen an der Hamburgischen Staatsoper und im Philharmonischen Orchester Kiel gesammelt und traten 1995 noch vor Studienende die Stelle als Soloharfenistin im Münchner Rundfunkorchester an. Warum haben Sie sich für dieses Orchester entschieden?

Es war die erste Stelle in Deutschland, die frei wurde – nach zwei Jahren! Natürlich habe ich mich da beworben. Als ich genommen wurde, habe ich mich sehr gefreut, denn München ist meine Geburtsstadt und hier habe ich bis zum Abitur gelebt. Ich halte es für eine schicksalhafte Fügung, ins Rundfunkorchester gekommen zu sein, denn die Harfe ist in unserem Repertoire – wir arbeiten viel mit Sängern zusammen und spielen regelmäßig Oper – von großer Bedeutung. Überhaupt passen die Anforderungen hier gut zu meinen Stärken.

Wie fühlt man sich als Harfenistin im Kollektiv?

Es ist psychologisch eine interessante Situation, wenn man wie ich als „Ein-Personen-Gruppe“ im Orchester ganz auf sich selbst gestellt ist und niemand mit demselben Instrument neben einem sitzt. Ich habe in meiner Stimme oft lange Pausen, und es ist nicht einfach, sich zu orientieren. Das ist eine spezielle Anstrengung, bevor ich überhaupt einen Ton gespielt habe, die man anderen schwer begreiflich machen kann. Ich empfinde eine starke Verantwortung, ganz allein für die spezielle Klangfarbe der Harfe im Orchester zuständig zu sein.

Welche Aufgaben im Rundfunkorchester sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

„Besonders“ ist aufgrund der Programmatik des Orchesters fast alles, was wir spielen. Aber sehr in Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel die Kantate La vita nuova von Ermanno Wolf-Ferrari, die wir unter der Leitung von Marcello Viotti aufgeführt haben, oder auch Haydns Oper Lʼanima del filosofo. Einen ausgedehnten Harfenpart gibt es im Weidenlied aus Rossinis Otello, das wir mit unserer Artist in Residence Marina Rebeka auf CD aufgenommen haben. Und bei Jonathan Doves Oper Flight, einer Kooperation mit der Theaterakademie August Everding, habe ich eine Idee davon bekommen, wie es wohl für einen Streicher sein muss, im Orchester zu spielen, weil ich fast durchgehend dran war − gemeinsam mit Klavier und Celesta. Ein Highlight in jüngster Zeit war das Paradisi-gloria-Konzert mit Brittens Ceremony of Carols für Soli, Frauenchor und Harfe. Danach meinte mein ältester Sohn − er ist 16 −, das sei das schönste Konzert gewesen, das ich je gespielt hätte.

Und im Bereich des Crossover, den das Rundfunkorchester ebenfalls „im Blut“ hat?

Vor ein paar Jahren haben wir bei einem Projekt mit Willy Astor im Circus-Krone-Bau das Stück 87 Saiten von Christian Elsässer uraufgeführt – mit einem großen Solopart für zwei Harfen und einer riesigen Kadenz. Kiko Pedrozo spielte dabei auf einer Volksmusikharfe im Stil der paraguayischen Volksmusik. Da zupft man die Saiten mit den Nägeln an, nicht mit den Fingerkuppen. Dadurch ist der Klang sehr hell und klar.

Haben Sie ganz generell ein Lieblingsstück auf der Harfe?

Es gibt Stücke, die besser in der Hand liegen als andere und dadurch angenehmer zu spielen sind. Und es gibt Stücke, an denen man sich abarbeitet, ohne dass sie einen großen Effekt erzeugen. Sehr gut für das Instrument liegen zum Beispiel die Kompositionen für Harfe von Gabriel Fauré, Marcel Tournier oder Alphonse Hasselmans. Mein Lieblingsstück ist das Septett für Flöte, Klarinette, Streichquartett und Harfe von Maurice Ravel − eigentlich ein Harfenkonzert mit kleinem Ensemble. Ich habe es schon öfters gespielt, zum Beispiel bei der 50-Jahrfeier des Rundfunkorchesters 2002 und in unserer Kammermusik-Reihe des Freundeskreises, die mir sehr am Herzen liegt. Sie ist ein gutes Forum, um die herausragenden Fähigkeiten der Orchestermitglieder hörbar zu machen.

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