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StartseiteHome Orchester Interview Uta Hannabach

Interview mit der geigerin uta hannabach

Aus dem Programmheft zum 1. Sonntagskonzert 2021/2022 am 10. Oktober 2021

4. Klassik zum Staunen 2020/2021 “Mit Händel durch Europa”, Ltg. Ektoras Tartanis (Credit BR/Markus Konvalin)
Uta Hannabach (links) mit Orchesterkollegin Elena Soltan im Studio 1 des BR

Uta Hannabach, Sie erhielten im Alter von fünf Jahren ersten Geigenunterricht bei Ihrer Mutter.

Ja, sie hatte Schulmusik mit dem Hauptinstrument Violine studiert und war der Geige sehr zugetan. So ist in mir der Wunsch erwachsen, ebenfalls dieses Instrument zu lernen. Ich bekam eine Achtelgeige, also eine sehr kleine Violine, auf der inzwischen meine Kinder spielen. Sehr lange – und sicher schon mit drei oder vier Jahren – habe ich nur leere Saiten gestrichen, ohne mit der linken Hand Töne zu greifen. So lässt sich die Bogenhaltung trainieren, was fast schwieriger ist als das Beherrschen der linken Hand. Jedem, der zu uns kam, bis hin zum Versicherungsvertreter, habe ich die leere E-Saite vorgespielt. Und ich spürte irgendwann, dass das Geigespielen meine Sprache ist. Mir gefällt es, mich damit auszudrücken. Mit anderen Instrumenten funktioniert das natürlich auch, aber mit der Violine besonders gut.

Hatten Sie bis zum Abitur Unterricht bei Ihrer Mutter?

Nein, ich habe relativ bald zu Ludwig Hornung, dem Vater des bekannten Cellisten Maximilian Hornung, gewechselt, bei dem ich ungefähr fünf Jahre blieb. Anschließend war ich für denselben Zeitraum Schülerin bei Klaus Winkler aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Sie sind in dem schönen Städtchen Oettingen im Ries aufgewachsen. Wie haben Sie da musikalische Kontakte geknüpft?

Für mich war relativ früh das Spielen in verschiedenen Jugendorchestern wichtig, weil man mit der Geige doch immer irgendwie als Exot galt. Unter anderem war ich im Schwäbischen Jugendsinfonieorchester, wo Vladimir Lakatos aus dem Münchner Rundfunkorchester die Ersten Violinen als Dozent betreute, und im Bundesjugendorchester, außerdem während des Studiums im Bundesstudentenorchester und im Schleswig-Holstein Festival Orchestra.

Wann wussten Sie, dass Sie Berufsmusikerin werden wollten?

Nach dem Abitur habe ich überlegt, ob ich Medizin oder Musik studieren soll. Ich bewarb mich parallel für beides, und die Aufnahmeprüfungen für Geige klappten überall super. Ich dachte, das ist ein Fingerzeig, und entschied mich für die Musik. Zudem kam ich zu meinem Wunschlehrer Kurt Guntner an der Münchner Musikhochschule, bei dem ich nach dem Examen noch die zweijährige Meisterklasse absolvierte. Er war ein großartiger Mensch und Pädagoge, der nicht mit Druck gearbeitet, sondern auf das Verständnis der Studenten gesetzt hat. Bei ihm konnte man so weit kommen, wie man eben selber bereit war zu gehen. Und jeder seiner Studenten spielte anders. Heutzutage gibt es oft das Phänomen, dass alle in einer Klasse sehr ähnlich spielen. Er hat bei jedem den eigenständigen Charakter der Interpretation belassen und Tipps gegeben; aber man war nicht gezwungen, sie anzunehmen. Ich fand es bewundernswert, wie erfolgreich es ihm durch gezielte Probespiel-Vorbereitung gelang, seine Studenten in Orchestern unterzubringen. Gerade in der heutigen Zeit ist es für Musikerinnen und Musiker wichtig, einen festen Job zu haben. Doch im Vergleich zu den Absolventen gibt es zu wenig Stellen.

In der Spielzeit 2000/2001 waren Sie Stipendiatin der Münchner Orchesterakademie. Was verbarg sich hinter dieser Einrichtung?

Das war ein Zusammenschluss von Münchner Philharmonikern, Bayerischem Staatsorchester und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, bevor jeweils die eigenen Akademien entstanden, wie es sie heute gibt. So konnte ich in diesen drei Orchestern als Aushilfe spielen und war zum Beispiel auch mit der Bayerischen Staatsoper auf einer mehrwöchigen Tournee in Japan. Da ich bei einem Stück nicht eingesetzt war, hatte ich den ein oder anderen Tag frei – und damit das Glück, Tokio kennenzulernen.

Seit 2003 sind Sie Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters in den Ersten Violinen. Warum haben Sie sich hier beworben?

Ich hatte das Rundfunkorchester zuvor schon als Aushilfe kennengelernt. Mir gefällt hier vor allem die große Bandbreite von Crossover-Programmen bis hin zur Zusammenarbeit mit tollen Sängerinnen und Sängern. Solch ein Spektrum findet man deutschlandweit nur in wenigen Orchestern. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Produktion mit dem Tenor Rolando Villazón, seine allererste CD. Unser damaliger Chefdirigent Marcello Viotti hatte ihn sozusagen mit entdeckt. Wir haben ja viele Debüt-CDs von Solisten gemacht. Auch mit Anna Netrebko haben wir zusammengearbeitet, als sie am Beginn ihrer Karriere stand. Es ist einfach fantastisch, mit Sängern zu musizieren. Wenn dann diese spezielle Verbindung zum Publikum entsteht, die wir jetzt in der Corona-Pandemie so vermisst haben, dann hängen die Leute den Sängern buchstäblich an den Lippen. Das lässt sich mit keinem Instrument vergleichen. Die menschliche Stimme ist eben einzigartig; vielleicht habe ich auch deshalb die Geige gewählt, weil sie ihr etwas ähnelt.

War das Orchesterleben so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Na ja, es kamen schwierige Zeiten, als 2004 die Auflösung des Rundfunkorchesters drohte und es schließlich verkleinert wurde. Einige haben sich damals ergänzend anderweitig orientiert, und ich habe berufsbegleitend eine Ausbildung zur Heilpraktikerin begonnen. Trotz allem habe ich meine Arbeit als Orchestermusikerin immer sehr geliebt. Später kamen dann unsere vier Kinder zur Welt; meinen Mann Jörg Hannabach hatte ich zuvor im Rundfunkorchester kennengelernt. Inzwischen ist er Schlagzeuger bei den Münchner Philharmonikern. Seit März dieses Jahres bin ich aus der Elternzeit zurück, weil unsere jüngste Tochter in den Kindergarten geht und sich alles gut organisieren lässt.

Wie lebt es sich in einer Musikerfamilie?

Da ist natürlich immer was los. Zurzeit steht das Vibrafon meines Mannes im Wohnzimmer, und unsere Kinder sind geprägt davon, dass wir viel spielen. Glücklicherweise gefällt es ihnen, sodass sie auch selbst Instrumente lernen. Aber in der heutigen Zeit würde ich meinen Kindern nicht unbedingt empfehlen, Berufsmusiker zu werden. Man muss da mit Biss dabei sein. Wenn sie es unbedingt wollen, würde ich es sicher nicht verbieten. Doch jetzt in der Pandemie hat man gesehen, dass die Kultur allgemein keinen allzu hohen Stellenwert hat.

Haben Sie Ihre Kinder mal zu Konzerten der Reihe Klassik zum Staunen mitgebracht?

Ja, natürlich. Da gibt es wunderbare Projekte. Ich finde es nach wie vor toll, wenn zum Beispiel die ganz Kleinen in der Zwergerlmusik mit Kissen auf dem Boden vor dem Orchester sitzen. Meine Kinder waren auch immer begeistert davon.

Wie war es für Sie, nach der Elternzeit wieder einzusteigen?

Wunderschön, ich liebe das Orchester mit all den netten Kolleginnen und Kollegen. Dadurch dass es nicht allzu groß ist, fühlt es sich fast wie eine Familie an. Und es kommt mir so vor, als hätte ich nur einen Tag pausiert. Eine gewisse Umstellung war, dass wir pandemiebedingt bis zum Sommer weiter auseinander sitzen mussten als normalerweise. Doch das ist nicht unbedingt nur ein Nachteil; so ist man gefordert, sehr aktiv dabei zu sein. Man kann sich nicht verstecken, sondern muss alles geben.

Was war Ihr schönstes Erlebnis im Münchner Rundfunkorchester?

Mir haben immer die musikantischen Sachen besonders gefallen. Gerade Marcello Viotti hatte diese Eigenschaft an sich, mit aller Seele Musik zu machen. Das gilt auch für unseren jetzigen Chefdirigenten Ivan Repušić. Zuletzt war zum Beispiel die Aufnahme von Mozarts Drittem Hornkonzert mit dem Solisten Radovan Vlatković ganz fantastisch. Er hat das so locker gespielt, dabei ist das Horn ein heikles Instrument! Es war richtig erhebend: Mozart oder Bach reinigt eben immer die Seele. Vom Spaßfaktor her waren natürlich damals die Tourneen mit Bobby McFerrin cool; er versteht es ebenfalls, die Stücke musikantisch anzugehen. Auch lustige und humorvolle Sachen haben wir gemacht, zum Beispiel Kinderkonzerte mit dem Clowntrio Extra Nix.

Sie lieben auch Kammermusik und wurden mit dem Amadis-Quartett und dem Lenbach-Trio in Yehudi Menuhins Organisation Live Music Now aufgenommen.

Ja, als Stipendiaten von Live Music Now spielten wir in Altenheimen, Krankenhäusern oder auch Gefängnissen. Es tat gut, Musik dorthin zu bringen, auch wenn es in teils bedrückenden Situationen nicht einfach war, etwas Positives zu vermitteln. Mit den Kolleginnen aus den beiden Ensembles musiziere ich nach wie vor. Das Amadis-Quartett tritt in dieser Saison zum Beispiel mit dem Pianisten Gerold Huber im Bürgerhaus in Gräfelfing und im Kupferhaus in Planegg auf. Und mit unserer Bratschistin Veronika Stross spiele ich häufig auch in anderen Besetzungen, zum Beispiel zusammen mit Klarinette, Horn oder Klavier.

Was tun Sie, wenn Sie mal komplett abschalten wollen?

Ich mache gerne Yoga. Das bringt mich runter und ist mein Elixier – sofern ich zuhause die Ruhe dazu finde. Ich bin auch gerne in der Natur und kümmere mich um unseren Garten.

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