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StartseiteHome Orchester Interview Ralf Klepper

interview mit dem geiger ralf klepper

Aus dem Programmheft zum 1. Sonntagskonzert 2019/2020 am 13. Oktober 2019

Marina Rebeka, Ralf Klepper (Credit ralfoto)
Marina Rebeka, Artist in Residence des Münchner Rundfunkorchesters 2017/2018, und Ralf Klepper

Ralf Klepper, Sie wurden in Bukarest in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Ihr Vater war Komponist und Chorleiter, Ihre Mutter ist Kunstgrafikerin. Wie haben Sie diese Umgebung als Kind erlebt?

Am Anfang nimmt man die Eltern ja nur als Vater und Mutter wahr. Aber irgendwann merkte ich, dass meine Eltern – im Unterschied zu anderen – weder zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwohin mussten, noch Ordner zuhause stehen hatten, sondern mit Zeichenblock und Notenpapier herumliefen. Mein Vater spielte stundenlang am Klavier, bevor er seine Kompositionen notierte; und meine Mutter verschwand immer wieder ins Atelier, in das sie mich auf mein Drängen schließlich mitnahm: eine alte Villa mit hohen Räumen – drinnen Druckpressen und Wannen mit Säure für die Tiefdruck-Radierungen und Steinplatten für Lithografien –, wo ich auch erste Versuche im Zeichnen und Radieren unternahm. Je nach Umfeld war ich entweder „der Sohn von Hildegard, der Grafikerin“, oder „der Sohn des Direktors Walter Michael Klepper“, denn er wirkte unter anderem als Manager des Filmorchesters und künstlerischer Direktor an der Oper in Bukarest.

Wie fiel dann die Wahl auf Ihr Instrument, die Geige?

Ursprünglich hat mein Vater das entschieden; er war fasziniert vom Geigenspiel. Meine zweitälteste Schwester spielte ebenfalls Violine, während meine drittälteste Schwester fürs Klavier vorgesehen war und meine Halbschwester später als eine Art Pianowunder sogar vor der belgischen Königin auftrat. Ich war am Anfang sehr strebsam mit der Geige, habe an der Spezialschule für Musik mehrere Preise gewonnen, aber dann den eintönigen Unterricht immer langweiliger gefunden und die Lust verloren. Doch irgendwie habe ich mich ohne Geige immer eigenartiger gefühlt, bis ich wusste: Ich will doch Violinist werden. Später nahm ich den Unterricht wieder auf und bestand mit 14 Jahren erfolgreich die strenge Aufnahmeprüfung fürs Musiklyzeum. Dort war ich dann mit einer ganzen Generation von Wunderkindern, die heute Konzertmeister und Solisten irgendwo auf der Welt sind, in derselben Klasse. Ich durfte Paganini üben wie meine Kollegen und kam schließlich nach Klausenburg (Cluj-Napoca) ans Konservatorium. Das war meine heftigste Zeit, was das Üben angeht: manchmal acht bis zehn Stunden am Tag.

Im Alter von 21 Jahren siedelten Sie nach Deutschland über. Was war der Grund dafür?

Meine Eltern stammen aus dem rumänischen Banat, wo es eine starke deutsche Minderheit gab. Doch die Möglichkeiten, eigenständig zu wirtschaften und die eigene Sprache und Kultur zu pflegen, wurden stark eingeschränkt. Ich selbst hörte damals als Musikstudent nachts die Radioübertragungen aus dem Westen: Karajan am Pult der Berliner Philharmoniker, Jascha Heifetz und viele andere. Und die Sehnsucht nach Freiheit war groß. Deshalb haben wir die Auswanderung beantragt und wurden gemäß Vertrag zwischen Helmut Kohl und Ceauşescu schließlich „freigekauft“. In München angekommen konnte ich nach einer Eignungsprüfung sogleich mit dem Studium an der Hochschule für Musik beginnen. In dieser Zeit lebten meine Schwestern und ich zusammen mit unserer Mutter in einem einzigen Zimmer in einem Übergangswohnheim im Münchner Norden. Mein Vater kam erst später nach Deutschland.

Stießen in Ihrem Werdegang also unterschiedliche Ausbildungssysteme aufeinander?

Ich stellte mit Verwunderung fest, dass es hier keine vergleichbaren Einrichtungen gibt, die einen auf die Musikhochschule vorbereiten. Und ich fand es schade, dass meine deutschen Kollegen, wenn sie nicht dem Tölzer Knabenchor angehört oder sich anderweitig Kenntnisse zum Beispiel in Musiktheorie und Gehörbildung verschafft hatten, sehr im Nachteil gegenüber den Bewerbern aus Japan, Korea oder Russland waren. Meiner Meinung nach macht man da bis heute hier im Westen einen großen Fehler. Es fehlt die kontinuierliche und professionelle Förderung vom Kindergarten bis zur Universität. Die Folgen sehen wir bei Probespielen und Wettbewerben.

Was fanden Sie an Ihrem Studium in München gut?

Als positiv habe ich die Arbeitsatmosphäre, die Wahlmöglichkeiten in der Ausbildung und die Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten erlebt; so hat sogar Leonard Bernstein das Hochschulorchester als Gast dirigiert. Überhaupt hatte man die Chance, viele Künstler und Orchester kennenzulernen. Dieser Zugang zum Elite-Weltmarkt war ein riesiger Vorteil, ebenso die Verfügbarkeit von Instrumenten, Saiten und anderen Musikalien, wie ich es aus Bukarest nicht kannte. Auch habe ich von meinen deutschen Studienkollegen gelernt, dass man sich wertfrei unterstützen und gegenseitig helfen kann. Das war für mich von unschätzbarem menschlichen Wert.

Im April 1985 wurden Sie Stimmführer der Zweiten Violinen bei den Stuttgarter Philharmonikern.

Ja, ich wollte heiraten, hatte BAföG-Schulden und nahm daher, nachdem ich lange als Aushilfe an der Bayerischen Staatsoper, bei den Münchner Philharmonikern und auch im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gespielt hatte, diese Stelle an. Doch meine erste Frau studierte noch in München und so habe ich im September 1986 zum Münchner Rundfunkorchester in die Gruppe der Ersten Violinen gewechselt. Hier hat mich sogleich die große Vielfalt fasziniert – endlich ein Orchester ohne Scheuklappen! Damals standen nebst Crossover und Rundfunkproduktionen allerdings noch mehr symphonische Werke auf dem Programm als heute, besonders in den Funkkonzerten und später bei den Promenadenkonzerten am Sonntagvormittag im Herkulessaal der Residenz. Der Schwerpunkt jedoch liegt heute wie damals auf der Oper, und das ist eine meiner großen Vorlieben und ganz im Sinne des Profils des Rundfunkorchesters.

Welches war Ihr schönstes Konzerterlebnis hier?

Da gab es einige. Nie vergessen werde ich Puccinis Triptychon – Il tabarro, Suor Angelica und Gianni Schicchi − unter der Leitung von Giuseppe Patané. Oder die Konzerte und Tourneen mit Sängern wie Luciano Pavarotti und Plácido Domingo, der auch unsere Aufnahme der Fledermaus dirigiert hat. Unvergesslich sind mir zudem viele Konzerte mit Marcello Viotti sowie zuletzt mit einem Dirigenten, den ich unglaublich gerne habe: unserem aktuellen Chef Ivan Repušić. Besonders aufwühlend war für mich das Gastspiel mit ihm im Februar dieses Jahres in Zagreb. Als letztes Stück spielten wir die Hymne an die Freiheit von dem kroatischen Komponisten Jakov Gotovac. Danach sprang das gesamte Publikum auf und jubelte frenetisch – und unserem Chef standen Tränen in den Augen! Im Juli das Gastspiel in Ljubljana, ebenfalls mit dem BR-Chor, war dann vielleicht das beste Konzert, das wir bisher mit ihm hatten. Es gibt doch nichts Schöneres, als durch Musik zwischenmenschliche Beziehungen über alle Grenzen hinweg zu schaffen und zu pflegen.

Sie haben sich in vielfältiger Weise für das Orchester engagiert, so als Delegierter in der Deutschen Orchestervereinigung und als Personalrat sowie als langjähriger Orchestervorstand, was Sie bis heute sind. Worauf gründet Ihre Motivation?

Irgendwie habe ich in mir wohl ein Gen, das Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit nicht erträgt und etwas verbessern will, wo es besser gelingen kann. Die wichtigste Errungenschaft war dann, dass ich in hohem Maß zum Erhalt des Orchesters beitragen konnte, als 2004 dessen Existenz in Frage gestellt war. In einer für alle Seiten schwierigen Situation haben wir – auch durch die Gründung des Freundeskreises und viele andere Aktivitäten – eine Lösung gefunden. Ich bin glücklich darüber, dass wir uns nun im Vorstand für Ivan Repušić und das Orchester in einer sicheren Lage einsetzen können. In diesem Zusammenhang schätze ich die offene und professionelle Zusammenarbeit mit der Orchestermanagerin Veronika Weber und dem Künstlerischen Betriebsbüro sehr.

Sie haben sich intensiv auf den Gebieten Management, Sponsoring und Marketing fortgebildet. Warum?

Schon in meiner Schüler- und Studentenzeit war ich einer derer, die Ausflüge und kleine Veranstaltungen organisiert haben, außerdem war ich Mitbegründer des Haydn-Ensembles und hatte ein Quartett. Später habe ich die Rock-Gruppe meines jüngeren Sohnes sehr erfolgreich gemanagt und für die Auftritte meiner jetzigen, zweiten Ehefrau als Sängerin Programme entworfen, Marketing gemacht und Auftritte organisiert. Ich habe also überlegt, was ich später, im sogenannten Ruhestand machen könnte: Ich möchte gerne Musiker und andere Künstler von Australien nach Deutschland bringen – und umgekehrt – und habe dafür ein MBA-Modulstudium für Internationales Management mit Unterrichtssprache Englisch an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kempten und an der Partneruniversität, der Queensland University of Technology in Brisbane, absolviert. Dort habe ich auch, als Student, meinen 60. Geburtstag an der Sunshine Coast gefeiert. Mittlerweile habe ich ein beachtliches internationales Netzwerk aufgebaut und freue mich auf das sonnige Down Under.

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