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StartseiteHome Orchester Interview Rabia Aydin

interview mit der Cellistin Rabia Aydin

Aus dem Programmheft zum 2. Mittwochs um halb acht 2019/2020 am 11. Dezember 2019

1. Paradisi gloria 2019/2020, Rabia Aydin (Credit BR/Markus Konvalin)
Rabia Aydin vor einem Konzert der Reihe Paradisi gloria in der Herz-Jesu-Kirche

Rabia Aydin, Sie sind in der Türkei aufgewachsen. Mit welcher Musik kamen Sie dort als Erstes in Berührung?

Das war tatsächlich die traditionelle türkische Musik, die meine Eltern gerne gehört haben. Aber es war nicht so, dass mir nur eine Art von Musik begegnet wäre, sondern es war eine bunte Mischung: Musik aus verschiedenen Ländern, Popmusik, klassische türkische Musik. Ich stamme nicht aus einer Musikerfamilie, wo man von Anfang an nur Klassik im Ohr hätte. Aber ich habe immer irgendetwas gesungen oder während der Pausen im Musikunterricht auf dem Klavier herumprobiert. Mein Musiklehrer hat das bemerkt und meine Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass ich ein gutes Gehör habe und Begabung mitbringe. Ich hatte das große Glück, dass meine Eltern mich von Anfang an sehr unterstützt haben und das bis heute tun. Sie leben in der Türkei und hätten auch irgendwann sagen können: „Komm doch zurück.“ Aber sie wissen genau, dass ich hier glücklich bin mit dem, was ich tue. Dafür habe ich auch jahrelang hart gearbeitet.

Mit elf Jahren haben Sie am Konservatorium in Antalya ersten Cellounterricht bekommen.

Ja, einerseits habe ich relativ spät damit angefangen. Besonders bei den Streichinstrumenten ist es eigentlich wichtig, früh zu beginnen. Andererseits musste ich mich sehr früh festlegen, ob ich das beruflich mache oder nicht, weil das Schulsystem in der Türkei so angelegt ist. Man muss sich zeitig entscheiden, ob man Musik studieren oder das allgemeine Abitur machen möchte. Drei Jahre lang bin ich vormittags auf die normale Schule gegangen und war nachmittags am Konservatorium, wo ich Cellounterricht bekam und weitere musikalische Fächer hatte. Ab der neunten Klasse war das Konservatorium dann die alleinige Schule, an der ich auch in Literatur, Mathematik oder Physik unterrichtet wurde. Aber im Zentrum stand die Musik.

Kann man sagen, dass das Cello Ihr Leben bestimmt hat?

Es waren viele Zufälle, die zusammenkamen. Anfangs wollte ich eigentlich Geige lernen, das Cello kannte ich gar nicht. Erst bei der Aufnahmeprüfung spielte mir mein späterer Cellolehrer, der auch Präsident des Konservatoriums war, darauf vor und zeigte mir, wie schön es klingt. So bin ich auf das Cello gekommen. Die Aufnahmeprüfung war eine allgemeine Prüfung, bei der die Musikalität getestet und auf die körperlichen Voraussetzungen geschaut wurde. In meinem Jahrgang waren viele andere, die zuvor ebenfalls noch kein Instrument gespielt hatten.

Mit 17 Jahren haben Sie das Studium bei Reiner Ginzel an der Hochschule für Musik und Theater München begonnen. Wie ergab sich das?

Das war wieder Zufall. Ich dachte, ich würde vielleicht für ein Aufbaustudium nach Deutschland kommen, wenn ich so weit bin. Aber kurz vor meinem Abschluss am Konservatorium trat mein damaliger Cellolehrer zurück. Es war klar, dass ich für das Universitätsstudium den Ort wechseln und einen neuen Lehrer finden musste. Ankara kam in Frage, aber meine Familie hatte auch einen Bekannten in München, der meinte, es gäbe hier eine tolle Hochschule. Warum sollte ich es also nicht probieren? Ich habe noch in der Türkei einen Deutschkurs besucht und mich auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet. Es war riskant, weil ich die Prüfung nur an der Münchner Musikhochschule gemacht habe. Aber als junger Mensch ist man besonders mutig und denkt nicht so viel über die Risiken nach.

Seit 2015 sind Sie Stipendiatin von Yehudi Menuhins Organisation Live Music Now.

Das läuft im nächsten Jahr aus, aber ab und zu habe ich noch Termine. Mich fasziniert der ideelle Hintergrund des Vereins. Das Konzept ist ja, dass man den Menschen, die keine öffentlichen Konzerte besuchen können, Musik bringt. Ich habe zum Beispiel in Krankenhäusern, Altenheimen und sogar auf Palliativstationen gespielt. Da hat man eine besondere Verbindung zu den Menschen, und es hat mich immer wieder daran erinnert, warum ich Musik mache: um die Zuhörer zu erreichen, zu berühren. Das macht mich glücklich. Vielleicht haben diejenigen, denen man bei Live Music Now begegnet, die ausgewählten Stücke schon einmal gehört und schwelgen in Erinnerungen. Ich spiele bei diesen Auftritten nicht nur klassische Musik, sondern auch populäre Musik und Melodien, die jeder kennt.

Sie waren 2013 Praktikantin bei den Symphonikern Hamburg. Was haben Sie dort gelernt?

Das war für mich absolutes Neuland. Davor hatte ich schon im Hochschulorchester gespielt, aber das waren einzelne Projekte. Im Musikstudium übt man sehr viel für sich allein, stundenlang. Nur wenn man Kammermusik macht oder bei einem Orchesterprojekt dabei ist, hat man mit den anderen Musikern Austauschmöglichkeiten. Aber wir sind alle Individuen; im Orchester zu sitzen, ist deshalb erst einmal ungewohnt. Das Praktikum in Hamburg war für mich der Einstieg, um das Orchesterleben richtig kennenzulernen: jeden Tag Dienst zu haben und zu proben − und jede Woche etwas anderes zu spielen.

Von 2015 bis 2017 gehörten Sie der Orchesterakademie des Bayerischen Staatsorchesters an. Wie gestaltete sich das?

Die Oper war für mich wiederum eine neue Welt. Man sitzt im Orchestergraben unter hervorragenden Musikerinnen und Musikern: Sie spielen sehr anspruchsvolle Stücke, aber man merkt gar nicht, wie schwer diese Werke eigentlich sind. Ich hatte auch Mentoren in der Akademie und erhielt Unterricht vom Solocellisten des Staatsorchesters. Der Opernbetrieb ist schon rein körperlich sehr fordernd. Deshalb fand ich es gut, dass wir neben dem mentalen Training auch Tipps bekommen haben, wie wir mit unserem Körper umgehen sollten. Wagners Götterdämmerung dauert sechs Stunden, das kann anstrengend werden. Man muss zum Beispiel auf die Körperhaltung achten und die Art, wie man auf dem Stuhl sitzt und das Instrument hält. Und allgemein ist es wichtig, dass man sich gut ernährt und sich bewegt. Das hält die Gedanken frisch.

Wie kam es, dass Sie Anfang dieses Jahres Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters wurden?

Ich hatte hier ein paarmal als Aushilfe gespielt. Schon beim ersten Projekt hat mich total fasziniert, wie gut das Orchester klang, wie freundlich die Kolleginnen und Kollegen waren und wie angenehm die Probenatmosphäre war. Da habe ich gedacht, dass ich gerne fest hier sein würde. Wenn man als Musiker eine Orchesterstelle haben möchte, muss man sich überall bewerben, denn die Konkurrenz ist groß. Normalerweise kann man nicht sagen, „Ich möchte hier arbeiten“, und es klappt. Doch bei mir war es tatsächlich der Fall. Ich habe verschiedene Probespiele gemacht, aber hier empfand ich dieses ehrliche Gefühl: Ich möchte, dass es funktioniert.

Welches Projekt hat Ihnen bislang am meisten Freude gemacht?

Ich gehöre erst seit kurzer Zeit zum Orchester, aber ich mag dieses vielfältige Programm hier sehr. Besonders gefallen hat mir das Sonntagskonzert plus mit der Sopranistin Krassimira Stoyanova und Auszügen aus Opern von Richard Strauss. Sie ist eine tolle Musikerin und singt mit viel Gefühl. Ich hatte richtige Gänsehautmomente, besonders bei der letzten Szene aus Capriccio: einfach magisch! Ich hoffe, dass sie wieder mit uns arbeiten wird.

Sie haben auch bei einem Kammerkonzert des Freundeskreises des Münchner Rundfunkorchesters mitgewirkt. Wie wichtig ist Ihnen die Kammermusik?

Sehr wichtig, denn es ist eine tolle Art zu kommunizieren. Ich fand es sehr schön, mich mit meinen Kollegen auf diese Weise etwas intensiver auszutauschen und über die eigenen Ideen zu sprechen. So lernt man sich persönlich und musikalisch besser kennen.

2016 haben Sie zusammen mit einer Klarinettistin aus Südkorea und einer Pianistin aus Japan das Trio Claron gegründet.

Ja, es ist ein relativ junges Ensemble mit einer internationalen Besetzung, aber das ist eigentlich selbstverständlich, wenn man an einer Musikhochschule studiert. Die Klarinettistin Jinny Lee kenne ich aus Studienzeiten; wir haben zusammen im Wohnheim gelebt. Und die Pianistin Yutaka Nishimura habe ich durch Jinny kennengelernt. Sie war ebenfalls an der Münchner Musikhochschule. Beim Musizieren, auch hier im Orchester, kommen unterschiedliche Menschen zusammen; jeder hat eine andere Persönlichkeit, eine andere Nationalität, einen anderen Geschmack. Aber wir wollen gemeinsam Musik machen. Irgendwie eine verrückte Idee. Doch am Ende sprechen alle dieselbe Sprache.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, um zu entspannen?

Ich fahre gerne Fahrrad, gehe wandern, liebe die Natur. Und ich habe viele Pflanzen; es tut mir gut, mich darum zu kümmern. Außerdem lese ich gerne.

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