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StartseiteHome Orchester Interview Peter Schlier

Interview mit dem Stellvertretenden Solobassisten Peter Schlier

Aus dem Programmheft zum 1. Sonntagskonzert 2016/2017 am 9. Oktober 2016

Gounod, Cinq-Mars © Lisa Hinder
Peter Schlier mit drei Kollegen der Kontrabassgruppe des Münchner Rundfunkorchesters. V.l.n.r.: Arpad György, Martin Schöne, Peter Schlier und Ingo Nawra

Peter Schlier, Sie sind seit 2008 Stellvertretender Solobassist im Münchner Rundfunkorchester. Da wir mit Ihnen unsere Serie von Interviews mit den Mitgliedern des Münchner Rundfunkorchesters eröffnen, möchte ich Sie gleich einmal fragen: Was zeichnet diesen Klangkörper aus?

Für mich ist das Besondere oder gar Einzigartige am Münchner Rundfunkorchester die außergewöhnliche Bandbreite der Aufgaben und des Repertoires. Das erlebe ich so bei keinem anderen Klangkörper – und das macht für mich auch den Reiz an der Arbeit hier aus.

An welches Konzert erinnern Sie sich besonders gern?

Am eindrücklichsten war für mich ein Konzert bei der Münchener Biennale 2010 unter der Leitung von Ulf Schirmer. Damals spielten wir unter anderem die Sechs Stücke für Orchester (op. 6) von Anton Webern in einer Version für kleinere Besetzung und das Notturno Musik für Julia von Helmut Lachenmann. Ich selbst komme ja von der Neuen Musik und habe sehr viel mit den auf diesem Gebiet führenden Ensembles – Ensemble Modern, Klangforum Wien, ensemble recherche – gearbeitet. Daher hat es mir viel Freude bereitet, zu sehen, wie kompetent unser Orchester mit diesem musikalischen Material umgegangen ist.

Was interessiert Sie an der Neuen Musik?

Die Kontrabassisten »leiden« ja unter einem gewissen Repertoiremangel; wir haben nicht derart viele Stücke zur Verfügung wie die Geiger oder die Cellisten. Man adaptiert natürlich geeignete Werke für Kontrabass. Gleichzeitig gibt es in der zeitgenössischen Musik viel Spannendes zu entdecken. Ich bin da am Ende meines Studiums „hineingestoßen“ worden und hatte die Gelegenheit, mit sehr guten Leuten zu spielen. Auf diese Weise habe ich sozusagen Blut geleckt. Es ist eine instrumentaltechnische wie auch musikalische Herausforderung, dem Wesen und den Ideen der Komponisten gerecht zu werden. Dass da nicht alles Gold ist, versteht sich von selbst; aber wir spielen ja auch von den klassischen Komponisten höchstens zehn Prozent ihrer Werke.

Angesichts Ihres Interesses für Zeitgenössisches wird Ihnen auch die Reihe Paradisi gloria des Münchner Rundfunkorchesters mit moderner geistlicher Musik in der Herz-Jesu-Kirche besonders zusagen.

Ja, ich finde die inhaltliche Ausrichtung dieser Reihe unglaublich gut − die Art der Plattform, die wie dort haben, und die Stücke, die wir präsentieren. Wenn ich irgendwo vom Münchner Rundfunkorchester erzähle, gebührt dieser Reihe, die nach wie vor recht einzigartig ist, immer ein besonderer Akzent.

Was ist Ihre Aufgabe im Orchester als Stellvertretender Solobassist?

Im Normalfall sitze ich an der zweiten Position in der Bassgruppe, spiele also neben dem Ersten Solobassisten. Ich verstehe meine Aufgabe so, dass ich meinem Kollegen den Rücken frei halte, wenn er zum Beispiel etwas anspruchsvolles Solistisches zu spielen hat. In einem Klangkörper von der Größe des Münchner Rundfunkorchesters ist man dann ein relativ direkter Link zu den anderen Kollegen in der Gruppe. Und wenn der Erste Solobassist einmal nicht da ist, übernehme ich seine Aufgabe.

Wie sind Sie ursprünglich zu Ihrem Instrument gekommen?

Das war eine ziemliche Odyssee. Aus einem Elternhaus kommend, wo viel musiziert wurde – mein Vater war Hobbyorganist und hat nebenher einen Kirchenchor geleitet –, haben meine beiden Geschwister und ich Klavier gelernt und viel gesungen. Ich habe auch eine dreiwöchige Geigenkarriere hinter mir. Irgendwann – ich war wohl zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt – haben meine Eltern darauf bestanden, dass ich ein Instrument etwas ernsthafter lerne. Zuhause stand ein Kontrabass herum, den ich dann genommen habe. Ich hatte das große Glück, am Gymnasium von einem Lehrer sehr gefördert zu werden, sodass ich als Jungstudent am Konservatorium in Augsburg aufgenommen wurde. Bald kam ich in das Schwäbische Jugendsymphonieorchester, dann in das Bayerische Landesjugendorchester, von dort aus führte der Weg hin zum Studium.

2003 waren Sie Artist in Residence beim Crested Butte Music Festival in Colorado.

Das ist ein typisches Sommerfestival in den Bergen von Colorado: Man ist einen ganzen Monat vor Ort und spielt von klassischen Kammermusikprogrammen über Kirchenkonzerte bis hin zu unterhaltsamen Konzerten à la Boston Pops alles Mögliche querfeldein. Für mich war es ein tolles Erlebnis, einige Wochen in dieser wunderschönen Natur zu verbringen und die Arbeitsweise der amerikanischen Kollegen kennenzulernen. Dazu gab es Privatkonzerte in den Sommerhäusern sehr vermögender Leute – und danach immer Zeit für ein Barbecue.

Wie halten Sie sich körperlich fit für Ihren Beruf?

Wir Kontrabassisten haben ja große Massen zu bewegen, und die Physik spricht dabei eher gegen uns. Ich versuche zum einen, meine Spieltechnik und die Haltung so ökonomisch wie möglich zu gestalten, und nehme mir da die Cellisten als Vorbild. Zum anderen muss man trainieren, und das bedeutet schlicht und ergreifend „üben“. Ein bisschen Sport schadet natürlich auch nicht, damit Rücken und Körpermitte gestärkt sind.

Sie haben als Gast in vielen renommierten Orchestern mitgewirkt, so im Concertgebouw-Orchester Amsterdam, im Mahler Chamber Orchestra und vor allem auch im Orchester KlangVerwaltung sowie in der Bayerischen Kammerphilharmonie. Wie befruchten sich diese Erfahrungen gegenseitig?

Bei Klangkörpern wie dem Concertgebouw-Orchester beeindrucken natürlich die große Spielkultur und Tradition: Das ist wie ein atmender Organismus. Kleinere Ensembles wie das Mahler Chamber Orchestra oder die Bayerische Kammerphilharmonie bestechen durch ihren hohen Grad an Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Musiker bis in die Proben hinein. Gerade wenn ohne Dirigent gearbeitet wird, muss man eine ganz andere Verantwortlichkeit an den Tag legen als bei einem großen Symphonieorchester, wo der Dirigent vorne am Pult die Marschroute vorgibt.

Heute Abend steht beim Münchner Rundfunkorchester die Oper Proserpine auf dem Programm. Wie schreibt Camille Saint-Saëns denn für den Kontrabass?

Speziell in dieser Oper finden sich keine unüberwindlichen Hürden, aber generell kann es bei Saint-Saëns schon lustige Überraschungen geben. Er schrieb ja eines der berühmtesten Stücke für Kontrabass, den Elefanten aus dem Karneval der Tiere. Insofern lag ihm das Instrument schon am Herzen.

Worin liegt die Herausforderung bei konzertanten Aufführungen von Opern für das Orchester insgesamt?

Ein wichtiger Punkt ist, das wir Musiker dabei nicht im Orchestergraben sitzen. Die Sänger stehen vor uns, kehren uns also den Rücken zu. Dadurch ist die Koordination oder auch die Abstimmung der Dynamik ungleich komplizierter als bei einer szenischen Aufführung, bei der die Sänger von der Bühne aus über das Orchester hinweg singen. Man kann viel schwerer abschätzen, wie der Klang zusammengeht. Das ist dann natürlich Aufgabe des Dirigenten. Aber das Münchner Rundfunkorchester hat ja gerade mit der konzertanten Aufführung von Opern eine große Erfahrung.

Auf welche Veranstaltungen des Münchner Rundfunkorchesters sind Sie in dieser Saison besonders neugierig?

Gerade auf das heutige Sonntagskonzert habe ich mich sehr gefreut, denn ich finde die Zusammenarbeit mit der Stiftung Palazzetto Bru Zane außerordentlich spannend. Es ist großartig, welche Stücke wir dabei schon entdecken konnten. Auch unser Konzertformat Mittwochs um halb acht mag ich sehr: kurz und kompakt, sodass man danach im Gartensaal des Prinzregententheaters noch mit dem Publikum plaudern kann. Auf die Zusammenarbeit mit der Theaterakademie August Everding und die zeitgenössische Oper Flight von Jonathan Dove bin ich ebenfalls ganz gespannt.

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