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StartseiteHome Orchester Interview Malgorzata Kowalska-Stefaniak

Interview mit der Bratschistin Malgorzata Kowalska-Stefaniak

Aus dem Programmheft zum 2. Sonntagskonzert 2016/2017 am 20. November 2016

Malgorzata Kowalska-Stefaniak in der Grundschule Weßling (C) Maria Streifinger
Malgorzata Kowalska-Stefaniak mit einem Schüler der Grundschule Weßling

Malgorzata Kowalska-Stefaniak, Sie wurden in Danzig (Polen) geboren und haben dort schon an der Schule eine musikalische Ausbildung erhalten. Wie lief das ab?

Ich hatte zwölf Jahre, also von Beginn an, Unterricht in ein und demselben Gebäude, und schon die Grundschule war eine sogenannte Musikschule. Allerdings haben aus meiner Klasse nur drei von Anfang bis Ende durchgehalten: mein späterer Mann Piotr Stefaniak [Kontrabassist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks], eine Freundin, die heute im Warschauer Kammerorchester spielt, und ich. Man muss eben dranbleiben, wenn man ein Instrument lernt. Und diese Ausdauer haben nicht viele. Aber mein Mann und ich haben uns gegenseitig unterstützt. Als wir im Gymnasium waren, hat er immer gesagt, er trifft sich nur mit mir, wenn ich drei Stunden geübt habe. Das habe ich dann auch getan.

Wie war der Tagesablauf?

Vormittags, zwischen Fächern wie Mathematik, Chemie oder Englisch, hatten wir auch Gehörbildung, musikalische Formenlehre und Musikgeschichte. Am Nachmittag war der Instrumentalunterricht: zwei Stunden pro Woche, ein Hauptinstrument und Klavier. Einmal pro Halbjahr mussten wir ein benotetes Prüfungsvorspiel absolvieren: je nach Alter eine halbe oder eine ganze Stunde und am Ende der Schulzeit ein Recital von eineinhalb Stunden in der großen Aula. Manchen Kindern liegt das gar nicht, andere wiederum üben zwar nicht so gern, aber stehen mit Begeisterung auf der Bühne. Solch ein Kind war ich!

Lampenfieber kannten Sie offenbar nicht.

Nein, und das habe ich bis heute nicht. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man im Orchester oder in kleiner Besetzung auftritt. Diese Woche habe ich bei einem Kammerkonzert vom Freundeskreis des Münchner Rundfunkorchesters zusammen mit meiner Kollegin Song-Ie Do Beethovens Duett mit zwei obligaten Augengläsern für Viola und Violoncello aufgeführt. Solch ein Stück fordert einen schon heraus. Doch ich freue mich immer, wenn ich Musik vermitteln kann. Und ich engagiere mich gern bei Konzerten des Freundeskreises; er hat das Münchner Rundfunkorchester – ebenso wie tausende von Musikliebhabern in ganz Deutschland mit ihren Unterschriften – sehr unterstützt, als 2004 die Existenz des Orchesters gefährdet war. Als Musiker ist man einfach dankbar, diesen Beruf ausüben zu dürfen – gerade, weil sonst ja eher das Geld die Welt regiert.

Sie haben zunächst Violine gelernt und im Alter von zwölf Jahren zur Bratsche gewechselt.

Für mich war die Bratsche ein Volltreffer. Ich liebe die warme Klangfarbe des Instruments. Wir Bratscher haben zwar kein so großes Repertoire wie die Geiger, kein Tschaikowsky-Konzert oder so etwas. Aber man muss trotzdem technisch fit sein und im Orchester gut aufeinander hören: Die Bratschen sind das Bindeglied zwischen Violinen und Violoncelli. Und die romantischsten Melodien, die schönsten Liebesthemen werden immer von uns gespielt!

Sie haben in Danzig ihr Studium binnen drei Jahren abgeschlossen und wurden 1988, noch vor Öffnung des „Eisernen Vorhangs“, an der Hochschule der Künste in Berlin aufgenommen. Wie ging das?

Mein Mann wollte an die Karajan-Akademie nach Berlin. So kam es, dass ich bei Wolfram Christ, Solobratscher bei den Berliner Philharmonikern, an der Hochschule der Künste studiert und 1991 den Abschluss bei ihm in Mannheim gemacht habe, als er dort Professor wurde. Es war zwar schwierig für uns Polen, einen Pass zu bekommen, aber es war möglich, wenn man eine Einladung hatte − oder man fuhr als Transitreisender durch die DDR nach West-Berlin. Nachdem ich die Aufnahmeprüfung geschafft hatte, durfte ich zunächst dreißig Tage als Touristin in der Stadt bleiben. Dann bin ich in West-Berlin über die Grenze gefahren – und am nächsten Tag mit neuem Stempel im Pass wieder zurück. So habe ich das erste halbe Jahr überbrückt, bis ich mein Visum hatte.

Wie unterschied sich der polnische Hochschulbetrieb vom deutschen?

In Polen wurde man vor allem als Solist ausgebildet, in Deutschland mehr als Orchestermusiker und Ensemblespieler. Man musste ins Hochschulorchester gehen und konnte auch viel Kammermusik machen: An einem Abend spielte man zum Beispiel ein paar Quartette vom Blatt, am nächsten ein paar Trios. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit zu alldem hatte, denn das macht einen guten Musiker ja aus. Und ich bringe natürlich die slawische Seele mit: leidenschaftlich, aber nicht immer streng den Regeln folgend – dabei ertappe ich mich sogar beim Autofahren! Im Münchner Rundfunkorchester haben wir übrigens viele verschiedene Nationalitäten, das mischt sich wunderbar.

Von 1991 bis 1994 waren Sie Mitglied im Radiosinfonieorchester Stuttgart des SWR.

Das war für meinen künstlerischen Weg sehr kostbar, denn so war ich bei Stücken wie Strawinskys Sacre du printemps oder Bruckners Sechster Symphonie dabei, die man als Orchestermusiker einfach gerne einmal spielen möchte. Als mein Mann zum BR-Symphonieorchester ging, habe ich glücklicherweise eine Stelle im Münchner Rundfunkorchester bekommen. Und ich würde mit keinem Klangkörper tauschen: Die Atmosphäre ist sehr gut und familiär. Auch aus privaten Gründen war es ideal: Mein Mann und ich hatten nie gleichzeitig Konzerte, einer von uns war abends immer bei den drei Kindern. Und ich erinnere mich gerne an die tollen Künstler, mit denen wir zusammengearbeitet haben, zum Beispiel den Dirigenten und Filmmusikkomponisten Lalo Schifrin oder Jazzmusiker wie Ray Brown (Bass), James Morrison (Trompete) und die Sängerin Dee Dee Bridgewater. „Sounds of Cinema“ mit dem vor Kurzem verstorbenen Roger Willemsen als Moderator habe ich ebenfalls sehr genossen – genauso wie die cOHRwürmer, das Mitsing-Konzert des BR-Chores. Die Konzerte mit unserem Chor mag ich besonders; vielleicht auch, weil ich selbst schon im Kinderchor meines Vaters gesungen habe und in dem Dorf, in dem ich wohne, zwei Chöre leite.

Sie engagieren sich sehr bei der Kinder- und Jugendarbeit des Münchner Rundfunkorchesters. Wie sieht das aus?

Im Rahmen von Klassik zum Staunen gibt es Lehrerfortbildungen, und anschließend gehen wir Musikerinnen und Musiker in die Schulen. Ich mache das unheimlich gern, präsentiere in der Klasse mein Instrument, erzähle vom Orchesteralltag oder wir dirigieren gemeinsam verschiedene Taktarten. Wenn die Kinder dann zu uns ins Konzert kommen, wissen sie schon einiges. Und es ist schön für sie, einen Menschen auf der Bühne zu sehen, den sie kennen: Bei Mendelssohns Sommernachtstraum im Oktober wurde plötzlich ein buntes Plakat mit Blümchen und Herzchen hochgehalten: „Die Grundschule Geltendorf grüßt Frau Stefaniak.“ Da geht einem das Herz auf. Und Sie hätten erleben müssen, wie leise die Schüler waren, wie sie mit offenem Mund dasaßen und dem Schauspieler Stefan Wilkening beim Erzählen der Geschichte zuhörten!

Vor Kurzem gab es auch das große Musikvermittlungsprojekt der ARD.

Ja, für das „Vivaldi-Experiment“ war ich zusammen mit meiner Kollegin Stefana Titeica in einer Jungenrealschule in Mindelheim. Die Schüler haben mit Orff-Instrumenten ihren eigenen Sommer dargestellt. Erst dann durften sie das Gewitter aus Vivaldis Jahreszeiten hören – und waren erstaunt, wie nah sie am Original dran waren. Auch beim Projekt Klasse Klassik, bei dem Schulorchester mit uns Profis musizieren und dann ein Konzert in der Philharmonie im Gasteig gestalten, bin ich immer dabei. Es ist erstaunlich, welche Fortschritte die Schülerinnen und Schüler da machen. Und die Bratschengruppe ist besonders süß – wenn die Kinder kaum das Instrument halten können und am Schluss, nach monatelanger Vorbereitung, die schwersten Sachen bewältigen. Durch Klasse Klassik erfahren die Schüler, was es bedeutet, in einem großen Orchester zu spielen, und sie lernen, dass man auch einmal zurücktreten muss, wenn ein anderer ein Solo hat. Das ist gar nicht so schlecht – fürs ganze Leben!

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