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StartseiteHome Orchester Interview Josef Bierlmeier

Interview mit dem Stellvertretenden Solotrompeter Josef Bierlmeier

Aus dem Programmheft zum 1. Konzert Paradisi gloria 2016/2017 am 11. November 2016

Josef Bierlmeier bei Klasse Klassik (C) BR/Annette Goossens
Josef Bierlmeier mit zwei Schülern bei dem Projekt Klasse Klassik

Josef Bierlmeier, Sie stammen aus Waldmünchen und waren bereits mit 15 Jahren Preisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert. Wie sind Sie musikalisch „sozialisiert“ worden?

Wie bei vielen Blechbläserkollegen stand auch bei mir am Anfang die Blasmusik. Das Trompetenspiel hat mir mein Vater beigebracht, der in einer Blaskapelle war. Mein Bruder sang bei den Regensburger Domspatzen, und sein Klavierlehrer, der auch Trompete unterrichtete, hat uns mit Instrumenten versorgt. Zuhause spielten wir dann gemeinsam Duette. Über den Lehrer meines Bruders erhielt ich auch die Möglichkeit, an Jugend musiziert teilzunehmen. Parallel dazu lief die Blasmusik, erst im Spielmannszug in Waldmünchen und dann in der Blaskapelle in Eslarn: ganz traditionell im Bierzelt.

Und die klassische Ausbildung?

Mein erster offizieller Lehrer war Rolf Quinque, Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern. Er saß in der Jury von Jugend musiziert und hat mich, wie er immer sagte, „aus dem tiefsten Wald“ nach München ans Konservatorium geholt, wo ich drei Jahre studiert habe. Über Kontakte meiner Mitbewohner kam es dann zur Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bei Walter Uhlemann. Er merkte sofort, dass ich der Blasmusik zugetan war, und hat mich vor die Wahl gestellt: Klassik oder Blasmusik. Also habe ich mich für die Klassik entschieden. Fünf, sechs Stunden am Stück im Bierzelt spielen – das lässt sich mit der Klassik nicht vereinbaren, für die ein feiner Ansatz und sensible Tongebung notwendig sind.

Nach dem Studium wurden Sie Solotrompeter im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Wie erging es Ihnen als Oberpfälzer an der Elbe?

Das war nicht einfach: der Einstieg ins Berufsleben, und dann gleich an einem so großen Haus wie der Hamburgischen Staatsoper. Alles war neu und fremd für mich, zumal ich dort quasi als Exot behandelt wurde. Außerdem hatte ich gewisse Verständigungsprobleme, weil ich mich absolut nicht dem Hochdeutschen beugen wollte. Als ich, wie es im Orchester öfter vorkommt, wieder einmal fragen musste, ob die Noten in meiner Stimme richtig notiert sind, schlug der damalige Chefdirigent Aldo Ceccato, ein Italiener, die Hände über dem Kopf zusammen und meinte zum Konzertmeister: „Was will dieser Mensch von mir?“ Es war hart – auch weil man beides, Oper und Symphonik, bedienen musste. Aber ich möchte die Zeit nicht missen, habe zum Beispiel noch unter Karl Böhm gespielt.

Wie kann es 1984 zu Ihrem Engagement als Solotrompeter beim Münchner Rundfunkorchester?

Ich wollte wieder zurück nach Bayern. Vor Hamburg hatte ich durch einen Aushilfsvertrag bei den Münchner Philharmonikern Einblicke in die Welt eines rein symphonischen Orchesters erhalten, aber den Aufgabenbereich des Münchner Rundfunkorchesters kannte ich noch nicht. Die stilistische Vielseitigkeit hat mich dann begeistert: Man kann sich musikalisch in alle Richtungen bewegen. Vor allem an die Sonntagskonzerte mit bedeutenden Sängerpersönlichkeiten habe ich schöne Erinnerungen.

Wie würden Sie die Entwicklung des Orchesters in den mehr als drei Jahrzehnten, die Sie hier erlebt haben, charakterisieren? Sie haben ja einen reichen Erfahrungsschatz –als Solotrompeter bzw. in der Position des Stellvertretenden Solotrompeters, auf die Sie vor vier Jahren auf eigenen Wunsch gewechselt haben.

Wir mussten uns der kulturellen Entwicklung und dem Zeitgeist immer wieder anpassen. Jeder Chefdirigent hat seine eigene Programmatik mitgebracht und damit vielleicht auch manchmal polarisiert. Früher standen die Sonntagskonzert im Mittelpunkt, doch nach und nach kamen neue Konzertreihen dazu. Wir bringen heute zum Beispiel auch viel Filmmusik – das ist teilweise technisch sehr anspruchsvoll. Und in den Paradisi-gloria-Konzerten stehen oft unbekannte Werke oder sogar Auftragskompositionen auf dem Programm. Das birgt spielerische Herausforderungen.

Bei Paradisi gloria in der Herz-Jesu-Kirche haben Sie zweimal den Trompetenpart in Charles Ivesʼ The Unanswered Question, einem Schlüsselwerk der Moderne, interpretiert. Keine leichte Aufgabe, so in die Stille hinein anzusetzen!

Aber genau solche Sachen liegen mir. Jeder Musiker hat ja seine speziellen Neigungen, und bei mir sind es die Kantilenen, also die melodiösen Passagen. Bei diesem Stück kam aber noch hinzu, dass ich die große Distanz von der Orgelempore bis zum Orchester im Altarraum überbrücken musste.

Die Soli, die Sie im Lauf der Zeit übernommen haben, reichen von der U-Musik bis hin zu einem Konzert des Armeniers Alexander Arutjunjan …

Und auch darin gibt es einen wunderbaren langsamen Teil. Nichtsdestotrotz muss man die virtuosen Passagen genauso beherrschen. Bei einem Solokonzert sollte man alles gut im Griff haben!

An welches Ereignis erinnern Sie sich besonders gern?

An das Konzert mit Ennio Morricone im Jahr 2004, bei dem er eigene Filmmusik dirigiert hat: einfach gigantisch – eine große Besetzung mit Orchester und dem BR-Chor, wobei er aber auch kammermusikalische Momente eingebaut hatte. Generell beobachte ich immer gerne, wie die Dirigenten mit dem, was sie vorne am Pult machen, auf das Orchester einwirken. Giuseppe Patané und Marcello Viotti haben mich da sehr beeindruckt.

Als Trompeter ist man immer deutlich herauszuhören und identifizierbar.

Ich habe aber schon in Hamburg gelernt, mich immer auf mich selbst zu verlassen und nicht darauf zu warten, dass mir jemand den Einsatz gibt. Gerade weil die Trompeter oft längere Pausen haben, muss man umso mehr bei der Sache sein. Das ist eben das Schicksal eines Blechbläsers! Aber man entwickelt gewisse Strategien, um sich auf exponierte Stellen vorzubereiten.

Welche anderen musikalischen Aktivitäten haben Sie neben der Tätigkeit als Orchestermusiker gepflegt?

Da gab es eine große Palette: von den typischen Kirchenkonzerten mit Musik für Trompete und Orgel bis hin zum Blechbläserquintett Munich Brass, dem ich seit der Gründung Anfang der 1990er Jahre angehört habe und das zum Beispiel tolle Opernarrangements im Repertoire hatte – oder auch eine CD-Produktion mit German Brass. Das Ensemblespiel ist eben für alle Musiker sehr wichtig. Zurzeit machen mir die Auftritte mit den Straubinger Volksfestmusikanten viel Spaß. Da treffen sich Berufsmusiker, die alle mit Blasmusik aufgewachsen und nun in großen Orchestern in ganz Deutschland verstreut sind oder im Musikkorps der Bundeswehr spielen. Wir treffen uns einmal im Jahr und frönen der bayerisch-böhmischen Blasmusik. Wie bei jeder Musikrichtung, ist auch diese nicht zu unterschätzen, wenn man es gut machen will. Und sie liegt im Trend. Die gehobene Blasmusik spricht wieder viele junge Leute an.

Welche Art von Trompete benutzen Sie im Orchesteralltag?

Am gängigsten sind die B- und C-Trompeten. Auch Kornett und Flügelhorn werden gelegentlich verlangt, zum Beispiel in der Filmmusik, außerdem die Piccolo- oder sogenannte Bach-Trompete. Durch unser breit gefächertes Repertoire kommen die unterschiedlichsten Instrumente zum Einsatz. Sogar mit Naturtrompeten haben wir in der Anfangszeit von Paradisi gloria bei Werken von Mozart experimentiert. Ich spiele aber normalerweise Instrumente aus dem Meisterbetrieb von Gerd Dowids, bei dem ich immer wieder gern vorbeischaue. Auch für andere Kollegen ist das wie ein zweites Wohnzimmer, wo man technische Neuerungen ausprobiert.

Worin finden Sie einen Ausgleich zu Ihrem Beruf?

Ich war immer schon dem Holz zugetan; das liegt bei uns in der Familie. Und so habe ich mir eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo ich Drechselarbeiten anfertige. Da muss man sich sehr konzentrieren, schaltet ab und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Und am Ende steht ein fertiges Produkt, das man anfassen kann!

Zur Biografie von Josef Bierlmeier

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