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StartseiteHome Orchester Interview Ionel Craciunescu

Interview mit dem geiger ionel craciunescu

Aus dem Programmheft zum 2. Mittwochskonzert 2020/2021 am 2. Dezember 2020

Antrittskonzert von Ivan Repusic als Chefdirigent (1. Sonntagskonzert 2017/2018, Luisa Miller)_(C) BR/Lisa Hinder
Ionel Craciunescu (oben links) beim Antrittskonzert von Ivan Repušić als Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters im September 2017. Unten links: die Sopranistin Marina Rebeka

Ionel Craciunescu, Sie sind in Bukarest geboren und aufgewachsen. Welche Erinnerung haben Sie an die Ausbildung in Ihrer Heimatstadt?

Die Jahre bis zum Abitur waren die schönste Zeit in meinem Leben. Ich habe am Musikgymnasium sehr gute Lehrer gehabt – ebenso später am Konservatorium. Dort war ich Schüler von Modest Iftinchi, einem der wichtigsten Violinpädagogen Rumäniens, der auch Violinschulen geschrieben hat und als Solist im In- und Ausland aufgetreten ist. Die Geigerin Silvia Marcovici, preisgekrönte Solistin und heute Professorin in Graz, hat ebenfalls bei ihm studiert. Während andere Lehrer eher das Musikalische in den Vordergrund stellten, legte Modest Iftinchi sehr viel Wert auf die Technik; das war sehr wertvoll für mich. Nach dem Studium wurde ich Mitglied im Philharmonischen Orchester George Enescu in Bukarest und in einem symphonischen Ensemble in Constanța (Konstanza), bevor ich nach Deutschland kam.

Haben Ihre Eltern Sie zur Violine gebracht?

Ja, die Musik ist bei uns Familientradition. Mein Vater war freiberuflicher Pianist und ist mit einem Ensemble unter anderem in Japan, China und Amerika aufgetreten. Ein Onkel von mir war Geiger, ein anderer Verwandter ebenfalls – er war Stimmführer der Zweiten Violinen in Heidelberg. Meine Mutter hat mich immer wie ein Motor zum Üben angetrieben. Ohne sie wäre ich nicht Berufsmusiker geworden; überhaupt war sie eine der wichtigsten Personen in meinem Leben. Musiker zu sein, ist ein unglaublich schöner, aber auch schwieriger Beruf, und man muss früh anfangen: Ich habe mit fünf Jahren begonnen. Es war von Anfang an klar, dass ich Profimusiker werden würde, aber zunächst fand ich das Geigenspiel ziemlich kompliziert: Die linke Hand macht etwas anderes als die rechte, und der Kopf muss alles steuern. Doch ich wusste: Eine andere Chance habe ich nicht! (lacht)

Sie haben das Konservatorium Ciprian Porumbescu besucht, das nach einem rumänischen Komponisten benannt war und heute Nationale Musikuniversität Bukarest heißt. Ab 1982 waren Sie Mitglied im Philharmonischen Orchester George Enescu, das den Namen eines der berühmtesten Tonschöpfer des Landes trägt. Und Sie waren Mitglied im George-Georgescu-Streichquartett. Was hat es mit diesem in Deutschland kaum bekannten Namensgeber auf sich?

Er hat in Berlin studiert, war Cellist im Marteau-Quartett und ein wichtiger Repräsentant der klassischen deutschen Schule. Als Chefdirigent hat er die Bukarester Philharmoniker jahrzehntelang geprägt. Mit dem George-Georgescu-Streichquartett haben meine Studienkollegen und ich Erste Preise bei nationalen Wettbewerben in Cluj (Klausenburg), Iaşi und Brașov (Kronstadt) gewonnen. 1985 sind wir zu einem Kurs nach Italien gereist. Von dort aus kamen meine Frau, die im Quartett die Bratsche spielte, und ich nach Deutschland. Hier haben wir eine neue Heimat gefunden, denn es war klar, dass die Situation in Rumänien nicht zuletzt für Musiker immer schwieriger wurde; und ich wollte mich beruflich verbessern. In Stuttgart habe ich mich ein Jahr lang sehr intensiv auf Probespiele vorbereitet, und im September 1986 trat ich meine Stelle als Vorspieler der Zweiten Geigen bei den Essener Philharmonikern an. Das Repertoire dort umfasste Opern und Symphoniekonzerte. Nach nur einer Spielzeit habe ich zum Münchner Rundfunkorchester in die Stimmgruppe der Zweiten Violinen gewechselt.

Was hat Sie dazu bewogen?

Ich kann es gar nicht genau erklären. München ist eine wunderschöne Stadt – und vielleicht hat mich auch die Tradition des Orchesters angezogen. Meine Kollegen in Essen konnten allerdings nicht recht verstehen, dass ich nach Bayern wollte … Aber ich fand ein Rundfunkorchester sehr interessant, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, welch vielfältiges Repertoire mich hier erwartet.

Es gab ja einige aus Rumänien stammende Streicher im Rundfunkorchester, darunter Stefana Titeica, Vladimir Lakatos und Mihnea Evian bei den Violinen sowie der Kontrabassist Arpad György; alle vier sind inzwischen pensioniert. Aktuell gehört auch der wie Sie in Bukarest geborene Geiger Ralf Klepper dem Orchester an.

Ja, es waren einige, aber das ergab sich zufällig. Ralf Klepper kannte ich nur vom Sehen aus dem Gymnasium, und Stefana Titeica hatte allein schon durch ihren Vater, einen berühmten Physiker in Bukarest, einen guten Namen. Die Streicherausbildung in Rumänien war hervorragend. Deshalb sah man eine Zeit lang in deutschen Orchestern viele rumänische Landsleute; heute ist es vielleicht nicht mehr so ausgeprägt.

Wer steht exemplarisch für die rumänische Streicherschule?

Ich habe vor allem Ștefan Ruha sowie Ion Voicu, den Geiger und ehemaligen Direktor der George-Enescu-Philharmonie sehr geschätzt: zwei Ausnahmegeiger! Die Klangvorstellung der rumänischen Streicher hat sich weniger an der deutsch-österreichischen als vielmehr an der russischen Schule orientiert. Aber wenn man dann als Musiker hierherkommt, hört man sich überall etwas ab: Wie spielt man in Salzburg, wie in München? Und dabei lernt man sehr viel und verfeinert den Klang. Eine gute technische Basis ist natürlich die Voraussetzung dafür, dass man sich weiterentwickeln kann. Und ich fühle mich wirklich privilegiert, dass ich seit so vielen Jahren im Münchner Rundfunkorchester spielen darf und Chefdirigenten wie Giuseppe Patané, Roberto Abbado und Marcello Viotti erlebt habe. Wir hatten auch fantastische Solisten wie Plácido Domingo und Luciano Pavarotti oder in jüngerer Zeit Elīna Garanča und Sonya Yoncheva.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Sehr gut erinnere ich mich an ein hervorragendes Konzert unter der Leitung von Marcello Viotti 2004 zur Einweihung der Bayerischen Vertretung in Brüssel in Anwesenheit vieler wichtiger Politiker. Danach kam leider eine schwierige Zeit, und das Orchester wurde verkleinert. Ulf Schirmer als Künstlerischer Leiter hat dann neue programmatische Ideen entwickelt. Gerne denke ich auch an einige Erlebnisse in den 1990er Jahren zurück: zum Beispiel das Open Air mit Plácido Domingo in Wiesbaden, die Konzertreise nach Brasilien und Argentinien mit Auftritten unter anderem im berühmten Teatro Colón oder die Japantournee mit dem Salonorchester des Münchner Rundfunkorchesters unter der Leitung unseres damaligen Ersten Konzertmeisters Janos Maté. Besonders mochte ich die Promenadenkonzerte am Sonntagvormittag im Herkulessaal der Residenz. Da gab es interessante Programme, etwa mit Werken spanischer oder rumänischer Komponisten. Heute ist meine Lieblingsreihe diejenige der Sonntagskonzerte im Prinzregententheater. Aber eigentlich liebe ich jede Art von klassischer Musik.

Was ist es für ein Gefühl, in Corona-Zeiten Konzerte vor kleinem Publikum zu spielen – wie noch vor dem „Lockdown light“ – oder sogar ganz ohne Publikum im Saal?

Es ist eine traurige Situation. Denn ohne Publikum lebt die Musik nicht. Aber als Rundfunkorchester haben wir den großen Vorteil, dass wir Aufnahmen machen können und unsere Konzerte in Hörfunk und Fernsehen gesendet oder zum Teil auch online als Video-Livestream übertragen werden.

Alessandro De Marchi, der Dirigent des heutigen Konzerts mit Werken von Franz Schubert, stand bereits ein paar Mal am Pult des Münchner Rundfunkorchesters. Was zeichnet ihn aus?

Er arbeitet sehr genau und orientiert sich an der historischen Aufführungspraxis. Wir haben zum Beispiel ein interessantes Sonntagskonzert mit Werken von Mozart unter seiner Leitung gespielt und dabei unter anderem Die Schuldigkeit des ersten Gebots mit der Sopranistin Regula Mühlemann aufgeführt.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf den Anfang unseres Gesprächs zurück: Setzt Ihr Sohn die Familientradition fort, ist er auch Berufsmusiker geworden?

Er hat auch Geige gelernt, im Schulorchester gespielt und Musik als Abiturprüfungsfach gehabt, aber er hat nicht die professionelle Laufbahn eingeschlagen. Ich bin sehr glücklich, dass er seinen Master in Mathematik mit Note „Eins“ abgeschlossen und mitten in der Corona-Pandemie eine gute Stelle bekommen hat. Jetzt arbeitet er bei der Niederlassung eines großen Unternehmens ganz in der Nähe des Funkhauses.

Und was machen Ihre einstigen Streichquartett-Mitstreiter heute?

Der Erste Geiger lebt in Paris, der Cellist in Spanien. Und meine Frau, die ich übrigens schon in der 10. Klasse des Gymnasiums kennengelernt habe, unterrichtet seit 1988 an einer Musikschule Violine und Viola.

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