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StartseiteHome Orchester Interview Hanna Sieber

Interview mit der Solohornistin Hanna Sieber

Aus dem Programmheft zum 3. Sonntagskonzert 2016/2017 am 22. Januar 2017

Hanna Sieber mit Makio Bachauer (ganz li.) und Martin Schöne (C) Denis Pernath
Hanna Sieber mit ihren Kollegen Makio Bachauer (ganz li.) und Martin Schöne

Hanna Sieber, Sie wurden noch vor dem Abitur als Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt a.M. aufgenommen. War damals schon klar, dass Sie das Hornspielen zu Ihrem Beruf machen würden?

Nein, ich hatte Alternativen. Da ich gerne gesungen habe, wusste ich lange Zeit nicht, ob ich mich eher für den Gesang oder für das Horn entscheiden sollte. Und auch die Tiermedizin stand hoch im Kurs. Nach einem Praktikum beim Tierarzt habe ich jedoch festgestellt, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich ist. Letztendlich gaben die tollen Erfahrungen, die ich als Hornistin in Jugendorchestern, vor allem im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, gemacht hatte, den Ausschlag − heute bin ich froh, dass es das Horn geworden ist!

Befruchten sich denn das Singen und das Hornspiel gegenseitig?

Ja, auf jeden Fall. Alles, was ich auf dem Horn spiele, versuche ich wie beim Singen zu gestalten: die Phrasierung, die Linien- und Atemführung sowie eine Lebendigkeit in jedem einzelnen Ton. Die Stimme ist ja wie ein inneres Instrument, und dieses Gefühl auf das Horn zu übertragen, so als ob es zu einem selbst gehören würde, finde ich sehr schön.

Wie sind Sie überhaupt zum Horn gekommen?

Das war Zufall. Mit elf Jahren wollte ich eigentlich Oboe lernen. Aber mein Vater, der hobbymäßig Trompete spielte, hatte bei einer Auktion des Hessischen Rundfunks ein Horn ersteigert. Ich habe es ausprobiert, und es funktionierte auf Anhieb gut, und der warme Klang des Instruments hat mich begeistert.

Waren Sie von Anfang an in der Klassik beheimatet oder – wie viele Blechbläser – auch mal in der Blasmusik oder der sogenannten Symphonischen Blasmusik aktiv?

Nein, ich komme eher aus der Chormusik. Meine Eltern haben beide Chöre geleitet und tun dies immer noch. Seit meiner Kindheit habe ich dort mitgesungen und sowohl die weltlichen als auch geistlichen Konzerte miterlebt. Von Singspielen über Messen im Gottesdienst bis hin zu Werken von Hugo Distler und Arvo Pärt war alles dabei.

2008, gerade einmal drei Semester nach Beginn Ihres Hauptstudiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wurden Sie Akademistin an der Bayerischen Staatsoper in München. Wie ließ sich das verbinden?

Mein Professor Christian Lampert hatte mir vorgeschlagen, mich für die Akademie zu bewerben, und ich bin erst noch ganz unbedarft nach München gefahren: Aber als ich vor dem tollen Opernhaus stand, wollte ich das Probespiel unbedingt gewinnen. Studium und Akademie zu verbinden, war dann ein bisschen stressig, denn ich wollte partout kein Urlaubssemester nehmen, sondern beides parallel durchziehen. Deshalb habe ich eine BahnCard 100 gekauft und bin fast jeden Tag zwischen Stuttgart und München gependelt, was oft bedeutete: um fünf Uhr aufstehen und mit dem Nachtzug wieder zurück.

Inwieweit waren Sie als Akademistin in den laufenden Betrieb eingebunden?

Da ist man ganz schnell mittendrin und muss zusehen, dass man mitkommt. Ich hatte auch Unterricht und mentales Training, aber der Schwerpunkt lag auf den Orchesterdiensten in den Vorstellungen. Für mich war zu Beginn alles neu, da ich noch nie eine Oper gespielt hatte und vom alltäglichen Orchesterbetrieb nicht wirklich viel wusste – also eine sehr gute Schule: Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Im direkten Anschluss an die Akademie bekam ich dann sogar für ein halbes Jahr einen Aushilfsvertrag.

Es folgte Ihre erste Festanstellung als koordinierte Solohornistin am Staatstheater Nürnberg. Wie war das für Sie?

Schon während meiner Akademiezeit wurde mir relativ bald klar: Ich möchte Solohornistin werden! All die tollen Stellen nun in Nürnberg selbst am Ersten Horn spielen und gestalten zu können, war ein Traum. Doch es war auch ein Sprung ins kalte Wasser. Mit meinen 22 Jahren wusste ich noch gar nicht so genau, was da auf mich zukommt. Man wächst in so eine Aufgabe und Verantwortung erst allmählich hinein. Es dauert einige Jahre, bis man sich in der Position zurechtfindet und weiß worauf es im Detail ankommt.

Wie würden Sie die Aufgabe einer Solohornistin beschreiben?

Der Schwerpunkt liegt auf dem Musikalischen, aber darüber hinaus geht es natürlich auch um das Zwischenmenschliche. Man ist verantwortlich für die Gruppe und ist der Ansprechpartner zum Beispiel für die Dirigenten. Das ist natürlich ein Lernprozess, der nie aufhört.

Früher war das Horn eher eine Männerdomäne. Wie sieht es heute aus?

Das ist immer noch so, auch wenn sich allmählich etwas ändert. Inzwischen kommen mehr Frauen, aber an den Solopositionen sind sie nach wie vor rar. Noch ist das für beide „Parteien“ etwas ungewohnt.

Hatten Sie Vorbilder – ganz allgemein?

Ja, meinen Professor – sowohl menschlich, als auch musikalisch. Er hat nie aufgehört, sich zu hinterfragen, weiter zu lernen. Mir ist es wichtig, dass man trotz der beruflichen Position nicht seinen Charakter, sein eigentliches Wesen verliert und dass man vor allem selbstkritisch bleibt. Das versuche ich jedenfalls. Ich spiele am liebsten und auch am besten in einer herzlichen Atmosphäre, wo das Zwischenmenschliche bei aller musikalischen Perfektion erhalten bleibt.

Im Alter von 26 Jahren, zur Saison 2013/2014, haben Sie Ihre Stelle als Solohornistin im Münchner Rundfunkorchester angetreten. Welche Stilrichtung oder welche Konzertreihe macht Ihnen besonders Freude?

Ich mag das ganze Repertoire, denn es ist sehr abwechslungsreich. Man weiß oft gar nicht, was als Nächstes auf einen zukommt. Diese besondere Herausforderung finde ich super! Beim gängigen symphonischen Repertoire ist man oft vorgeprägt, wie etwas gespielt und gestaltet werden soll. Unbekanntere Stücke hingegen kann man für sich ganz neu entdecken − eine Bereicherung in jeder Hinsicht.

Wie gehen Sie damit um, als Solobläserin immer sozusagen zweihundertprozentig präsent sein zu müssen?

Auch das ist ein Prozess. Ich bin ein Typ, der sich gerne mal selbst Stress macht, weil alles immer perfekt sein soll. Es gibt Phasen, da läuft es super, und in manchen Phasen – wenn man insgesamt vielleicht gerade nicht so gut drauf ist –, da empfindet man den Stress mehr. Fitnesstraining tut dann natürlich gut, und ich habe begonnen, viel zu reisen. Im Sommer war ich in Namibia – ganz musikfrei, nur Tiere und Natur! Es hilft, wenn man aus der üblichen Spur mal rauskommt, seinen Horizont erweitert. Denn als Musiker neigt man manchmal dazu, sich „festzubeißen“.

An welche Erlebnisse mit dem Münchner Rundfunkorchester erinnern Sie sich besonders gern?

An die Tournee mit Jonas Kaufmann 2015. Mir gefiel dieses spezielle Programm mit Melodien aus Operetten und Filmen der 1920er und 1930er Jahre. Das ist Musik, die gute Laune macht; sie muss allerdings genauso perfekt gespielt werden wie das klassische Repertoire. Wenn ich die Stücke irgendwo höre, denke ich gleich wieder an die Tournee. Schön war auch, die Kolleginnen und Kollegen durch die Konzertreise etwas intensiver kennenzulernen und als Gruppe zusammenzuwachsen. Sehr gerne spiele ich übrigens auch die Filmmusikkonzerte und ungewöhnliche Projekte wie das PULS Festival, bei dem Musikerinnen und Musiker aus dem Rundfunkorchester zusammen mit Sängern aus der Popszene auftreten − das ist mega! Alles, was ein bisschen vom normalen Weg abweicht, empfinde ich als sehr bereichernd.

Warum wollten Sie unbedingt zum Münchner Rundfunkorchester?

Als ich in Nürnberg gerade das Probejahr erfolgreich absolviert hatte, habe ich hier im Rundfunkorchester zum ersten Mal als Aushilfe gespielt. Die Atmosphäre war so freundlich und familiär, dass ich gedacht habe: Das ist mein Laden! Und mir gefällt das oftmals kammermusikalische Spiel, das bei unserer Orchestergröße gefordert ist. Da muss man verstärkt darauf achten, dass man besonders fein und differenziert musiziert. Neben unseren Orchesterdiensten mache deshalb auch gerne und viel Kammermusik, unter anderem mit Professoren der Münchner Musikhochschule.

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