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StartseiteHome Orchester Interview Eugene Nakamura

interview mit dem geiger eugene nakamura

Aus dem Programmheft zum 3. Mittwochs um halb acht 2019/2020 am 19. Februar 2020

1. Paradisi gloria 2019-2020 (Credit BR/Markus Kovalin)
Eugene Nakamura vor einem Konzert der Reihe Paradisi gloria in der Herz-Jesu-Kirche

Eugene Nakamura, wie war Ihre Kindheit in Kanada? Hatten Sie von Anfang an viel Musik um sich herum?

Meine Eltern stammen aus Japan und wanderten Anfang der 1980er Jahre, kurz vor meiner Geburt, nach Kanada aus. Sie waren keine Musiker, aber echte Klassikfans; es lief immer irgendeine Aufnahme oder ein Radioprogramm mit klassischer Musik im Hintergrund. Und die Großmutter meiner Mutter hat ein traditionelles japanisches Instrument, das Shamisen, gespielt: ein Zupfinstrument, das so ähnlich wie ein Banjo konstruiert ist, aber Gott sei Dank anders klingt … Als ich viereinhalb Jahre alt war, hat meine Mutter mich gefragt, ob ich Klavier lernen möchte, und ich hatte eine klare Antwort: „Nein, nicht Klavier, sondern Geige.“ Das kam vermutlich durch die Fernsehsendung Sesamstraße, in der damals einige Musiker vorgestellt wurden, wie zum Beispiel die Geiger Itzhak Perlman und Isaac Stern; und ich fand die Geige einfach toll.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um ein guter Geiger zu werden?

Klavier und Violine sind ja die beliebtesten Instrumente für Kinder. Beim Klavier kann man sofort anfangen, Musik zu machen. Wenn man die richtigen Tasten anschlägt, sind die Töne da. Bei der Geige ist das nicht so; man braucht gefühlt Jahrzehnte, bis man einen vernünftigen Ton aus ihr herausholt. Es ist schon ein schweres Instrument, das viel Geduld und Durchhaltevermögen erfordert. Natürlich ist das Klavierspiel ebenfalls sehr anspruchsvoll. Da kommt das Schwierige dann später. Als Geiger sind wir die ganze Zeit damit beschäftigt, einen schönen Klang zu erzeugen, und kümmern uns um perfekte Intonation. Die Pianisten sind uns deshalb im musikalischen Denken weit voraus. Das spüre ich immer, wenn ich mit einem guten Kammermusikpartner an Sonaten für Violine und Klavier arbeite. Pianisten haben oft einen größeren Überblick.

Mit neun Jahren gaben Sie Ihr Solodebüt mit Orchester. Bei welcher Gelegenheit war das?

Ich war damals zu einem neuen Lehrer gekommen, der Konzertmeister in der Kitchener-Waterloo Symphony war – einem professionellen Orchester zweier Städte in Ontario, etwa anderthalb Autostunden von Toronto entfernt. Das war mein erster „richtiger“ Unterricht. Zuvor hatte ich nach der Suzuki-Methode gelernt. Da ging es mehr um den Spaß an der Sache als um Technik. Meinem neuen Lehrer sagte ich, dass ich das Violinkonzert von Max Bruch aufführen möchte. Er meinte, ich solle erst einmal eine Tonleiter vorspielen. Ich fragte, was eine Tonleiter ist. Er war von der alten russischen Schule und fand das gar nicht gut. Aber dann durfte ich doch in einem öffentlichen Konzert etwas vortragen. Nicht das Bruch-Konzert, sondern ein kleines Stück von Jenő Hubay – begleitet von seinem Orchester.

Haben Sie einen Tipp für effektives Üben?

Es gibt vieles, was ich erst später im Leben für mich selbst entdeckt habe – zum Beispiel, wie man zeitsparend übt, ohne immer wieder dieselben Fehler zu machen. Meine Lehrer haben mir gesagt: Schön langsam üben, damit deine Ohren eine Chance haben, zu merken, was los ist, und du reagieren kannst. Ich würde es so zusammenfassen: Ruhe bewahren und nicht in Hektik verfallen. So erreicht man einen fast meditativen Zustand, denn die Aufregung kommt dann sowieso, sobald man auf die Bühne geht und das Adrenalin wirkt. Wenn man zu hektisch geübt hat, geht gar nichts mehr. Man muss diese Ruhe trainieren, damit man beim Auftritt nicht die Kontrolle verliert. Und das beherrsche ich jetzt als erwachsener Mensch.

Wie ging es in Kanada mit Ihrer Ausbildung weiter?

Mein nächster Privatlehrer, Vladimir Landsman, war auch Russe. Er hatte beim Internationalen Musikwettbewerb in Montreal den Ersten Preis gewonnen und war Dozent an der Université de Montréal. Die ersten wichtigen musikalischen und technischen Impulse habe ich also aus der russischen Schule bekommen, wobei man heute nicht mehr so eindeutig wie früher sagen kann, dass jemand nach der russischen oder der amerikanischen Methode spielt. Heute ist es eher eine internationale Schule mit gegenseitigem Austausch.

Was hat Vladimir Landsman Ihnen mitgegeben?

Eine heutzutage fast verlorene Ästhetik – nämlich, dass man eine Phrase ganz einfach, fast simpel gestalten kann und dass man nicht übertrieben viel machen muss. Oder anders gesagt: Der Effekt wird geringer, je mehr man macht. Da ich zwei russische Lehrer gehabt hatte, wollte ich zum Studium dann gerne nach Europa und entschied mich für das Royal Northern College of Music in Manchester. Ich dachte damals, das sei auch Europa. (lacht) Aber ich habe sofort gemerkt, dass die Mentalität dort ein bisschen anders ist. Außerdem dachte ich, dort gäbe es keine Sprachbarriere für mich. Aber als ich bei meiner Ankunft zum Busfahrer sagte „Downtown Manchester, please“ und er nur meinte „You what?“, habe ich gedacht: O Gott, wo bin ich hier gelandet?

Warum wechselten Sie dann für das Konzertexamen nach Berlin?

In Manchester habe ich meine jetzige Frau kennengelernt. Sie stammt aus Berlin und ist ebenfalls Geigerin. Ihre Familie hat mir vorgeschlagen, nach Berlin zu kommen. Ich wusste nicht viel über die Stadt − außer dass es da ein tolles Orchester gibt und einmal eine Mauer stand. Über eine Empfehlung kam ich in die Klasse von Nora Chastain an der Universität der Künste. Sie hat mich auf den Beruf vorbereitet, mir Professionalität vermittelt und gezeigt, was wirklich wichtig ist. Sie geht sehr individuell auf das ein, was der jeweilige Student braucht, und versucht, das Beste aus jedem herauszuholen, ohne dass die Individualität verloren geht. Bei mir ging es zum Beispiel um eine gewisse Disziplin in der Intonation, also darum, ob ein Ton wirklich blitzsauber ist. Als Teenager war ich da vielleicht nicht so genau und dachte, ich könnte alles mit Persönlichkeit ausgleichen.

Sie haben die Orchesterakademie des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin besucht, waren dann in führender Position im Niedersächsischen Staatsorchester Hannover, ehe Sie zur Spielzeit 2016/2017 ins Münchner Rundfunkorchester wechselten. Was schätzen Sie an der Arbeit hier?

Vor allem unsere Vielfalt − dass wir Opernprogramme ebenso spielen wie zum Beispiel heute bei Mittwochs um halb acht ein Konzert mit einem Jazzensemble. Das erfordert die Kenntnis vieler verschiedener Stilrichtungen, und es bleibt immer spannend und abwechslungsreich. Wir haben sogar einmal ein Konzert mit Video Game Music im Programm gehabt. Da kamen neben den Abonnenten auch Gamer und Computerfreaks, die vielleicht gar nicht genau wussten, wie man sich in einem Konzert verhält, und noch nie ein Orchester live erlebt hatten. Aber sie zeigten eine unverfälschte Begeisterung. Solche Konzerte sind ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Sehr gefallen hat mir auch die Zusammenarbeit mit dem französischen Gastdirigenten Hervé Niquet, mit dem wir im letzten Sonntagskonzert französische Orchesterlieder und eine Oper von Reynaldo Hahn aufgeführt haben. Er ist eine interessante und eigenwillige Person, und er weiß genau, was er will und wie man es umsetzt. Die CD Visions mit der Sopranistin Véronique Gens, die wir unter seiner Leitung aufgenommen haben, ist ausgezeichnet. Das Orchester klingt darauf wirklich toll.

Sie waren zuerst Stellvertretender Stimmführer und sind jetzt Stimmführer der Zweiten Violinen.

Ja, als mein Vorgänger Mihnea Evian in Rente ging, bin ich nachgerückt, nachdem ich nochmal ein Probespiel absolviert hatte. Damit habe ich sozusagen meinen Traumjob gefunden. Die Zweite Violine ist nicht jedermanns Sache, denn viele Geiger wollen die großen Melodien spielen. Aber ich genieße es zum Beispiel sehr, wenn es interessante harmonische Reibungen in der Musik gibt, und das kommt meistens von den Mittelstimmen, also Bratsche und Zweiter Violine. Ich empfinde die Rolle der Zweiten Violinen wie den „Kleber“ oder wie ein Scharnier zwischen den Ersten Violinen und den tiefen Streichern. Davon hängt ab, ob das Zusammenspiel klappt oder nicht. Mal hat man etwas zusammen mit den Bratschen, mal mit den Ersten Geigen. Man muss immer aufpassen, denn das ändert sich ständig.

Und es ist höchste Konzentration gefragt. Was machen Sie denn gerne zum Ausgleich in Ihrer Freizeit?

Ich habe als Jugendlicher ein bisschen Tischtennis gespielt, und die Kollegen hier haben mich dazu inspiriert, wieder anzufangen. Auch die Fotografie habe ich als Hobby betrieben: Ich mag Porträtaufnahmen, denn ich finde es schön, mit Menschen zu arbeiten. Man muss den richtigen Moment erwischen, um eine Persönlichkeit im Bild einzufangen. Das ist eine Frage von einer halben Sekunde. Bei Landschaftsaufnahmen ist es ähnlich: Binnen kürzester Zeit wechselt das Licht oder die Sonnenstrahlen leuchten ganz kurz durch die Bäume, und man hat nur einen Augenblick, bevor das Motiv wieder weg und der Moment vorbei ist. Das ist vielleicht eine Parallele zur Musik: Da muss man auch ein Gefühl dafür haben, ob der Ton stimmt, und spüren, wenn die Stimmung gerade richtig schön ist.

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