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StartseiteHome Orchester Interview Dr. Reinhard Scolik

interview mit dem programmdirektor kultur des bayerischen rundfunks

Ein Gespräch mit Dr. Reinhard Scolik zum Saisonauftakt des Münchner Rundfunkorchesters in den Konzerten „Kino für die Ohren – Filmmusik mit Nervenkitzel“ am 16. September 2020

Dr. Reinhard Scolik, Programmdirektor Kultur des Bayerischen Rundfunks (Credit BR/Markus Konvalin)

Herr Dr. Scolik, mit den Konzerten „Kino für die Ohren – Filmmusik mit Nervenkitzel“ eröffnet das Münchner Rundfunkorchester die Spielzeit 2020/2021 der BR-Klangkörper. Und das Publikum im Prinzregententheater darf Sie dabei als Gesprächsgast erleben. Seit dem 1. Juli 2020 bekleiden Sie beim Bayerischen Rundfunk das Amt als Programmdirektor Kultur. Was bedeutet das?

Das bedeutet zunächst einmal eine große Freude. Für die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks zuständig zu sein, ist sicher eine der schönsten Aufgaben, die man in einer Landesrundfunkanstalt der ARD haben kann. Dieser Bereich mit Symphonieorchester, Münchner Rundfunkorchester und BR-Chor kam zum 1. Juli noch zu meinem bisherigen Tätigkeitsfeld als Fernsehdirektor dazu. Die Kurzform meiner Aufgaben ist jetzt: Ich bin für alles verantwortlich, was Programme betrifft, von Unterhaltung über BR-KLASSIK sowie das BR Fernsehen bis zur BR Mediathek – mit Ausnahme von Information und Sport. Es war also schon bisher ein reichhaltiges Portfolio, aber dass nun noch diese großartigen Orchester und der Chor hinzukamen, freut mich als Klassik- und Kulturbegeisterten natürlich ganz besonders.

Welche Bedeutung haben die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks im öffentlichen Kulturleben?

Natürlich eine ganz entscheidende! Um unsere Klangkörper beneiden uns viele, und sie sind übrigens auch für eine Stadt wie München wichtig, deren Musikleben von uns zwei Orchester und einen Chor bekommt. Das ist sehr viel – und eine große Bereicherung. Es ist eine wichtige Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sich neben Fernsehen und Radio auch der Kunst- und Kulturproduktion anzunehmen. Der BR ist wirklich eine Kulturinstitution, und das begeistert mich immer wieder neu.

An welche Darbietungen des Münchner Rundfunkorchesters erinnern Sie sich besonders?

Zum Beispiel an die konzertante Aufführung von Ravels Oper L’heure espagnole oder auch die szenische Aufführung von Camille Saint-Saëns’ selten gespielter Oper L’ancêtre mit Studierenden der Theaterakademie August Everding als Solisten. Natürlich habe ich das Rundfunkorchester auch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises und bei der Sternstunden-Gala erlebt. Es war mir immer ein Anliegen, dass das Rundfunkorchester auch in Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks mitwirkt. Und für die gute Zusammenarbeit dabei bin ich ihm sehr dankbar. Es gab unter anderem auch zwei Weihnachtskonzerte mit dem BR-Chor und dem Rundfunkorchester, die wir sogar im „Ersten“ gesendet haben. Bei der Space Night in Concert II im Circus-Krone-Bau war ich ebenfalls dabei. Da konnte man sehen, welche Kraft und Attraktivität Filmmusik besitzt. Daher freue ich mich sehr, dass Filmmusik bei unseren Konzerten am 16. September den Saisonauftakt macht.

Zumal, wie schon in der „Space Night in Concert“ II, auch hier Patrick Hahn die musikalische Leitung hat …

Ein junger Landsmann von mir, der hoffentlich wieder viele Dirigentenhoffnungen der Österreicher erfüllt!

Welche Bedeutung hat klassische Musik für Sie persönlich?

Eine ganz große, weil ich mit ihr aufgewachsen bin. Als ich 14, 15 war, habe ich natürlich auch Popkonzerte besucht. Ich habe mitgemacht, weil es üblich und schick war, mit Freundinnen und Freunden dorthin zu gehen. Aber das Herz aufgegangen ist mir bei der klassischen Musik. Insofern bin ich immer ein Fan der Klassik gewesen, weil sie mir ans Innerste rührt, wenngleich ich natürlich heute auch andere Musik höre.

Beherrschen Sie selbst ein Instrument?

Ich habe lange Zeit Klavier als Hauptinstrument sowie Cello gespielt. Aber in München habe ich leider kein Klavier – und in Wien auch nicht mehr. Ich habe vor, irgendwann wieder zu beginnen, doch das wird hart: Fingerübungen und Tonleitern, die gefürchteten Czerny-Etüden rauf und runter …

Dankeschön-Konzert im Juni 2020 (cropped; Credit BR/Michaela Jung)
Dr. Reinhard Scolik (4. v.l.) bei einem Dankeschön-Konzert des Münchner Rundfunkorchesters für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BR im Juni 2020

Ein amerikanischer Künstler hat Sie besonders fasziniert, nämlich Leonard Bernstein. Wie kam das?

Das erste große Symphoniekonzert, das ich besucht habe, war 1974 ein Konzert unter Leonard Bernstein mit der Ersten und der Zehnten Symphonie von Gustav Mahler. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, was klassische Musik live in einem Konzert bedeuten kann. Bernstein war ein überaus empathischer Künstler. Er liegt mir sehr in seiner Art des Dirigierens und Musizierens. Zudem hat er viel Mahler gemacht – ein Repertoire, das mir ebenfalls nahe ist und wo ich mich auch recht gut auskenne. Sein ganzer Umgang mit Musik hat mich beeindruckt. Bernstein war ja nicht nur Dirigent und Pianist, sondern auch Komponist. Da sind die großen Bühnenwerke wie West Side Story und Candide, dann die Symphonien, die ich toll finde, oder MASS – ein echtes Erlebnis! Dazu die unbekannten oder weniger bekannten Sachen, Kammermusik, Klavierstücke … Außerdem war Bernstein ein sehr guter Musikerzieher, wie man in seinen Konzerten für junge Leute, den Young People’s Concerts, sehen kann. Sie wurden in den USA und vielen anderen Ländern im Fernsehen gesendet, und selbst wenn man sie heute anschaut oder davon liest, nimmt man viel über Musik mit. Und es gibt eine Aufnahme mit Bernstein, die ich immer empfehlen kann, wenn man einmal traurig ist, nämlich den vierten Satz aus Haydns Symphonie Nr. 88 mit den Wiener Philharmonikern. Man muss es allerdings sehen, nicht nur hören – und ist sofort wieder guter Laune.

Sie haben vor Ihrem Wechsel zum BR lange Zeit beim ORF in führenden Positionen gewirkt. Wie sehen Sie die beiden Kulturstädte Wien und München im Vergleich?

Beide haben ein reichhaltiges Kulturangebot, sodass man gar nicht alles konsumieren kann. Wien ist eine spannende Stadt und München ebenso. Aber ein Unterschied ist vielleicht, dass die Kultur im Alltag jedes einzelnen, gerade wenn man selbst nicht so viel in die Oper oder ins Konzert geht, in München nicht so präsent ist wie in Wien. In Wien, sagt man, wisse jeder Taxifahrer, wer Burgtheaterdirektor ist. Das mag heute nicht mehr durchgehend zutreffen, aber es ist etwas Wahres dran. In München hat mich überrascht, dass die breite Bevölkerung große Kulturereignisse nicht so stark wahrnimmt. Ich würde mir da ein bisschen mehr Kulturbewusstsein wünschen – und hier kann der BR als Massenmedium ja auch etwas beitragen.

Als erfahrener Fernsehmann hatten und haben Sie viel mit dem Thema Film zu tun. Was muss eine gute Filmmusik leisten?

Musik beeinflusst ganz wesentlich die Wirkung eines Films. Das kann jeder selber ausprobieren: Wenn man Filmszenen ohne jegliche Musik hört, haben sie oft gar keine Stimmung, sind weder spannend noch aufregend. Es fehlen die großen Emotionen. Musik ist ein wesentliches Gestaltungsmittel im Film. Das Wagner’sche Wort des Gesamtkunstwerks kann auch für den Film gelten, wenn die Musik die Handlungsebenen erweitert.

Wie beurteilen Sie in dieser Hinsicht die legendäre Duschszene aus Hitchcocks Psycho? Musik aus diesem Thriller ist ja am 16. September zu hören.

Das ist exakt eine solche Szene, in der die Musik ganz wesentlich ist. Ich glaube, dass sie ohne die Vertonung von Bernard Herrmann recht trocken wäre. Sie ist gerade deshalb so berühmt geworden, weil es diese markanten Klänge dazu gibt.

Auf Ihren Wunsch hin erklingen in den Konzerten „Kino für die Ohren“ je ein Satz von Erich Wolfgang Korngold und Max Steiner.

Ja klar, denn ich bin Österreicher – und man muss auch mal etwas für seine Heimat tun! Daher habe ich mir zwei austroamerikanische Komponisten als Ergänzung des Programms gewünscht, und ich habe mich sehr gefreut, dass das Rundfunkorchester das möglich macht. Beim bekannten Thema aus A Summer Place von Max Steiner ist gerade der Kontrast zwischen dieser wunderschönen Musik und der dramatischen Handlung das Spannende. Die Musik bereitet das Happy-End vor und es gibt auch eine Art Leitmotivtechnik, wie man sie von Wagner kennt.

Abschließend ein kleiner Ausblick: Was wünschen Sie sich für die Konzertsaison 2020/2021?

Publikum! Ich wünsche mir schlicht und einfach, dass wir aus der Situation, in der wir jetzt sind, möglichst bald herauskommen und wieder in vollen Sälen spielen können. Die Salzburger Festspiele haben erfreulicherweise bewiesen, dass man in Corona-Zeiten Konzerte und Opernaufführungen mit tausend Gästen machen kann. Ich hoffe sehr, dass das ein Beispiel ist und sich auch in Bayern die Vorschriften lockern. Natürlich gibt es Regeln, die man einhalten muss: Man kann ein Konzert ja durchaus mit Maske besuchen. Und es ist erstaunlich, wie lange Konzerte ohne Pause dauern können – bis zu 120, 150 Minuten hält man schon durch. Interessant ist auch, dass das übliche Husten zurzeit aus dem Konzertsaal verbannt ist, weil jeder Angst hat, als krank zu gelten. In Salzburg habe ich neben Jedermann auch Così fan tutte, Elektra und ein Konzert mit dem Pianisten Igor Levit miterlebt: Alles in vollen Sälen, und es lief sehr geordnet ab. Fast wieder ein normales Konzertgefühl! Dahin wollen wir bald wieder kommen, denn durch die Corona-Krise ist eine sehr schwierige und bedrohliche Situation für die Kulturschaffenden entstanden, vor allem für die freiberuflichen. Daher wünsche ich allen Künstlerinnen und Künstlern, dass sie bald wieder auftreten können. Wir als Bayerischer Rundfunk stehen an ihrer Seite.

#inside ro

Worauf sich Dr. Reinhard Scolik bei „Kino für die Ohren – Filmmusik mit Nervenkitzel“ besonders freut, erfahren Sie in diesem Video.

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