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StartseiteHome Orchester Interview Doren Dinglinger

Interview mit Doren Dinglinger (stellv. konzertmeisterin)

Aus dem Programmheft zum 3. Paradisi gloria 2020/2021 (Radioübertragung am 18. Juli 2021)

Festkonzert des Münchner Rundfunkorchesters zur Übergabe der EU Ratspräsidentschaft von Kroatien an Deutschland (Credit BR/Markus Konvalin)
Die Stellvertretende Konzertmeisterin Doren Dinglinger (vorne li.) 2020 beim Festkonzert zur Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft von Kroatien an Deutschland

Doren Dinglinger, was bedeutet Musik für Sie – über die getreue Wiedergabe von Noten hinaus?

Musik ist die Essenz des Lebens. Das ganze Universum basiert auf Frequenzen. Wir hören Klänge im Mutterleib und fangen an, Laute von uns zu geben. All das ist im weitesten Sinne Musik. Klänge sind immer um uns herum und uns daher sehr vertraut. Für mich ist Musik wie die Luft zum Atmen, eine Kraft, die Harmonie und eine gewisse Ordnung in mir kreiert, mich inspiriert, beruhigt oder mich ganz euphorisch werden lässt. Sie öffnet einen Raum, in dem wir uns selbst begegnen können, und das ist ein wunderschönes Gefühl. Ganz bei sich anzukommen, eine unausgesprochene Verbundenheit zu spüren und das mit anderen zu teilen, ist ein Geschenk, das mich immer wieder sehr bewegt. Dabei spüre ich eine spirituelle, metaphysische Seite, die sich aber durchaus wissenschaftlich belegen lässt. In Experimenten hat man auf einer Glasplatte Sand verteilt. Wenn man mit einem Kontrabass-Bogen an der Platte entlangfährt und eine Vibration erzeugt, bildet der Sand symmetrische Formen: fast wie ein 3D-Kunstwerk zwischen Gefühl, Sehen und Hören. Ich glaube, dass diese Schwingungen, die im physikalischen Sinne tatsächlich durch die Materie gehen, einen großen Einfluss auf unseren Körper und unser System haben.

Wie sind Sie zu Ihrem Instrument, der Violine, gekommen?

Ich wollte mit vier Jahren unbedingt Geige spielen, und keiner weiß so recht warum. Meine Eltern waren nie mit mir in einem Konzert gewesen. Aber in Stuttgart, wo ich aufgewachsen bin, gab es ein Musikgeschäft, in dessen Schaufenster kleine Geigen ausgestellt waren. Ich war der festen Überzeugung, dass eine davon für mich reserviert sei, was aber nicht stimmte. Ich musste dann Blockflöte lernen, um zu zeigen, dass ich bei einer Sache bleiben kann. Irgendwann durfte ich schließlich mit Geige anfangen – mit sieben Jahren war das wohl, also relativ spät. Aber ich war sehr motiviert. Und mein Anreiz war immer, dass ich ein Stück, das ich toll fand, selber spielen wollte. Auch später bei Konzertauftritten war diese Magie ausschlaggebend, weil ich wusste, dass ich zu dieser besonderen Atmosphäre beitragen kann, in der man quasi eine Stecknadel fallen hört.

Sie haben an der Musikhochschule in Trossingen, an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und an der Juilliard School in New York studiert. Warum diese Kombination?

Schon als Jugendlicher war mir klar, dass ich nach Berlin möchte, und dort habe ich dann gezielt nach Professoren gesucht. Nach Trossingen ging ich aufgrund des Lehrers Wolfram König. Von ihm lernte ich, so zu spielen, wie ich es jetzt tue. Er kam mir sehr entgegen mit der Annahme, dass Geige spielen einfach ist. Diese Ansicht hatte ich auch immer, doch am Anfang des Studiums änderte sich das für eine Weile. Es war ein Segen für mich, dass da auf einmal jemand war, der das, was ich zuvor schon in mir getragen hatte, wieder verankerte. Er sagte: „Es gibt nur soundso viele Töne auf der Geige. Wenn du alle kennst, dann kannst du alles spielen.“ Das tat mir sehr gut, denn es entspricht meiner eigenen Philosophie. Ich habe es bei allem am liebsten, wenn ich „im Flow“ bin. Das heißt nicht, dass man nicht an etwas feilt und arbeitet. Aber sobald ich etwas mit Freude und in dem Wissen mache, dass es funktioniert, ist es leichter.

Wie ging es dann in New York bei Ronald Copes, dem Zweiten Geiger aus dem Juilliard String Quartet, weiter?

Es passte super für die Zeit am Ende des Studiums, weil er viel künstlerische Freiheit ließ und seine Schüler dazu anregte, eigenständig zu interpretieren. Ihm ging es einzig darum, dass es überzeugend war. Statt Anweisungen zu geben stellte er Fragen wie: „Was wolltest du hier sagen? Wie gehst du mit dieser Harmonie um? Hier passiert etwas, was machst du daraus?“ Er war ein toller und objektiver Zuhörer. Das inspirierte mich so sehr, dass ich ihm auch wirklich etwas anbieten wollte.

Wie war das in dieser aufregenden Stadt – kann man da überhaupt konzentriert üben?

Ich lebte im Studentenwohnheim, und wir hatten Überäume im Keller, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit spielen konnte. Ich habe in New York den Master gemacht, da waren die beim amerikanischen Bachelor sehr arbeitsintensiven Nebenfächer schon ausgedünnt. So ergab sich eine gute Balance: Ich konnte sowohl mein Spiel verfeinern als auch mal in einen Jazzclub gehen und viele verschiedene Menschen und Kulturen kennenlernen.

Ihre erste Stelle nach dem Studium war ab 2011 gleich Ihre jetzige Position als Stellvertretende Konzertmeisterin beim Münchner Rundfunkorchester …

Ja, ich habe bei den ersten Projekten schon festgestellt, dass das Orchester sehr engagiert und musikalisch spielt, und bin mit offenen Armen hier aufgenommen worden. Dennoch gab es am Anfang viel zu lernen. Als neues Mitglied muss man auf der einen Seite Dinge proaktiv einbringen, auf der anderen Seite kann und soll man nicht alles komplett verändern. Es gibt Erwartungen und Vorstellungen auf beiden Seiten, die zu einer Einheit werden sollen. In diesem Prozess gibt es Gespräche und ein Ausprobieren, zum Beispiel um zu sehen, was von der Körpersprache her in der Kommunikation am besten funktioniert.

An welche Konzerte erinnern Sie sich besonders gern?

Beim Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen durfte ich das große Violinsolo in der Tondichtung Ein Heldenleben spielen. Ich bin ein absoluter Strauss-Fan, daher hat mir das wahnsinnig Spaß gemacht. Zusammen mit Alexandre Vay (Stellvertretender Solocellist im Münchner Rundfunkorchester) und zwei weiteren Musikern habe ich übrigens auch das Klavierquartett und zwei frühe Klaviertrios von Strauss auf CD aufgenommen. Ein zweites Erlebnis mit dem Rundfunkorchester, das mir sehr im Gedächtnis geblieben ist, war die Tournee mit der Sopranistin Diana Damrau und unserem aktuellen Chefdirigenten Ivan Repušić. Ganz besonders erinnere ich mich an den Auftritt in Luzern: Da war die Luft wie elektrifiziert! Diana Damrau hat eine wunderbare Stimme, und mich fasziniert ihre Art, wie sie mit der Musik die Zeit dehnen kann. Das hat an diesem Abend ganz intensiv stattgefunden.

Auf der Website des Rundfunkorchesters sind Sie in einem Video der Reihe „Was spielst du denn?“ mit Bayern-1-Moderatorin Susanne Rohrer zu sehen. Was hat es damit auf sich?

Die Clips sind vor allem für Kinder gedacht. Einige Mitglieder des Orchesters haben darin ihr Instrument vorgestellt, ein kleines Interview dazu gegeben und am Ende jeweils Beethovens Ode an die Freude gespielt, damit man genau hören kann, wie sich der Klang der Instrumente unterscheidet.

Als Kammermusikerin haben Sie mit renommierten Künstlern wie Dimitri Ashkenazy oder Rainer Kussmaul zusammengearbeitet. In welchem Ensemble sind Sie aktuell aktiv?

Bei Passo Avanti, einem ziemlich ungewöhnlichen Quartett. Meine Orchesterkollegin Julia Bassler und ich spielen alternierend Violine. Dazu kommen ein Cellist und ein Gitarrist sowie Alexander von Hagke, der Gründer unserer „Band“, mit Klarinette und Querflöte. Das macht großen Spaß, weil ich da alle Seiten von mir einbringen und auch improvisieren kann. In die Stücke fließen ganz verschiedene Stilrichtungen ein, nicht nur Klassik und Jazz. Es sind auch klassische Elemente dabei, die sich dann vielleicht in einen Tango entwickeln oder in einen Samba-Rhythmus übergehen, und es gibt Eigenkompositionen, die keinem bestimmten Genre zuzuordnen sind. Ein unterhaltsames, pfiffiges Repertoire!

2014 waren Sie mit dem Festival West-östlicher Diwan Weimar im Iran und haben sich mit Konzerten und Workshops für den interkulturellen Dialog eingesetzt.

Ja, das war für mich ein spannendes Projekt, da ich einen iranischen Urgroßvater habe und zum ersten Mal in diesem Land war. Ich habe mich sehr in den Menschen dort wiedererkannt und hatte das Gefühl, dass diese Reise mir ein Stück von mir selber zurückgebracht hat. Wir traten auch gemeinsam mit iranischen Musikern auf, was völlig anders ablief, als wir es aus Deutschland kennen, wo immer alles sehr geregelt vor sich geht und die Proben pünktlich beginnen. Auch im Konzert waren wir anfangs verdutzt, weil es durchgehend Gespräche im Saal gab oder auch mal ein Handy klingelte. Aber kaum hatte man zu Ende gespielt, war eine wahnsinnige Emotion im Publikum zu spüren. Teilweise hatten die Leute zum ersten Mal in ihrem Leben klassische westliche Musik gehört und waren total ergriffen.

Sie haben sich auch mit spirituellen Themen beschäftigt und bieten aus dieser Erfahrung heraus zum Beispiel Klangreisen an. Wie läuft das ab?

Der Gast setzt oder legt sich hin und wird durch die Musik geführt, die ich aus dem Moment heraus improvisiere und die genau auf die Person abgestimmt ist. So entsteht etwas im Raum, was man mit Worten nicht beschreiben kann. Nach meiner Erfahrung berührt diese Art der personalisierten Musik die Menschen ganz besonders tief, bringt Emotionen zum Fließen, regeneriert und bringt uns in Einklang mit unserer eigenen Essenz.

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