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StartseiteHome Orchester Interview Claudius Müller

interview mit dem hornisten Claudius müller

Aus dem Programmheft zum 1. Sonntagskonzert 2020/2021 am 11. Oktober 2020

1. Sonntagskonzert 2019/2020_Credit Michaela Jung
Claudius Müller (links) beim 1. Sonntagskonzert 2019/2020

Claudius Müller, wann und wie wurde das Horn zu „Ihrem“ Instrument?

Ich war damals zehn Jahre alt, spielte schon Violine und sang im Knabenchor Hannover. Meine Mutter schlug mir vor, zusätzlich auch ein Blasinstrument auszuprobieren; ich nahm eine Probestunde auf dem Horn und es hat Spaß gemacht. Das Hornspiel ist ja im Grunde nichts anderes als das Singen – nur dass man noch ein paar Knöpfe drückt. (lacht) Mit dem Knabenchor führten wir dann unter der Leitung von Herbert Blomstedt Mahlers Dritte Symphonie auf – die mit dem „Bimm bamm“ im Chor und eben auch den Hörnern am Beginn. Als kleiner Junge direkt hinter acht Hörnern zu sitzen, das hat mich nachhaltig begeistert und motiviert. So bin ich drangeblieben und Hornist geworden. Mit dem Knabenchor kam es übrigens auch zu meinem ersten Kontakt mit dem Münchner Rundfunkorchester. Im Dezember 1998 musizierten wir gemeinsam bei einem Sonntagskonzert in der Philharmonie im Gasteig.

Schon während der Schulzeit besuchten Sie das Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Was bedeutete das?

Ich war im Gründungsjahrgang des IFF, und die Förderung beinhaltete im Grunde ein Musikstudium in „abgespeckter“ Form. Ich hatte externen Unterricht im Hauptfach – und dazu an der Hochschule in der Gruppe Musiktheorie, Gehörbildung, Rhythmusunterricht und sogar ein Semester lang Dirigieren. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Es war inspirierend und motivierend, mit anderen Kindern, die die gleichen Interessen hatten, zusammen zu sein. Mit mir im Jahrgang waren zum Beispiel der Pianist Igor Levit und Joana Mallwitz, die inzwischen als Dirigentin sehr erfolgreich ist.

Sie studierten dann an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei einer prominenten Hornistin, Marie-Luise Neunecker. Wie hat sie Ihr Spiel geprägt?

Sehr stark natürlich, wobei sie einem aber viele Freiheiten lässt. Es geht ihr nicht darum, aus dem Schüler eine Kopie des Lehrers zu machen, sondern das Individuelle aus jedem herauszuholen. Am Anfang hat sie eine Ansatzumstellung mit mir gemacht, denn es gibt verschiedene Arten, das Mundstück auf die Lippen zu setzen. Im zweiten Semester ging ich dann schon als Praktikant an die Dresdner Semperoper. Mein Studium war also sehr „perforiert“ durch Engagements. Wenn mich junge Leute heute fragen würden, ob sie im zweiten Semester schon ein Probespiel absolvieren sollten, würde ich sagen: „Ach, studier’ erst mal ein, zwei Jahre, geh auch mal ins Museum oder mach mal Party!“ Aber für mich hat es gepasst.

Sie haben schon in jungen Jahren häufig als Solist gespielt. Hatten Sie ein Lieblingskonzert?

Jedes Werk, mit dem ich mich beschäftigt habe, war wichtig für mich. Man übt die Stücke sehr lange und durchdringt sie. Besonders viel Erfahrung habe ich mit dem Hornkonzert Nr. 1 von Richard Strauss gesammelt, weil das in allen Probespielen verlangt wird und ich es auch oft mit Orchester aufgeführt habe, zum Beispiel mit dem Landesjugendsinfonieorchester Hessen für eine CD. Auch das Hornkonzert von Reinhold Glière fand und finde ich toll – und natürlich die vier Mozart-Konzerte. Letztes Jahr habe ich am 1. Horn und begleitet vom Philharmonischen Orchester Freiburg wieder einmal Schumanns Konzertstück für vier Hörner gespielt: ein unglaublich schönes Stück!

Wie gestaltete sich Ihr Alltag als Praktikant der Sächsischen Staatskapelle Dresden?

Ich habe dort 2., 3., 4., 5. oder auch 6. Horn im Opernbetrieb gespielt, außerdem bin ich regelmäßig nach Berlin zum Unterricht gefahren. Am Anfang braucht es viel Zeit, um die Opern zu „lernen“: nicht nur die Noten an sich, sondern auch das Spielen im Graben; oft muss man ganz spontan reagieren. Die Kollegen haben mich sehr gefördert und unterstützt. Einmal war ich für Salome unter Kent Nagano am 3. Horn eingeteilt. Die erste Vorstellung lief nicht rund, und ein älterer Kollege meinte nur: „Hey, übermorgen gleich nochmal!“ Und dann funktionierte es sehr gut. Auch solche Erfahrungen sind wichtig …

Und wie war es an der Akademie der Berliner Philharmoniker?

Dort hatte ich im Unterschied zu Dresden auch Unterricht, und zwar bei Stefan de Leval Jezierski: ein Input, der mir sehr gut getan hat. Außerdem wurde unter den Akademisten Kammermusik auf sehr hohem Niveau gemacht. Und wir haben natürlich am Konzertleben teilgenommen: Die Berliner Philharmonie ist wirklich gigantisch – und das Orchester phänomenal! Ich durfte auch bei einer USA-Reise dabei sein, bei der das Education-Projekt „Rhythm is it!“ zu Strawinskys Le sacre du printemps mit Jugendlichen in Boston wiederholt wurde; und es gab ein Konzert in der New Yorker Carnegie Hall.

Dank Ihres Studiums und Ihrer Berufstätigkeit haben Sie sozusagen eine ausgiebige Deutschland-Reise gemacht: Ihre ersten festen Stellen führten Sie als Solohornist zum Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck und zum Staatsorchester Stuttgart.

Ja, ich kenne Deutschland inzwischen ganz gut, und das ist wirklich ein Geschenk. Es ist interessant, die verschiedenen Mentalitäten kennenzulernen und bestimmte Vorurteile bestätigt oder doch eher widerlegt zu sehen. Dass die Norddeutschen schroff sind oder man in Stuttgart den Pelz innen und in München außen trägt – diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Die Wohn- und Lebensqualität in Lübeck war enorm hoch; in München bin ich noch nicht so lange, aber ich denke, dass sie aufgrund der Berge nahe an die von Lübeck herankommt. Man braucht natürlich immer einige Jahre, um die Kolleginnen und Kollegen richtig kennenzulernen und eine gemeinsame Sprache in der Musik wie auch im Umgang zu finden. In Dresden spielt man anders als zum Beispiel in Stuttgart. Es ist schön, dass die Orchester in gewisser Weise immer noch einen eigenen Klang und einen eigenen Stil haben, auch wenn sich das mehr und mehr vermischt.

Warum haben Sie im September 2018 die Stelle als Stellvertretender Solohornist im Münchner Rundfunkorchester angenommen?

Das hatte familiäre Gründe. Meine Frau ist Klarinettistin an der Bayerischen Staatsoper. Wir haben uns am Anfang des Studiums kennengelernt, und ich weiß nicht, wie viele Umzüge jeder von uns seitdem gemacht hat. Eine Zeit lang bin ich von Stuttgart nach Kassel gependelt, wo sie Soloklarinettistin war. Dann wechselte sie nach München, und wir haben eine Tochter bekommen. Auf Dauer wäre das Pendeln zermürbend gewesen. So habe ich mich auf die Stelle beim Rundfunkorchester beworben und bin sehr glücklich darüber, dass es geklappt hat. Ich bin nun die dritte Spielzeit hier und finde es sehr abwechslungsreich. Es wiederholt sich nichts! In Stuttgart hatte ich irgendwann zum 15. Mal Nabucco oder zum 13. Mal Carmen gespielt. Das passiert einem beim Münchner Rundfunkorchester nicht. Bei der Begleitung von Solisten stehen natürlich oft Klassiker auf dem Programm, aber je nach Konzertreihe ist auch weniger Bekanntes dabei und es gibt Neues zu entdecken.

In der Spielzeit 2020/2021 übernehmen Sie vertretungsweise die Position des Solohornisten. Doch welche speziellen Herausforderungen sind mit Ihrer eigentlichen Stelle als Stellvertretender Solohornist verbunden?

Der Stellvertretende Solohornist ist in einer anderen Situation als der Stellvertretende Konzertmeister, der in der Regel dieselben Noten wie der Erste Konzertmeister spielt; und er unterscheidet sich auch von den übrigen Stellvertretenden Solobläsern, die zusätzlich zu ihrem Hauptinstrument Solos an Sonderinstrumenten wie Piccoloflöte, Englischhorn, Bassklarinette und Kontrafagott übernehmen. Ich spiele als Stellvertretender Solohornist entweder 3. Horn oder – wenn unsere Solohornistin dienstfrei hat oder wenn ich wegen Erkrankung der Solohornistin kurzfristig einspringen muss – 1. Horn. Das war zum Beispiel bei einem Konzert mit Webers Oberon-Ouvertüre der Fall, die gleich mit einem Hornsolo beginnt. Natürlich muss ich dann dieselbe Leistung erbringen wie die Solohornistin. Es wäre ja schrecklich, wenn jemand denken würde: „Ach, da sitzt diesmal ,nur‘ der Stellvertreter.“ Ich muss jederzeit voll präsent und in der Routine drin sein. Diese aufrechtzuerhalten ist nicht ganz einfach, denn am 3. Horn wiederum kann es vorkommen, dass ich über mehrere Projekte und viele Monate hinweg keine prominenten Aufgaben habe, bei denen der Adrenalinspiegel steigt und man im Rampenlicht steht, sondern ganz viel „tacet“ (= Pause). Das liegt daran, dass wir sehr oft Solisten begleiten und das 3. Horn in Arien- und Solistenprogrammen meist wenig zu tun hat. Glücklicherweise kann ich durch meine vorherigen Stellen auf viel Erfahrung zurückgreifen.

Und wie sieht es aus, wenn Sie zuhause üben – in einer Familie mit inzwischen zwei kleinen Kindern? Gibt es da auch Besonderheiten?

Meine zweijährige Tochter will immer mitüben. Zwischendrin muss ich dann ihren Teddybären in der Hornstürze verstecken oder ihn mit dem Mundstück trocken föhnen, weil er „baden“ war. Wir werden unseren Kindern auf jeden Fall anbieten, ein Musikinstrument zu lernen. Aber wer weiß – vielleicht möchten sie ja lieber malen oder schauspielern oder Sport machen …

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