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StartseiteHome Orchester Interview Christopher Zack

interview mit dem BRATSCHISTEN CHRISTOPHER ZACK

Aus dem Programmheft zum 2. Konzert Paradisi gloria 2017/2018 am 2. Februar 2018

PULS Festival 2017 (Credit Hans-Martin Kudlinski)
Christopher Zack (Mitte) mit Kollegen aus dem Münchner Rundfunkorchester beim PULS Festival 2017

Christopher Zack, Sie haben zunächst Violine gelernt, und wurden mit 15 Jahren in die Frühförderklasse an der Hochschule für Musik Würzburg aufgenommen. Was bedeutete „Frühförderklasse“?

Damit ist das Jungstudium oder sogenannte Pre-College gemeint. Mein Zwillingsbruder und ich haben mit sechs Jahren begonnen, bei unseren Eltern Geige zu lernen. Mein Vater war damals Konzertmeister im Stuttgarter Kammerorchester; später übernahm er eine Professur in Würzburg. Ab dem Alter von ungefähr zwölf Jahren bekamen wir Unterricht bei einem Kollegen von ihm, bevor wir dann in die Frühförderklasse bei Conrad von der Goltz aufgenommen wurden. Dadurch hatten wir parallel zur Schule Instrumentalunterricht, außerdem jeden Samstag Musiktheorie, Gehörbildung und Korrepetition; das heißt, wir konnten zusammen mit einem Pianisten unsere Stücke spielen.

Ein Jahr später wechselten Sie zur Viola. Warum?

Ehrlich gesagt war das ein Vorschlag meines Vaters. Er hatte sich damals mit meinem Lehrer zusammengesetzt und überlegt, ob es nicht besser sei, wenn einer von uns Brüdern ein anderes Instrument als Geige wählen würde, damit jeder „sein eigenes Ding“ machen kann. Wir hatten eine schöne kleine Bratsche daheim, auf der ich spielen konnte, und ich merkte sofort, dass mir die Bratsche liegt. Ich mag diesen warmen, etwas melancholischen Ton der Viola sehr. Besonders gefielen mir immer Schuberts Arpeggione-Sonate, die Brahms-Sonaten und Schumanns Märchenbilder. Diese Stücke habe ich oft gespielt und schätze ich sehr. Ganz besonders aber liebe ich das Konzert für Viola und Orchester von Béla Bartók. Ein sehr virtuoses Werk, das sich einem erst nach und nach erschließt. Dabei macht es unheimlich Spaß, sich jedes Detail zu erarbeiten und so lange daran zu feilen, bis es genau den eigenen Vorstellungen entspricht. Leider verstarb Bartók, bevor er das Konzert vollenden konnte, dennoch ist es eines der Highlights der Bratschenliteratur. Während des Studiums habe ich das Konzert mehrfach mit dem Universitätsorchester Gießen als Solist aufgeführt.

Sie haben in Würzburg und Frankfurt am Main sowie drei Jahre am Colburn School Conservatory of Music in Los Angeles studiert. Wie kam es zu dem Aufenthalt in den USA?

Ich spürte immer schon dieses Fernweh und wollte gern für längere Zeit ins Ausland. In meiner Kindheit hatte ich für eine Weile den Wunsch, Pilot zu werden, allerdings kam die Musik „dazwischen“. Das Aufbaustudium in den USA hatte sich aus mehreren Gründen angeboten: Meine Mutter ist Amerikanerin, daher habe ich den deutschen wie auch den amerikanischen Pass. Außerdem unterrichtet an der Colburn School der Bratschist Paul Coletti, den sowohl mein Professor in Frankfurt als auch mein Vater kannten und den sie mir wärmstens ans Herz legten.

Haben Sie in spielerischer Hinsicht Unterschiede zwischen Amerika und Europa festgestellt?

Ja, durchaus. Hier bei uns wird großer Wert auf eine historisch adäquate Spielweise gelegt. In den USA gibt es zwar Ensembles, die sich an der historischen Aufführungspraxis orientieren, aber das ist eine Randerscheinung. Man pflegt eher eine romantisierende Interpretation à la Jascha Heifetz oder Henryk Szeryng. Anfänglich schien mir diese Ignoranz etwas befremdlich, jedoch hatte ich auch das Gefühl, dass einem bei der Interpretation eines Stücks mehr Freiheiten gelassen werden. Ob und wieviel Vibrato ich bei der Ciaccona von Bach benutzen wollte, war ganz mir selbst überlassen. Ein Luxus, der mir hier ein Stück weit fehlt.

Welche nachhaltigen Erkenntnisse für Ihr Tun als Musiker haben Sie aus dem Studium mitgenommen?

Die wohl größte Inspiration für mein Spiel kam von Roland Glassl, meinem Professor in Frankfurt. Die Art und Weise, wie er Musik macht, hat mich sehr geprägt. Das, was ich damals bei ihm gelernt habe, beherzige ich noch heute. Wichtig ist mir dabei, dass die Musik niemals „steht“, sondern dass man mit Agogik, das heißt mit Richtung, auf ein bestimmtes Ziel hin spielt. Dabei ist der gezielte und sehr selektive Einsatz von Vibrato für mich ganz entscheidend. Mal verlangt die Musik ein sehr schnelles enges, mal ein langsames und weites Vibrato, mal gar keins. Dasselbe gilt für die Artikulation. Das macht den Vortrag lebendig. Paul Coletti in Los Angeles hat die europäische und die amerikanische Schule vereint. Er hat einen unglaublich schönen Ton; von ihm habe ich klanglich viel gelernt.

Noch zuvor, während Ihrer Frankfurter Studienzeit, haben Sie im Meritis Quartett gespielt …

Das war eine sehr schöne, aber auch intensive Zeit. Wir waren alle sehr motiviert und haben das Quartett sehr ernsthaft betrieben. Dabei haben wir uns viel Repertoire erarbeitet − von Mozart über Beethoven, Dvořák, Schumann, Bartók und Alban Berg bis hin zu Jörg Widmann. Ich denke auch gerne an unser erstes Konzert zurück, in dem wir das Streichquintett von Franz Schubert für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli aufgeführt haben. Ein fantastisches Kammermusikwerk von nahezu symphonischen Ausmaßen.

Wie ging es weiter, als Sie aus den USA nach Deutschland zurückkamen?

Ich bin hier sofort in die Berufstätigkeit eingestiegen. Im Januar 2013 hatte ich das Probespiel beim Münchner Rundfunkorchester, mein Studium in den USA lief noch bis Mai, und zum 1. Juni habe ich dann hier angefangen. Ich hatte also ungefähr zwei Wochen Zeit, mir eine Wohnung zu suchen; das war ein bisschen stressig. Und beruflich kam mit der ersten festen Stelle gleich viel Neues auf mich zu, auch wenn ich Erfahrungen aus Colburn mitbrachte. Das Hochschulorchester dort war auf einem sehr hohen Niveau. Es kamen Gastdirigenten wie Sir Neville Marriner oder Gustavo Dudamel, mit denen wir hochklassige Konzerte in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles gegeben haben: Brahms, Strauss, Schostakowitsch – die große symphonische Literatur. Der Saal ist toll, hat eine hervorragende Akustik; selbst wenn man in der letzten Reihe sitzt, kann man alles kristallklar wahrnehmen.

Was war Ihr bisher schönstes Konzerterlebnis beim Münchner Rundfunkorchester?

Ich kann mich kaum auf ein Ereignis festlegen, aber besondere Highlights waren mit Sicherheit die Gastspiele bei den Salzburger Festspielen, besonders das erste im Sommer 2013: Verdis Giovanna dʼArco konzertant mit Anna Netrebko und Plácido Domingo. Das war eine unglaubliche Erfahrung, und damals ist mir die Qualität des Rundfunkorchesters so richtig bewusst geworden. Auch einige Konzerte mit dem BR-Chor sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Da gab es echte Gänsehaut-Momente, zum Beispiel bei der Aufführung von Arvo Pärts Te Deum unter der Leitung von Peter Dijkstra: ein sehr atmosphärisches Stück, das auch auf CD herauskam. In dieser Saison hat mir das Konzert im Herkulessaal mit Rossinis Stabat mater und Verdis Quattro pezzi sacri unter Howard Arman, dem aktuellen Künstlerischen Leiter des BR-Chores, sehr gut gefallen. Ich mag generell den Chorklang sehr gern, höre zurzeit viel Musik für Chor a cappella, zum Beispiel von Mendelssohn, Rheinberger oder von dem zeitgenössischen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Ich singe selber nicht, aber ich finde, die menschliche Stimme berührt einen sehr unmittelbar.

Sie haben also breit gefächerte musikalische Interessen …

Ja, ich mag sowohl das traditionelle Repertoire als auch Experimentelles. Ich habe zum Beispiel schon mehrfach bei den Kammerkonzerten des Freundeskreises des Münchner Rundfunkorchesters mitgewirkt. Da haben wir unter anderem das Konzertstück von Paul Hindemith für Trautonium und Streicher aufgeführt: ein skurriles Instrument, quasi der Prototyp des Synthesizers! Ein einmaliges Erlebnis. Auch Crossover-Projekten gegenüber bin ich sehr aufgeschlossen; beim PULS Festival zum Beispiel treten Mitglieder des Münchner Rundfunkorchesters mit Künstlern der Pop-Avantgarde auf. Toll fand ich außerdem das Projekt Sound Visions unter der Leitung unseres Ersten Konzertmeisters Henry Raudales, bei dem klassische Musik, Elektro-Improvisationen und Lichteffekte zu einem Ganzen verbunden wurden. Das Publikum konnte frei um das Orchester herumlaufen, das baut Berührungsängste ab. Ich denke, man muss solche Wege gehen, um junge Leute auf die Klassik aufmerksam zu machen. Sie mögen das Spektakel, es muss also mehr sein als nur ein Konzert: ein Event!

Was tun Sie in Ihrer Freizeit zum Ausgleich?

Ich mache gern jede Form von Sport, gehe zurzeit viel ins Schwimmbad. Da kann man gut abschalten. Auch Schach interessiert mich. Früher war ich sogar im Club, habe mich intensiver damit beschäftigt und interessante Eröffnungen studiert. Heute spiele ich nur noch zum Spaß oder schaue mir ein Turnier im Internet per Livestream an. Außerdem spiele ich Tischtennis – eine Leidenschaft, die ich mit Henry Raudales oder auch unserem Soloposaunisten Elmar Spier und unserem Orchesterwart Michele DiBono teile. Gelegentlich treten wir sogar zusammen mit anderen Mitarbeitern des Bayerischen Rundfunks gegen Mannschaften anderer Betriebe an.

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