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StartseiteHome Orchester Interview Christiane Dohn

Interview mit der Soloflötistin Christiane Dohn

Aus dem Programmheft zum 1. Konzert Mittwochs um halb acht 2016/2017 am 26. Oktober 2016

Christiane Dohn mit ihrer Tochter (C) Denis Pernath
Christiane Dohn mit ihrer Tochter

Christiane Dohn, Sie wurden von Ihrem Vater Robert Dohn (1936-2015), ehemals Soloflötist im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, im Querflötenspiel unterrichtet. War von Anfang an klar, dass Sie dasselbe Instrument lernen wollten wie er?

Ich habe ja zuerst Blockflöte gespielt, wie fast alle Kinder, und mit 13 Jahren zur Querflöte gewechselt. Einige haben mich natürlich schon gefragt, ob ich zu „faul“ war, mir etwas eigenes zu suchen. Aber bei uns zu Hause gab es eben immer schon Querflöten. Ich hatte den Klang im Ohr und habe nie den Wunsch verspürt, zum Beispiel Oboe oder ein Streichinstrument zu lernen. Es hat einfach gepasst.

Wie war es, beim eigenen Vater Unterricht zu haben und auch bei ihm zu studieren?

Viele Musiker sagen, dass das bei ihnen nicht funktioniert hätte. Und meine zwölfjährige Tochter lernt tatsächlich Querflöte bei einer Lehrerin an der Musikschule; ich mische mich da gar nicht ein. Aber bei mir ging es. Ich hatte immer großen Respekt vor meinem Vater, und als klar war, dass ich Berufsmusikerin werden wollte, kam der entsprechende Ehrgeiz dazu. Mein Vater hatte eine Klasse an der Stuttgarter Musikhochschule, und ich habe gesehen, wie viele Studenten bei ihm Unterricht haben wollten. Es wäre wirklich ungeschickt gewesen, wenn ich die Chance nicht ergriffen hätte. Er wollte mich wohl auch nicht »hergeben«; mit der Höchstpunktzahl beim Vorspielen hätte ich sicher genauso zu einem anderen Dozenten gehen können.

Wie lief das Studium ab?

Da ich noch bei meinen Eltern wohnte, haben wir uns nicht an der Hochschule getroffen, sondern zuhause gearbeitet: oft zwei Stunden am Stück und dann vielleicht eine Woche Pause dazwischen. Es war also nicht die gängige Art von Unterricht. Aber mein Vater hat mich nicht bevorzugt, eher noch strenger behandelt als die anderen Schülerinnen und Schüler. Und wenn wir zum Beispiel in Bachs Weihnachtsoratorium gemeinsam spielten, amüsierten sich die Damen des Chores hinter uns immer: Es muss sehr lustig ausgesehen haben, da wir genau dieselben Bewegungen machten. Ich habe ihn nicht bewusst imitiert, aber unsere Klangvorstellung war natürlich dieselbe.

Ihr Vater war auch Komponist.

Ich besitze seine gesamten Noten – kistenweise, sowohl die allgemeine Flötenliteratur als auch seine eigenen Werke. Inzwischen habe ich seine Kompositionen geordnet, und das Konzert für Piccoloflöte, das er zuletzt geschrieben hat, wird für den Druck vorbereitet. Einiges von ihm habe ich selbst aufgeführt, zwei Stücke beim SWR aufgenommen. Seine Freischütz-Fantasie haben meine Kollegin Alexandra Muhr und ich in einem Kammerkonzert des Freundeskreises des Münchner Rundfunkorchesters gespielt. Und seine Orchesterstudien für Flöte, eine Zusammenstellung von wichtigen Stellen aus der symphonischen und der Opernliteratur, habe ich im Studium natürlich auch benutzt. Mein Exemplar ist ganz zerfleddert!

Wie war denn Ihr Probespiel beim Münchner Rundfunkorchester?

Damals war ich noch mitten im Studium; mein Vater hat seine Schüler immer sehr früh losgeschickt, um Erfahrungen zu sammeln. Manch einer von meinen Orchesterkollegen erinnert sich noch heute daran, wie ich mit meiner Ponyfrisur vor ihnen stand. Wahrscheinlich fragten sie sich, ob ich schon volljährig bin. Es ging ja zunächst um die Stelle als Stellvertretende Soloflötistin. Irgendwann wurde applaudiert, und zu meiner Überraschung wurde ich genommen – mit 22 Jahren.

Nur ein Jahr später erhielten Sie die Stelle als Soloflötistin. Wie kam das?

Eine Zeit lang war ich Mädchen für alles, habe Zweite Flöte, Piccolo und auch Erste Flöte gespielt, da diese Position nicht besetzt war. Nachdem ich dann dreimal das Solo in der Wahnsinnsarie aus Donizettis Lucia di Lammermoor übernommen hatte, waren die Kollegen offensichtlich überzeugt.

Seitdem sind Sie dem Münchner Rundfunkorchester treu geblieben – nun bald 25 Jahre. Was macht diesen Klangkörper für Sie als Musikerin attraktiv?

Es wird nie langweilig, weil immer wieder etwas Neues auf dem Programm steht. Man muss sich ständig auf einen anderen Stil einstellen, beschäftigt sich nicht immer nur mit denselben Symphonien. Allerdings ist es auch mal schön, eine Symphonie zu spielen, gerade für uns im Rundfunkorchester, die wir sehr viel begleiten. Es ist wichtig für die Kondition, auch etwas am Stück zu spielen und als Orchester präsent zu sein. Unser Blickwinkel ist jedenfalls sehr weit; man muss flexibel sein.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?

An alle Konzerte unter der Leitung von Marcello Viotti [Chefdirigent 1998–2004; verstorben 2005] – besonders aber an eines der ersten Konzerte in der Reihe Paradisi gloria mit Poulencs Stabat mater. Sehr eindrucksvoll war die Stelle, als die Worte „paradisi gloria“ erklangen, die der Reihe ihren Namen gegeben haben. Viotti hat immer mitgesungen und mitgeatmet, wenn Sänger beteiligt waren; er war ja selbst u.a. ausgebildeter Bariton, kam also vom Gesang. Er konnte sehr gut abschätzen, was er von seinen Musikern verlangen kann, wo er noch mehr fordern kann. Sein Sohn Lorenzo Viotti, der schon zweimal bei uns dirigiert hat, besitzt dieses gewisse Etwas auch; er ist natürlich sehr jung und muss noch Erfahrungen sammeln. Gern erinnere ich mich auch an das erste Konzert mit Bobby McFerrin. Er war so locker – der ganze Mann einfach nur Musik! Und ich liebe das Schlussterzett aus dem Rosenkavalier. Wenn das drankam, war ich immer hin und weg. Außerdem ist es natürlich schön, eine solistische Aufgabe zu übernehmen, zuletzt zum Beispiel I Hear the Water Dreaming von Tōru Takemitsu.

Gab es auch eine extreme Erfahrung?

Das war die Aufführung des über vierstündigen Stücks For Philip Guston von Morton Feldman in der Pinakothek der Moderne mit Ulf Schirmer am Klavier und meinem Kollegen Andreas Moser am Schlagzeug. Da bin ich ein wenig an meine Grenzen gestoßen, es war wie ein Marathon. Nach zwanzig von hundert Seiten fingen meine Lippen an zu zittern. Die Altflöte, die in diesem Werk verlangt wird, ist ziemlich schwer, und ich hatte nur Liegetöne zu spielen, konnte das Instrument also nicht absetzen. Ich benutzte zwei Notenständer mit Kissen zum Abstützen der Arme. Und als ich das Publikum da sitzen sah, darunter auch Kollegen, dachte ich: „Wenn die das können, dann schaffe ich das auch!“ Das Zittern hörte wieder auf und ich fragte mich nur, wann denn jetzt der „Flow“ [völlige Versenkung in eine Tätigkeit] kommt.

Was waren zuletzt oder sind aktuell Ihre Highlights im Programm?

Was das heutige Konzert betrifft: Wenn man Mozart spielt, geht es einem sowieso immer gut, selbst wenn man vorher nicht so toll drauf war. Darüber hinaus freue ich mich sehr auf alle Konzerte, bei denen der BR-Chor dabei ist, zum Beispiel bei den „Christmas Classics“. Auch Beethovens Leonore, die Urfassung des Fidelio, unter der Leitung von Mario Venzago wird bestimmt interessant. Überhaupt ist es wichtig, komplette Werke zu spielen, so wie im Sommer 2016 Massenets Thaïs konzertant bei den Salzburger Festspielen − also nicht nur die berühmte Méditation daraus. Davor haben wir in Salzburg Puccinis Manon Lescaut mit Anna Netrebko aufgeführt – ein sehr flötenlastiges Werk. Anstrengend, aber sehr schön! Und die Carmen-Produktion mit der Theaterakademie August Everding Anfang 2017 war für mich als Flötistin natürlich ein Traum.

Woher haben Sie diese Leidenschaft?

Bevor mein Vater zum Rundfunk kam, war er an der Stuttgarter Oper verpflichtet. Als ich noch ein Kind war, durfte ich Hänsel und Gretel und die Zauberflöte sehen, mit in die Kantine gehen oder den Souffleurkasten anschauen. Ich habe sogar eine Feder aus einem Papageno-Kostüm bekommen und in ein Album geklebt. Seitdem bin ich infiziert! Und heute als Berufsmusikerin genieße ich die Momente, wenn ich merke: Ich will nirgendwo anders sein, ich bin genau richtig hier!

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