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StartseiteHome Orchester Interview Andreas Moser

Interview mit dem Schlagzeuger Andreas Moser

Aus dem Programmheft zum 3. Konzert Mittwochs um halb acht am 1. Februar 2017

KulturTagJahr mit Andreas Moser (R) Franz Kimmel
Andreas Moser bei einer Aktion zum KulturTagJahr mit dem Münchner Luitpold-Gymnasium

Andreas Moser, Ihr Heimatort Steinberg am Rofan in Tirol wirbt damit, das „schönste Ende der Welt“ zu sein …

Ja, damit ist eigentlich schon alles gesagt: ein kleines Bergbauerndorf auf über 1000 Meter Höhe mit momentan 290 Einwohnern. Davon sind ungefähr dreißig bei der Blaskapelle! Ich komme aus einer musikaffinen Familie: Mein Vater war Kapellmeister und Chorleiter, meine Mutter Direktorin der Grundschule und Organistin. Natürlich gab es auch ein Klavier im Elternhaus, auf dem meine Geschwister und ich von meiner Mutter eingeführt wurden. Ich habe mich auf die verschiedensten Instrumente gestürzt, aber das Klavier war zentral. Parallel dazu habe ich in der Blasmusik gespielt, auch schon am Schlagzeug. Die Ausbildung hat sich allerdings auf zwei, drei Stunden beschränkt, und mein Vater hat mir gezeigt, wie man bei einem Marsch oder einer Polka anfängt und aufhört und wie der Nachschlag funktioniert.

Wie kam es zu der Entscheidung, Schlagzeug zu studieren?

Mein ältester Bruder war in Innsbruck bei der Militärkapelle; ich wollte auch dorthin und habe ein Vorspiel auf dem Schlagzeug absolviert. Auf die Frage, was ich denn noch könne, habe ich geantwortet: Akkordeon – und dass ich zusammen mit anderen oder auch allein spielen könne. Ich befürchte, dass meine damalige Verpflichtung als Schlagzeuger auch auf meine Fähigkeiten auf dem Akkordeon zurückzuführen ist. Das war der Lohn dafür, dass ich mich sehr breit orientiert hatte. In dieser Zeit habe ich dann am Konservatorium in Innsbruck die Aufnahmeprüfung im Fach Klavier bestanden. Im zweiten Studienjahr gab es die Möglichkeit, ein Zusatzfach zu belegen. Ich dachte mir: Regelmäßiger Schlagzeugunterricht wäre mal ganz interessant. Mein Lehrer hat dann ziemlich auf die Tube gedrückt. Ich habe in beiden Fächern die Staatliche Lehrbefähigungsprüfung gemacht und anschließend am Richard-Strauss-Konservatorium in München weiter Schlagzeug studiert.

Währenddessen wurden Sie bereits Orchestermitglied am Gärtnerplatztheater. Warum haben Sie 1992 zum Münchner Rundfunkorchester gewechselt?

Mich hat die breite musikalische Palette gereizt: Oper, Filmmusik, Jazzprojekte und vieles andere. Damals und in der Ära Marcello Viotti stand natürlich viel italienische Oper auf dem Programm; dazu kamen immer auch CD-Aufnahmen und Konzerte mit interessanten Sängern. Vesselina Kasarova oder Anna Netrebko haben wir zum Beispiel schon zu Beginn ihrer Karriere begleitet.

Wie setzt sich die Schlagzeuggruppe im Rundfunkorchester zusammen?

Es gibt eine Solopauker-Stelle, einen stellvertretenden Solopauker mit Schlagzeug und einen reinen Schlagzeuger – das bin ich. Die Ausbildung ist für alle dieselbe, man spezialisiert sich dann je nach subjektiver Affinität. Für kurze Zeit war ich auch mal stellvertretender Solopauker, aber letztendlich bin ich doch mit Leib und Seele Schlagzeuger.

Über wie viele Instrumente verfügen Sie?

Das kann ich nicht sagen. Die Frage ist ja: Was gehört alles dazu? Denn das Instrumentarium verändert und erweitert sich ständig, und gelegentlich mache ich sogar einen Besuch im Baumarkt. Zudem kommen immer wieder neue Percussion- oder Effektinstrumente heraus. Grundsätzlich ist das Schlagzeug ein sehr junges Instrumentarium, entscheidend für die Entwicklung waren die letzten 100 bis 120 Jahre. In Beethovens Neunter Symphonie kommen zum Beispiel in Anlehnung an die türkische Janitscharenmusik Große Trommel, Becken und Triangel vor. Das Vibraphon wurde erst um 1920 erfunden und von Alban Berg in seiner [1937 posthum uraufgeführten] Oper Lulu eingesetzt. Durch die sogenannte Weltmusik kommen heute jedenfalls Einflüsse von überall her – Afrika, Südamerika, Asien. Immer wieder entdeckt man etwas Neues.

Was war das Ausgefallenste, was Sie je gespielt haben?

Holzbalken! Für die Darstellung einer Kreuzigungsszene musste ich mir einen Balken und die entsprechenden Nägel besorgen, die man dann auch im richtigen Rhythmus trifft. Später hatten wir mal einen Stummfilm von Charlie Chaplin zu begleiten, bei dem es um Hausbau ging. Da konnte ich den Balken gleich nochmal verwenden. Für die Symphonie Amen von Galina Ustwolskaja musste ich einen Holzkubus mit 43 cm Kantenlänge bauen. Auch diesen Würfel habe ich unlängst in der Konzertreihe Paradisi gloria wiederverwendet: für John McMillans Stück The Worldʼs Ransoming, in dem es um den Gründonnerstag und das Leiden Christi geht.

An welches Erlebnis mit dem Münchner Rundfunkorchester denken Sie besonders gern zurück?

Das meiste Serotonin hat mein Gehirn bestimmt bei Don Quichotte de la Mancha ausgeschüttet – einem Werk für Schlagzeugduo und Orchester von Franz Kanefzky [Komponist und Hornist im Münchner Rundfunkorchester], das ich gemeinsam mit meinem Freund Jörg Hannabach in der Reihe Klassik zum Staunen uraufgeführt habe. Es war toll, dabei nicht nur als Solist aufzutreten, sondern als Don Quichotte und Erzähler auch interaktiv mit den Kindern in Kontakt zu treten. Die Reaktionen, die da zurückkamen – unglaublich!

Sie führen auch durch die Webvideos Mitten im RO. Worum geht es da?

Die Idee von Stefana Titeica [Geigerin im Münchner Rundfunkorchester und Koautorin der Reihe] war, die Instrumentengruppen des Orchesters vorzustellen und dabei auch die Musiker einzubeziehen. Die knapp zehnminütigen Filme sollen 6- bis 10-Jährige auf den Geschmack bringen, sich mit dem Thema weiter zu beschäftigen. Sehr kompakt werden in den ersten vier Folgen Streicher, Blechbläser, Schlagwerk und Holzbläser präsentiert. Ich habe dabei die Funktion, als Schlagzeuger des Orchesters möglichst authentisch von den Instrumentengruppen zu erzählen. Und zwar im Gespräch mit Mia, einer Schülerin aus unserer Patenschule, der Grundschule Wolfersdorf.

Auch beim KulturTagJahr, einem Projekt zur kulturellen Bildung, sind Sie sehr aktiv. Das Münchner Rundfunkorchester arbeitet dabei bereits zum dritten Mal mit Schülerinnen und Schülern der 7. Jahrgangsstufe des Münchner Luitpold-Gymnasiums. Wie läuft das ab?

Wichtiger Bestandteil ist eine Musikwoche in den Räumen des Bayerischen Rundfunks – für rund 130 Schülerinnen und Schüler! Das ist eine spannende Sache. Als Musiker ist man eigentlich nicht für die pädagogische Arbeit mit Kindern ausgebildet; doch wir versuchen, ausgehend von unserem Instrument etwas zu vermitteln und zum gemeinsamen Musizieren anzuregen, auch wenn die Teilnehmer vielleicht noch nie ein Instrument in der Hand hatten. Wir animieren die Schüler dazu, auf einfachen Instrumenten zu spielen: zum Beispiel Rasseln, Handtrommeln, Bongos oder der Cajón, einer Art Holzkiste, auf der man mit den Händen trommelt. Immer wieder sind Kinder dabei, die schon ein Instrument beherrschen; andere spielen zwar kein Instrument, sind aber sehr kreativ. Trotzdem muss man sie leiten. Auch das Zusammenspiel im Orchester ist ja keine Selbstverwirklichung, sondern ein Prozess, bei dem man wechselweise führt oder sich unterordnen muss. Manchmal können oder wollen die Schüler zuerst nichts damit anfangen. Aber nach der großen Schlusspräsentation am Ende des Schuljahres, die verschiedene künstlerische Sparten vereint, sind die Kinder selbst überrascht, was alles möglich ist.

Neben dem Orchester pflegen Sie auch die Kammermusik. In welchen Formationen spielen Sie hauptsächlich?

Zum Beispiel im Duo MuniCussion − gegründet 2002 zum 50-jährigen Orchesterjubiläum zusammen mit meinem damaligen Kollegen Jörg Hannabach, der inzwischen bei den Münchner Philharmonikern ist: eine kreative und freundschaftliche Arbeit, die uns beiden viel Spaß macht. Hier habe ich auch eine Plattform für selbst geschriebene Stücke; die meisten Nummern sind mittlerweile Eigenkreationen. Außerdem habe ich ein Trio für Posaune, Kontrabass und Vibraphon. Auch dafür bringe ich meine kompositorische Ideen zu Papier: jazzig angehauchte Musik mit zeitgenössischen Einflüssen, manchmal auch sehr groovige Sachen.

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