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StartseiteHome Orchester Interview Albert Frasch

interview mit dem Stellvertretenden solokontrabassisten albert frasch

Aus dem Programmheft zum 1. Sonntagskonzert 2019/2020 am 17. November 2019

2. Klassik zum Staunen 2017/2018 mit Stefan Wilkening (Credit Thorsten Cremer)
Albert Frasch bei einem Konzert der Reihe Klassik zum Staunen mit Stefan Wilkening als Erzähler

Albert Frasch, warum sind Sie Musiker geworden?

Zuhause bei meinen Eltern wurde immer Musik gemacht – aber Volksmusik, keine Klassik. Ich habe Zither gelernt und bei der Hausmusik mitgespielt. Doch ich hatte nie den Gedanken, das beruflich zu machen. Ich wollte unbedingt aufs Gymnasium, was aber nicht ganz nach Wunsch verlief. In einer mit uns befreundeten Volksmusikgruppe wirkte damals Karl Henn mit, der Bassist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war. Er riet mir, Musiker zu werden – und das habe ich dann auch getan. Er gab mir Unterricht, bis ich so weit war, dass ich zum Beispiel ein paar Etüden von Franz Simandl beherrschte – Standardwerke für Kontrabassisten. Ich bestand die Aufnahmeprüfung an der Münchner Musikhochschule, wo ich dann bei Herbert Duft, Solobassist der Münchner Philharmoniker, studiert habe. Dass ich Musiker wurde, war also reiner Zufall und höchstes Glück!

Hatten Sie denn vor diesem schicksalhaften Ratschlag schon Berührung mit dem Kontrabass?

Nur in der Volksmusik; das hatte ich mir selber beigebracht, denn da spielt man ganz einfache Harmonien und meistens zupft man statt zu streichen. Als ich dann Unterricht bekam, mit 16 oder 17 Jahren, war ich schon relativ alt dafür. Mit 22 habe ich das Studium mit dem künstlerischen Diplom abgeschlossen und begonnen, Probespiele zu machen.

Wie viele Instrumente spielen Sie insgesamt?

Spielen im Sinne von Können? Wenn ich als Kriterium anlege, dass man dabei nicht nachdenken muss, dann ist das nur die Zither. Das hat sich mir so eingeprägt, dass man mich mitten in der Nacht wecken könnte und ich würde sofort loslegen; da muss ich nicht überlegen. Beim Kontrabass muss ich das in gewisser Weise immer noch − obwohl alles so vertraut ist und man natürlich nicht über die Töne als solche nachdenkt. Aber ich muss die Dinge schon mit dem Kopf kontrollieren. Neben weiteren Instrumenten wie Gitarre und Klavier spiele ich seit einem guten Jahr außerdem Tuba. Das hätte ich eigentlich schon viel früher anfangen müssen, genauso wie das Singen, das ich seit einiger Zeit pflege. Inzwischen finde ich es so wichtig, dass man „von Tuten und Blasen“ eine Ahnung hat. Man sollte sich als Musiker nicht nur mit dem eigenen Instrument auskennen.

Mit dem Kontrabass ging es nach dem Studium erst einmal ganz klassisch weiter: Karajan-Stiftung der Berliner Philharmoniker, Meisterklasse, Aushilfsverträge an der Bayerischen Staatsoper, bei den Münchner Philharmonikern und beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Was ist das Faszinierende an solchen „Tempeln der Klassik“?

Ich habe das ursprünglich gar nicht so empfunden. Da war man einfach mittendrin, zum Beispiel bei der konzertanten Aufführung von Tristan und Isolde im Herkulessaal mit dem Symphonieorchester des BR unter Leonard Bernstein. Im Nachhinein erscheint mir manches viel wertvoller als damals; das waren wichtige Erfahrungen. Man merkt, was Künstler wie Bernstein drauf hatten. Und ich war als junger Kerl dabei! An der Bayerischen Staatsoper war ich auch ein halbes Jahr. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke: Der Kronleuchter fährt hoch, das Licht geht aus, und die Vorstellung beginnt … Das ist so lebendig!

Ihre erste feste Stelle hatten Sie bei den Düsseldorfer Symphonikern, ehe Sie 1983 als Stellvertretender Solokontrabassist ins Münchner Rundfunkorchester wechselten. War Ihnen klar, dass Sie hier ein ganz spezielles, sehr vielseitiges Repertoire erwartet?

Nein, aber ich kann mich erinnern, dass wir damals zum Beispiel Playbacks für Filmaufnahmen eingespielt haben, was ich zuvor noch nie gemacht hatte. Auch Salonmusik wurde damals aufgeführt. Die Mitschnitte der Konzerte mit dem Salonorchester des Münchner Rundfunkorchesters unter Janos Maté im Max-Joseph-Saal der Residenz habe ich zum Beispiel alle daheim. Bis vor wenigen Jahren habe ich all unsere Aufnahmen archiviert. Die Künstler, die mit uns arbeiteten, wollten oft Mitschnitte haben. Ich habe diese dann fertiggestellt und mit einem Cover versehen. Heute läuft das über das Künstlerische Betriebsbüro des Orchesters. Bei einem der Salonorchester-Konzerte war auch der Saxofonist und Klarinettist Mulo Francel dabei, den ich und meine Frau [Martina Liesenkötter, Geigerin im Münchner Rundfunkorchester, Anm.d. Red.] schon anderweitig kannten. Inzwischen hat das Rundfunkorchester mit ihm und seiner Band Quadro Nuevo eine ganze Reihe von Konzerten und CDs gemacht.

Sie haben ja auch die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Bobby McFerrin oder Lalo Schifrin bei seinen Programmen „Jazz Meets the Symphony“ sehr geschätzt.

Ja, wir gastierten zum Beispiel beim Jazz Festival in Montreux, mit Ray Brown am Bass und James Morrison an der Trompete. Am Anfang war es gar nicht so einfach, sich bei dieser Art des Musizierens zusammenzufinden. Dem Schlagzeuger Grady Tate, der ebenfalls dabei war, hat es richtig Spaß gemacht, nicht nachzugeben, denn wir waren anfangs immer hoffnungslos hinterher. Aber das Orchester hat sich das perfekt angeeignet. Die Phrasierung der Noten ist eben je nach Stil unterschiedlich, und es klingt entweder groovig wie im Jazz oder „straight“ wie in der Klassik. Ray Brown hat uns Kontrabassisten einmal in einer Pause ganz väterlich beiseite genommen und gezeigt, wie ein bestimmtes Thema zu spielen ist, damit es swingt. Und dann hat es toll funktioniert.

Welche Highlights aus dem klassischen Bereich haben Sie in Erinnerung?

Mit Marcello Viotti gab es sensationelle Konzerte – dank seiner ganzen Art und seiner Ausstrahlung, aber auch dank der Solisten, die dabei waren. Bei ihm wirkte alles so einfach, nie mühsam. Er konnte mit großer Leichtigkeit Zusammenhänge herstellen. Eigentlich hätte man fast gar nicht proben müssen – na ja, muss man natürlich schon. Bei Viotti war jedes Tempo, jeder Übergang klar. Er war eine herausragende Figur. Giuseppe Patané hat mich ebenfalls beindruckt: ein ganz anderer Typ, viele Jahre vor Viotti.

Man erlebt Sie im Rundfunkorchester gelegentlich auch mit dem E-Bass, zuletzt bei Konzerten mit Mulo Francel und seiner Band Quadro Nuevo. Welche Aufgabe hatten Sie da?

Wir haben mit Quadro Nuevo die CD Volkslied Reloaded aufgenommen und dabei entstand die Idee, dass Didi Lowka, der Bassist der Gruppe, die Percussion übernimmt und ich E-Bass spiele. Ich ließ mir die Noten schicken, denn ich empfand es als Ehre, das machen zu dürfen. Es war aber dann enorm schwer: eine Samba mit vielen Synkopen, wie ich es in dieser Art noch nie gespielt hatte. Ich habe einen Monat lang geübt, erst langsam, dann immer schneller. Eine echte Herausforderung, denn wir hatten vor den Konzerten nur zwei Tage zum Proben! Ich war schon ein bisschen stolz darauf, dass es dann so gut funktioniert hat. Bei Filmmusik ist natürlich oft der E-Bass gefragt, zum Beispiel beim James Bond-Thema oder bei Miss Marple. Das macht Spaß, und da ist es von Vorteil, dass man die Rhythmusgruppe im Orchester gut kennt, sonst ist man am E-Bass auf verlorenem Posten.

Sie wirken auch in zwei Rock-Formationen mit. Was gibt Ihnen das?

Das Spielen in solchen Bands ist ein Lebensgefühl, so muss es sich wahrscheinlich in den 1960er, 1970er Jahren angefühlt haben. Die Musik an sich ist ja nicht kompliziert, sie lebt von ihrem Sound. Und wenn dann ein satt klingender Akkord kommt – das kann man nicht beschreiben!

Neben dem Rock Lounge Orchestra, das zum Beispiel mehrfach beim Münchner Tollwood-Festival auftrat, sind Sie auch Mitglied der Gruppe The Doctor and the Dutchman …

Der Name kommt daher, dass der eine von diesen beiden Hausarzt ist und der andere aus Holland stammt. Beide spielen nur selbst geschriebene Sachen. Ich habe sie irgendwo gehört und fand sie sensationell, weil die Texte toll sind und darin viele Erscheinungen unserer Zeit in Frage gestellt werden. Als Musiker kann man das ja tun, ohne jemandem an den Karren zu fahren. Inzwischen sind wir also zu dritt im Bunde. Und es geht lauter zu als bei der Rock Lounge, wo der Stil etwas weicher ist. Dort sind wir zu sechst und bringen auch Coversongs, sind vielleicht etwas näher am Mainstream; aber die eigenen Songs sind uns am wichtigsten.

Sie haben zudem viel Erfahrung im Bereich Ton-/Aufnahmetechnik und CD-Produktion.

Ja, das hat mich schon als Zehn-, Zwölfjähriger fasziniert. Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Kassettengerät, mit einer schwarzen „Schnur“ und einem Plastikding, in das man reinsprach. Im Lauf der Zeit hat sich das Equipment – Stichwort Computer – so vereinfacht, dass man keine Mischpulte mehr braucht. Wenn man heute zum Beispiel ein Orchester aufnehmen will, benötigt man nur ein kleines Gerät, an das man 16 Mikrofone anschließt. Die Tonspuren kann man dann auf dem Rechner weiterbearbeiten. Das Schöne ist, dass ich hier nur das mache, was mich interessiert; darunter waren schon eine Produktion mit irischer Musik, ein Projekt mit einer Jugendband und zwei CDs mit dem Gautinger Akkordeonorchester. Die Mischung macht’s!

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