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StartseiteHome Klassik zum Staunen P-Seminar zu Lʼancêtre

P-Seminar zur Oper „Lʼancêtre“ mit dem gymnasium buchloe

P-Seminar L´ancetre Programmheftgruppe (Credit-Raphael-Pitzl)
Das P-Seminar 2018/2019 des Münchner Rundfunkorchesters mit dem Gymnasium Buchloe. Hier: die Programmheftgruppe, deren Texte auch auf dieser Seite zu lesen sind.
L'Ancêtre © Jean-Marc Turmes / Angelika Kurz
Die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars haben sich mit der Oper „Lʼancêtre“ von Camille Saint-Saëns beschäftigt. Diese spielt im 19. Jahrhundert auf Korsika.
Grafik Personenkonstellation L`ancetre (Gymnasium Buchloe)
Personenschema zu „Lʼancêtre“, gezeichnet von Anna Müller/Gymnasium Buchloe
Camille Saint-Saens am Strand in Dieppe (Musica, Okt. 1909)
Der Komponist Camille Saint-Saëns am Strand in Dieppe (Frankreich). „Lʼancêtre“ entstand 1905.
Eva-Maria Höckmayr (Credit Martin Baumgartner)
Eva-Maria Höckmayr inszeniert „Lʼancêtre“ für die Münchner Erstaufführung im Prinzregententheater.
Matthias Foremny (Credit Gero Breloer)
Matthias Foremny dirigiert bei dieser Kooperation von Theaterakademie August Everding, Münchner Rundfunkorchester und Palazzetto Bru Zane.

Welches Studienfach oder welcher Beruf passt für mich? Um diese Frage zu beantworten, gibt es in der gymnasialen Oberstufe das sogenannte Projekt-Seminar. Als externer Partner bietet der Bayerische Rundfunk den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten, sich in der Medienwelt umzusehen. Das Münchner Rundfunkorchester richtet sich dabei mit seinem P-Seminar „Musik ans Publikum bringen“ an all jene, die sich für Kulturmanagement und Kulturvermittlung interessieren.

In diesem Schuljahr dreht sich alles um die Oper Lʼancêtre von Camille Saint-Saëns, die das Münchner Rundfunkorchester zusammen mit der Theaterakademie August Everding auf die Bühne bringt. Für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Buchloe (betreuender Musiklehrer: Raphael Pitzl) bedeutete dies, erst einmal die Arbeit des Rundfunkorchesters allgemein kennenzulernen und sich dann intensiv mit dem Stück zu beschäftigen. Denn die jungen Leute bringen sich mithilfe von Coaches ganz konkret in das Projekt ein. So bereitet eine Gruppe von ihnen eine Einführungsveranstaltung für Schulklassen zur Jugendvorstellung von Lʼancêtre am 28. März 2019 vor. Auch kurze Moderationen für die Aufführung selbst werden entwickelt. Welch große Herausforderung, mit eigenen Gedanken zu der Oper vor das Publikum im Prinzregententheater zu treten!

Die zweite Gruppe hat zu diesem Zeitpunkt ihr Werk schon vollendet: Eine Auswahl ihrer Texte zu Lʼancêtre ist im gedruckten Programm zur Jugendvorstellung zu lesen. Die gesamten Ergebnisse werden außerdem im Folgenden online präsentiert. Und das Schmökern lohnt sich. Denn die Nachwuchsautorinnen haben nicht nur einen klassischen Bestandteil eines Opernprogrammhefts, nämlich die Inhaltsangabe, in verschiedenen Varianten durchgespielt. Sie haben auch den Komponisten Camille Saint-Saëns fantasievoll dargestellt: in einer Kurzbiografie, einem Steckbrief und einem fiktiven Interview. Dazu kommen Beiträge zum Thema Blutrache, um das die Oper kreist, sowie zu den Gattungen der französischen Oper im 19. Jahrhundert und zu Korsika, dem Schauplatz der Handlung. Die perfekte Vorbereitung also für alle Vorstellungen von Lʼancêtre – ob für Jugendliche oder Erwachsene!

Inhaltsangaben
„Lʼancêtre“
Die Handlung – kurz und bündig zusammengefasst von Benita Bergmann:

Korsika, zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Von nun an keine Blutrache mehr – diesen Schwur wollen die verfeindeten Familien Fabiani und Piétra Néra leisten. Der Einsiedler Raphaël hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Waffenstillstand ein für alle Mal zu beschließen und die Gegner zu versöhnen. Wäre da nicht Nunciata, die rachsüchtige Großmutter aus der Familie Fabiani, der die Piétra Néras schon seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge sind. Der Tod ihres Enkels Léandri, verschuldet von Tébaldo aus dem Clan der Piétra Néras, führt letztendlich zur Katastrophe. Blind vor Hass beauftragt Nunciata ihre Enkelin Vanina, Rache an Tébaldo zu nehmen und ihn zu töten. Ein unmöglicher Auftrag für Vanina, denn das ausgewählte Opfer ist ihre große Liebe. Tébaldo jedoch hat sein Herz bereits einer anderen geschenkt – ihrer Milchschwester Margarita. Eine Liebesbeziehung, welche die Grenzen beider Familien übertritt, scheint allerdings undenkbar, gerade jetzt nach Léandris gewaltsamem Tod. Dass Tébaldo dabei in Notwehr handelte, bleibt ohne Bedeutung. Flucht scheint nun der einzige Ausweg für Tébaldo und Margarita, denn für die wahre Liebe lohnt es sich bekanntlich zu kämpfen. Diese Meinung vertritt nicht nur Tébaldo, sondern auch sein Pflegevater Raphaël. Er unterstützt die Verbindung der beiden, auch ihre Fluchtpläne. Als Vanina eines Tages Tébaldo und Margarita in der Nähe einer Kapelle entdeckt, spitzt sich die Lage zu. Die von der Großmutter lang ersehnte Vergeltung scheint so nahe wie noch nie: Tébaldos Tod, ihr einziger Wille, würde alles bereinigen und ihren Hass stillen. Vanina muss zwischen der Rache der Großmutter und dem Leben ihrer heimlichen Liebe wählen. Doch wie wird sie sich entscheiden?

Und in einer Variante von Helena Dimbeck, ebenfalls mit „Open End“:

Die beiden korsischen Familien namens Piétra Néra und Fabiani sind seit Langem verfeindet. Eines Tages treffen sie wieder aufeinander, und der Eremit Raphaël möchte für Frieden sorgen. Doch Nunciata, die Anführerin der Fabianis, will nichts davon wissen. Abseits der Menge tauschen sich Tébaldo und Margarita aus, die heimlich verlobt sind, obwohl sie den verfeindeten Clans angehören. Sie erinnern sich an ihre Kindheit und hoffen auf eine gemeinsame Zukunft. Später, als es Nacht geworden ist, wartet Nunciatas Enkelin Vanina vor dem Haus der Großmutter auf ihren Bruder Léandri. Plötzlich erklingen Klagerufe, und ein Trauerzug erscheint. Vanina begreift sofort, dass ihr Bruder ermordet wurde, und fällt in Ohnmacht. Nunciata kommt aus dem Haus und erkennt ebenfalls auf Anhieb, was geschehen ist. Sie beschuldigt die Piétra Néras und erklärt diesen den Krieg. Als Vanina wieder zu sich kommt, befielt Nunciata ihr, Blutrache an Léandris Mörder zu nehmen. Nach einigem Zögern schwört Vanina, ihre Pflicht zu erfüllen. Nunciata zieht sich zurück, und Vanina erfährt, dass es Tébaldo war, der ihren Bruder umgebracht hat – ausgerechnet der Mann, den auch sie im Stillen liebt.
Schnell spricht sich herum, wer Léandri getötet hat. Raphaël, Tébaldos Ziehvater, ist entsetzt über die Tat. Dennoch will er Margarita und Tébaldo, der aus Notwehr gehandelt hat, segnen, bevor sie fliehen. Vanina befindet sich unterdessen in einem inneren Konflikt, da sie Tébaldo immer noch liebt. Da bekommt sie ein Gespräch zwischen Tébaldo und Margarita mit und erkennt, dass die beiden ein Paar sind. Aus Eifersucht gegenüber Margarita greift sie zum Gewehr. Wird sie den Mann, dem ihr Herz gehört, erschießen? Oder wird sie ihre Großmutter enttäuschen und Tébaldo, den Mörder ihres eigenen Bruders, verschonen?

Oder ganz ausführlich, Akt für Akt, von Zoe Kersten:

Zur Zeit des Ersten Kaiserreichs (1804−1815), als Napoleon I. im Namen Frankreichs viele Kriege führt, kämpfen in einem Dorf in den Bergen der Insel Korsika zwei verfeindete Familien um ihre Ehre.

I. AKT
Der friedliebende Einsiedler Raphaël wohnt in seiner einfachen Hütte in der Natur. Am liebsten würde der alte Mann einen Waffenstillstand zwischen den Familien Piétra Néra und Fabiani aushandeln, wäre da nicht Nunciata, das Oberhaupt der Fabianis.
Um über einen Friedensschluss zu sprechen, hat Raphaël alle auf einem großen Platz zusammengerufen. Sofort trennen sich die beiden feindlich gesinnten Familien auf der linken und rechten Seite des Platzes auf. Darunter sind auch die Milchschwestern Vanina und Margarita aus der Familie Fabiani. Beide sind heimlich verliebt in Tébaldo, einen Offizier aus der Familie der Piétra Néras, und freuen sich über das Wiedersehen mit ihm.
Als die verbitterte Nunciata, gestützt von ihrem Enkelsohn Léandri, erscheint, bittet Raphaël sie inständig, der Aussöhnung der beiden Familien zuzustimmen. Sogar ihre Enkelin Vanina, die schon viele Verwandte durch die Fehde verloren hat, und deren Milchschwester Margarita flehen um Gnade und Frieden. Nach einem Moment des regungslosen Schweigens lehnt die rachsüchtige Nunciata die Versöhnung konsequent ab. Es steht fest, dass nun wieder grausame Auseinandersetzungen zwischen den beiden Familien folgen werden.
Als alle in ihren Häuser verschwinden, hält Tébaldo Margarita zurück, da er mit ihr allein sprechen will. Sie erinnern sich an ihre gemeinsame Kindheit und bekennen gegenseitig ihre Liebe zueinander. Für Margarita aber ist die Situation gefährlich, schließlich ist Tébaldo jetzt ihr Feind. Für ihn ist trotz allem seine Liebe zu Margarita wichtiger als die blutige Fehde. Schlussendlich verabreden sie sich für den nächsten Tag.
Überglücklich erzählt Tébaldo seinem Ziehvater Raphaël von dem Gespräch mit Margarita. Dieser warnt ihn vor den möglicherweise tödlichen Folgen, doch der kampfesfreudige Tébaldo zeigt keine Furcht.

II. AKT
In der Nacht verlässt Vanina das Haus ihrer Großmutter und wartet auf ihren Bruder Léandri. Plötzlich hört sie die Klagerufe. Ein Trauerzug geleitet einen Leichnam: Es ist Léandri. Nunciata, aus dem Schlaf erwacht, erblickt ihren toten Enkel. Überzeugt davon, dass die Piétra Néras ihn ermordet haben, beauftragt sie Vanina damit, Rache an dem Mörder Léandris zu nehmen. Zunächst zögert Vanina, doch dann schwört sie der Großmutter, ihre Pflicht zu erfüllen und den Mörder ihres Bruders zu töten. Von Bursica, einem Schweinehirten und Diener der Fabianis, erfährt sie, dass Tébaldo der Schuldige ist.

III. AKT
Als Raphaël von der Tat seines Ziehsohnes erfährt, ist er entsetzt, obwohl dieser behauptet, er habe Léandri nur aus Notwehr erschossen. Um Tébaldo vor der Blutrache zu schützen, will Raphaël ihn zur Flucht überreden. Doch der stolze Soldat möchte nicht ohne Margarita leben. Der Einsiedler ist bereit, sie zu trauen, und will, dass die beiden an einem sicheren Ort glücklich werden.
Vanina quält sich unterdessen mit dem Auftrag zum Mord, den ihre Großmutter ihr gegeben hat, denn sie liebt Tébaldo und kann es nicht über sich bringen, ihn zu töten. Bursica versucht sie zu beeinflussen und gibt ihr sein mit zwei Kugeln geladenes Gewehr.
Vanina hört Teile eines Gesprächs von Margarita und Tébaldo mit und muss erkennen, dass die beiden sich lieben. Voller Eifersucht nimmt sie das Gewehr in die Hand. In diesem Moment kommt Nunciata herbei und drängt ihre Enkelin, den Racheakt zu vollziehen. Vanina will schießen, doch noch hält ihre Großmutter sie zurück, da ihr Ziel zu nahe an einer Kapelle sei. Nichtsahnend nähert sich das Paar den zwei Frauen im Hinterhalt. Nun zögert Vanina und verpasst die Chance. Wütend fordert Nunciata sie erneut auf zu schießen, woraufhin Vanina ihre Liebe zu Tébaldo gesteht und ohnmächtig wird. Nunciata, halbblind, nimmt jetzt selbst das Gewehr und ignoriert Vanina, die − wieder bei Bewusstsein – ihre gebrechliche Großmutter davon abhalten will, auf Tébaldo zu schießen.
Ihres Lebens müde beschließt Vanina, sich zu opfern, bevor es Tébaldo trifft. Nunciata gibt einen Schuss ab und fordert Bursica auf, nachzusehen, ob Tébaldo nun tot sei. Doch statt dem Mörder ihres Enkels findet der Diener Vanina mit einer Kugel im Herzen. So stirbt sie durch die Hand ihrer eigenen Großmutter.

 

Camille Saint-Saëns: Biografie, fiktives Interview und Steckbrief
Camille Saint-Saёns. Eine Kurzbiografie des Komponisten von Anna Müller

Camille Saint-Saёns wurde am 9. Oktober 1835 in Paris geboren. Wenige Monate nach seiner Geburt starb der Vater an Lungentuberkulose, und die Mutter musste Camille alleine großziehen. Durch seine Großtante, eine Pianistin, kam er schon sehr früh mit Musik in Kontakt, und er bewies ein außerordentliches Talent fürs Klavierspielen und Komponieren. 1841 entstand bereits sein erstes Klavierlied, und fünf Jahre später hatte er seinen ersten offiziellen Auftritt in der Salle Pleyel in Paris. Dieser war so erfolgreich, dass Saint-Saёns am Pariser Konservatorium aufgenommen und dort von berühmten Lehrern unterrichtet wurde. Nach Abschluss seiner Ausbildung im Alter von nur 17 Jahren war er Organist an verschiedenen Kirchen, unter anderem an der Église de la Madeleine.
In Paris wurde Saint-Saёns für seine Kompositionen kritisiert, doch durch Auftritte in der Provinz und im Ausland festigte sich sein Ruf. Nach Erfahrungen als Soldat im Deutsch-Französischen Krieg wuchs auch bei Saint-Saёns das Nationalbewusstsein, und er war Mitbegründer einer Gesellschaft zur Aufführung von zeitgenössischer französischer Musik. 1875 heiratete er Marie-Laure Truffot, die zwei Söhne zur Welt brachte, welche sie jedoch durch Krankheit und einen tödlichen Fenstersturz bald wieder verloren. Nicht zuletzt diese Schicksalsschläge führten 1881 zur Trennung. Seine Opern – darunter Samson et Dalila als die bekannteste − brachten Saint-Saёns große Erfolge ein, und er kündigte sein Organistenamt, um mehr Zeit für seine Konzertreisen zu haben. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er mit der Uraufführung von Les barbares 1901 an der Pariser Oper. Seinen letzten Auftritt hatte er in Dieppe (Frankreich), wenige Monate bevor er am 16. Dezember 1921 in Algier (Algerien) starb. Vor allem dank seines Orchesterwerks Der Karneval der Tiere ist Camille Saint-Saëns bis heute bei Groß und Klein beliebt.

 

Ein fiktives Interview mit Camille Saint-Saёns. Erdacht von Helena Dimbeck

Herr Saint-Saëns, Sie wurden 1835 in Paris geboren und sind auch als ehemaliges Wunderkind bekannt. Wie kam es dazu?

Ich durfte damals nicht in die Schule und wurde von meiner Mutter und meiner Großtante ständig überwacht. Dies führte dazu, dass ich sehr einsam war und keine Freunde hatte. Deswegen habe ich mich mit anderen Dingen beschäftigt, wie zum Beispiel mit dem Klavierspiel oder dem Erlernen neuer Sprachen. Die Bezeichnung als Wunderkind bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass ich schon mit zweieinhalb Jahren Noten lesen konnte, mit drei Jahren mit dem Klavierspiel begonnen und mit vier Jahren mein erstes Stück geschrieben habe.

Und was ist mit Ihrem Vater?

Er ist leider schon gestorben, als ich noch ein Baby war. Was auch ein Grund dafür ist, warum meine Mutter und meine Großtante mich so erzogen haben, wie sie es getan haben.

Was sind denn Ihre bekanntesten Stücke?

Ich habe zum Beispiel das Orchesterwerk Le carnaval des animaux (Der Karneval der Tiere) geschrieben, aber auch Opern wie Samson et Dalila und L’ancêtre sowie die Danse macabre (Totentanz). Insgesamt sind es 13 Opern und Hunderte von weiteren Werken.

Sie haben ja gerade die Oper „L’ancêtre“ erwähnt. Gibt es dazu eine Hintergrundgeschichte − oder wie sind Sie auf die Idee zu diesem Stück gekommen?

Es gibt tatsächlich eine Hintergrundgeschichte dazu. Augé de Lassus, ein Schriftsteller und Librettist, hatte mir erzählt, was ihm eines Tages in der Nähe von Ajaccio passiert ist. Er lief auf einer verlassenen Straße und wurde plötzlich von zwei Pistolen bedroht, die aus dem Gebüsch ragten. Die Verbrecher haben jedoch nach einer gewissen Zeit realisiert, dass er der falsche Mann war, und zogen sich zurück. Das war eigentlich der Anlass für dieses Stück.

Leben Sie zurzeit allein? Und wo wohnen Sie jetzt?

Als meine zwei Söhne verstorben sind, konnte ich nicht mehr mit meiner Frau zusammenleben. Ich brauchte meine Ruhe und habe sie deswegen verlassen. Und um Ihre zweite Frage zu beantworten: Ich bin viel unterwegs und habe lange Zeit in Hotels gelebt. Erst seit 1904 habe ich wieder eine Wohnung in Paris.

 

Ein Steckbrief zu Camille Saint-Saëns. Erdacht von Zoe Kersten
  • Pseudonym: Charles Sannois
  • Nationalität: französisch
  • Geburtstag: Freitag, 9. Oktober 1835 in Paris (Frankreich)
  • Todestag: Freitag, 16. Dezember 1921 in Algier (Algerien); gestorben im Alter von 86 Jahren

Wohnorte:

  • Frankreich
  • zeitweise kein fester Wohnort
  • 1889/1890: Miethaus in Las Palmas (Kanarische Insel, Spanien)
  • ab 1904 wieder eigene Wohnung in Paris

Vorlieben in der Musik:

  • klassische Musik (Orchester- und Kammermusik, Opern und vieles mehr)
  • interessiert sich aber auch für Folklore und exotische Klänge, die er in seine Werke einbaut
  • frühes Erlernen von Klavierstücken der Komponisten Bach, Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven
  • musikalische Beeinflussung durch Bach und Händel wie auch die französischen Barockkomponisten Lully, Charpentier und Rameau sowie durch die Wiener Klassik und die deutsche Romantik
  • Förderung der zeitgenössischen französischen Musik in der Nationalen Gesellschaft für Musik

Merkmale:

  • absolutes Gehör
  • leidenschaftlicher Musiker
  • Improvisationstalent
  • hohe Konzentrations- und Merkfähigkeit
  • anfangs Ruf als „Zukunftsmusiker“ und Revolutionär, später als reaktionärer Traditionalist
  • Kindheit: lebte zurückgezogen, war kränklich

Hobbys:

  • Archäologie
  • Mathematik und Naturwissenschaften, z.B. Astronomie
  • Sprachen wie Latein und Griechisch
  • Literatur
  • Philosophie
  • Reisen
Rund um „Lʼancêtre“: Thema Blutrache / französische Oper / Schauplatz Korsika
Thema Blutrache. Ein Überblick von Franziska Lippoldt

Die Blutrache funktioniert nach dem sogenannten Talionsprinzip, der verschärften Version von „Wie du mir, so ich dir“. Wenn ein Mitglied einer Familie getötet oder die Familienehre verletzt wurde, dann wird der Täter von der Familie mit dem Tod bestraft. Theoretisch ist damit die Blutrache beendet, denn der ihr zugrundeliegende Ehrenkodex verlangt, dass „Gleiches mit Gleichem“ vergolten wird. Tatsächlich fällt die Strafe aber häufig viel schlimmer aus als das ursprüngliche Verbrechen. Die betroffene Familie rächt sich, was dann zu jahrelangen blutigen Fehden führen kann.
Das Prinzip der Blutrache findet sich bereits in verschiedenen babylonischen Gesetzessammlungen (ca. 3000 v. Chr). Im Neuen Testament hingegen wird die Blutrache deutlich abgelehnt.
Was sich anhört wie ein veraltetes Klischee oder etwas, was man nur noch aus Dramen wie Shakespeares Romeo and Juliet kennt, ist aktueller, als es auf den ersten Blick scheint. Dabei trägt die Blutrache je nach Region unterschiedliche Namen: „kan davası“ in der Türkei, „vindicau“ auf Sardinien und, vielleicht als bekannteste Synonym, „vendetta“ in Süditalien. „Gjakmarrja“ ist die albanische Form der Blutrache, die heutzutage aber oft nicht mehr nach dem sogenannten Kanun, dem tradierten Gewohnheitsrecht, durchgeführt wird. Der „Rido“ ist die philippinische Version der Blutrache, die vor allem auf der Insel Mindanao vorkommt. Einer der bekanntesten Rido-Fälle ist das Maguindanao-Massaker im Jahr 2009 mit 58 Toten.
Blutrache ist nicht mit der rechtstaatlichen Gesetzgebung vereinbar, in Westeuropa wird Blutrache als Mord bzw. Totschlag behandelt. Auf Korsika, dem Schauplatz der Oper Lʼancêtre, gab es die Blutrache bis ins 19. Jahrhundert.

Gattungen der französischen Oper im 19. Jahrhundert. Ein Überblick von  Julia Kückner

Camille Saint-Saëns war neben Komponisten wie Ambroise Thomas, Charles Gounod und Jules Massenet ein Hauptvertreter des sogenannten Drame lyrique, zu dem auch die Oper Lʼancêtre gerechnet wird. Es entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist eine Gattung der französischen Oper, welche besonders auf die Gefühlswirkung zielt. Oft greift dieser Operntypus auf literarische Stoffe aus Dramen oder Romanen zurück. Durch die private, intime Atmosphäre und die genaue Schilderung des charakteristischen Milieus, in dem die Handlung spielt, stellt das Drame lyrique einen Gegenentwurf zur Grand Opéra und zum deutschen Musikdrama Richard Wagners dar.
Die Grand Opéra (frz.: „Große Oper“) ist eine ernste Oper, die auf instrumental begleitetem Sprechgesang sowie Arien und umfangreichen Ensembles beruht, welche zu einer dramatischen Einheit verschmelzen. Vertont wurden häufig historische Stoffe. Außerdem beeindruckt die Grand Opéra mit prunkvoller Ausstattung sowie großen Chören und Balletten. Aufgrund des entsprechenden Aufwands wurden nur wenige Stücke produziert, die sich jedoch jahrzehntelang im Repertoire halten konnten.
Eine weitere Gattung der französischen Oper im 19. Jahrhundert ist die Opéra comique. Diese bildet mit ihren gesprochenen Dialogen, die an ein Schauspiel erinnern, einen deutlichen Gegensatz zur Grand Opéra. Erstaunlicherweise begegnen hier sowohl ernste wie auch heitere Themen – zum Teil auch mit sentimentalen Zügen oder der Tendenz in Richtung Komödie. Eines der bekanntesten Beispiele für die Opéra comique ist Bizets Carmen.

Schauplatz Korsika. Anmerkungen zum Lokalkolorit in „Lʼancêtre“ von Benita Bergmann

Korsika – das ist die perfekte Verbindung von hügeliger Berglandschaft und langen, weißen Sandstränden. Die bergige Mittelmeerinsel verzaubert nicht nur Touristen, auch Filmen oder Theaterstücken dient sie als besondere Kulisse. Saint-Saënsʼ Oper Lʼancêtre, deren Handlung um zwei verfeindete Familien kreist, bedarf ebenfalls eines passenden Schauplatzes und findet ihn in Korsika. Die besondere Atmosphäre, welche die Insel mit sich bringt, fügt sich dabei ideal in die Handlung ein und untermalt die Eigenschaften und das Verhalten der Charaktere. Bereits 1755 riefen die Korsen die Unabhängigkeit aus − eine fortschrittliche Entscheidung zu dieser Zeit, die die Menschen dementsprechend prägte. Im weiteren Verlauf verfestigte sich jedoch die französische Herrschaft über die Insel. Der starke Einfluss Frankreichs wirkte sich auf viele Bereiche des täglichen Lebens der korsischen Bevölkerung aus, wie beispielsweise das Schulsystem oder die Verwaltung. Die große Umgestaltung der Insel führte zu einer immer größer werdenden Kluft zwischen ärmeren und reicheren Bevölkerungsschichten im 19. Jahrhundert. Genau zu dieser geschichtlich bedeutsamen und schwierigen Zeit spielt die Oper Lʼancêtre. Aufgrund von Armut entwickelten sich gesellschaftliche Konflikte. Dies spiegelt sich im Stück wider: Hass, Unzufriedenheit und Spannungen untereinander bringen die Menschen sogar soweit, gegeneinander zu kämpfen. Auch bereits Jahrhunderte andauernde Fehden einzelner Familien, wie hier zwischen den Fabianis und den Piétra Néras, kommen wieder zum Vorschein. Die ländliche Umgebung erzeugt eine Stimmung von Unerbittlichkeit und Verlassenheit beim Zuschauer; der naturbetonte Lebensstil der Akteure gibt dem Stück seine Eigenart. Lʼancêtre nutzt das Karge und Raue der Berge Korsikas und hinterlässt so eine besondere Wirkung.

Personenschema zur Oper „Lʼancêtre“

Grafik Personenkonstellation L`ancetre (Gymnasium Buchloe)

P-Seminare in verbindung mit dem Bayerischen rundfunk

Weitere Infos finden Sie hier.

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