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INTERVIEW MIT DEM Stellvertretenden Solofagottisten Kaspar Reh

Aus dem Programmheft zum 2. Mittwochs um halb acht 2018/2019 am 20. Februar 2019

Kaspar Reh am Kontrafagott (Credit Thorsten Cremer)
Der Stellvertretende Solofagottist Kaspar Reh ist manchmal auch am Kontrafagott zu erleben.

Kaspar Reh, Sie wurden in Regensburg geboren und sind in Rudolstadt in Thüringen aufgewachsen. Welches war Ihr erstes Instrument?

Das war die Blockflöte. Damit habe ich an der örtlichen Musikschule nach der musikalischen Früherziehung angefangen. Bei uns in der Familie wurde viel Musik gemacht. Ich habe zwei Geschwister, die Klavier und Cello lernten, und meine Mutter ist Geigenlehrerin. Wir hatten also verschiedene Instrumente zuhause. Ich habe die Blockflöten ausprobiert, und meine Mutter merkte, dass ich großes Interesse daran habe. Sie hat uns bewusst gefördert und darauf geachtet, dass man jeden Tag ein bisschen übt. Nicht weil sie das Ziel gehabt hätte, dass wir professionelle Musiker werden, sondern damit ein bisschen Disziplin herrscht, wenn man jede Woche Unterricht hat.

Ab der 7. Klasse besuchten Sie das Musikgymnasium Schloss Belvedere, das sich als Hochbegabtenzentrum der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar einen Namen gemacht hat. Wie muss man sich diese Schule vorstellen?

Es gibt nur wenige Schulen dieser Art in Deutschland. Das Musikgymnasium liegt etwas außerhalb von Weimar, im Landschaftspark des Rokokoschlösschens Belvedere. Ein Großteil der Schüler dort geht ins Internat – wie ich damals auch. Man legt das landesübliche Abitur ab, aber der Musikunterricht wird von Anfang an gefördert. Es werden sehr gute Instrumentallehrer gestellt, überwiegend aus der Staatskapelle Weimar. Man bekommt also von jungen Jahren an einen qualitativ hochwertigen Hauptfachunterricht im jeweiligen Instrument. Zudem hat man mehrere Zusatzfächer wie Musiktheorie, Rhythmik und Klavierspiel. Es gibt verschiedene Räumlichkeiten: Schule, Internat und Übungshaus. Auch ein Teil der Hochschule befindet sich dort. All dies ist umgeben von einer wunderschönen Parkanlage, in der wir Schüler uns oft aufgehalten haben. Wenn man dort entlangläuft, hört man rund um die Uhr Musik. Es ist ein bisschen wie auf einer Insel: Wir hatten ständig Freunde um uns, die ähnliche Ziele hatten wie man selbst.

Im Alter von elf Jahren begannen Sie am „Belvedere“ mit dem Fagottspiel. Wie schritt der Unterricht voran?

Am Anfang hatte ich einen Lehrer von der Staatskapelle Weimar, und es ging darum, die „Basics“ zu lernen. Zuerst habe ich nur lange Töne gespielt, dann leichte Etüden – wie man es eben so kennt. In der zehnten oder elften Klasse kam ich dann zu Selim Aykal von der Deutschen Oper Berlin. Das war noch einmal eine andere Ebene der Arbeit, denn man konnte viel mehr ins Detail gehen. Ich empfinde es immer noch als großes Glück, dass er jede Woche den Weg aus Berlin auf sich genommen hat. Ich war zu diesem Zeitpunkt sein einziger Schüler im Internat; außerdem hat er an der Hochschule das Fach Orchesterstellen unterrichtet.

Sie studierten dann bei Frank Forst an der Musikhochschule in Weimar und bei Eberhard Marschall an der Hochschule für Musik und Theater München. Warum bei diesen beiden?

Ich wollte zunächst einmal in Weimar bleiben, weil ich viel Gutes von Frank Forst gehört hatte. Und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Ein Freund im Bundesjugendorchester brachte mich dann auf die Idee, den Studienort und den Lehrer zu wechseln. Ich nahm Probeunterricht bei Eberhard Marschall und merkte, dass er mir nochmal neuen Input geben kann. In Weimar wurde viel an der musikalischen Linie und der Luftführung gearbeitet. In München war das natürlich auch Thema, aber es wurde vielleicht noch intensiver auf Artikulation und Technik geachtet. Auch für den Rohrbau [Bau des Mundstücks] hat es mir nochmal viel gebracht.

Bei den Fagottisten kommt ja zum Spielen des Instruments die handwerkliche Komponente hinzu …

Ja, wir sind davon abhängig, dass wir das Material, das wir für den Rohrbau verwenden, gut bearbeiten. Ich bin ständig am Experimentieren, probiere Neues aus und versuche mir auch bei den Kollegen etwas abzuschauen. Es gibt ja verschiedene Etappen. Am Anfang steht ein Stück schilfartiges Holz namens Arundo donax. Das muss man mithilfe verschiedener Geräte hobeln, um es auf eine gewisse Dicke zu bringen, und dann „aufbinden“. Das ist aber noch nicht das Schwierigste. Wirklich Erfahrung braucht man für die Feinarbeit. Ich baue vielleicht drei „Puppen“ pro Woche, die dann noch geschabt werden müssen. Wenn man ein Rohr täglich mehrere Stunden spielt, hält es ungefähr für eine Konzertwoche.

Von 2014 bis 2016 besuchten Sie die Orchesterakademie der Staatsphilharmonie Nürnberg. Was waren dort Ihre Aufgaben?

Einerseits war ich in den Dienst integriert; man spielt also im Zweiten oder Dritten Fagott wirklich das gesamte Repertoire. Ich habe dabei viele Werke kennengelernt, Oper und Symphonisches. Ein wichtiger Aspekt war auch dort, wie man den Rohrbau gestaltet, damit alles funktioniert und man sich gut in den Gesamtklang integriert. Andererseits hatten die Akademisten zudem Instrumentalunterricht, Vorspiele, Mental- und Probespieltraining. Ziel war, dass man aus der Akademie heraus eine Stelle bekommt. Wir hatten damals einen dichten Dienstplan. In meiner Zeit wurde zum Beispiel viel Wagner gespielt. Vier, fünf Stunden im Orchestergraben zu sitzen – das war konditionell schon sehr anspruchsvoll.

2015 waren Sie Preisträger beim Wettbewerb für junge Künstler der IDRS (International Double Reed Society) in Tokio. Was hat es mit diesem Wettbewerb auf sich?

Er wird für Oboe und Fagott ausgeschrieben und findet in der Wertung „U21“ alle zwei Jahre statt. Verbunden damit sind eine Konferenz und eine Messe. Es sind viele Hersteller vor Ort, und insgesamt ist es ein großes Treffen, zu dem auch viele berühmte Fagottisten kommen. Für den Wettbewerb bewirbt man sich mit einer Aufnahme, dann werden drei Finalisten ausgewählt, die an den Austragungsort reisen dürfen. Es war eine tolle Erfahrung, dort teilnehmen zu können. Aber von Tokio habe ich nicht viel gesehen, weil ich ja meine Wettbewerbsrunde vor Augen hatte und gut „abliefern“ wollte. Ich habe unter anderem die Sonate für Fagott und Klavier von Camille Saint-Saëns gespielt und war schließlich sehr zufrieden mit dem Zweiten Preis.

In der Spielzeit 2016/2017 hatten Sie einen Zeitvertrag als Solofagottist beim Staatsorchester Braunschweig. Welches Repertoire war dort gefragt?

Es war ähnlich wie in Nürnberg – vielleicht mit etwas mehr Symphonik. Neu für mich war aber, am Solofagott zu sitzen und als „Leader“ der Gruppe zu fungieren. In dieser Position hat man außerdem auch mehr Soli zu spielen. Zum Teil gab es wenig Proben, sodass ich mir die Stücke vorher intensiv angehört habe. Sogar Beethoven-Symphonien wurden mit nur ein, zwei Proben gespielt. Ein Gutteil der Vorbereitung hing also von mir selbst ab.

Seit der Saison 2017/2018 sind Sie Stellvertretender Solofagottist im Münchner Rundfunkorchester. Sind Sie mit 24 Jahren der Jüngste im Orchester?

Im Moment schon. Eine Zeitlang hatten wir einen Hornisten, der noch jünger war. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass das besonders auffallend ist. Im Moment verjüngt sich das Orchester sehr. Natürlich versuche ich auch, von Kollegen wie dem Solofagottisten Till Heine [seit 2010 im Münchner Rundfunkorchester] möglichst viel aufzunehmen. Wie er das Material bearbeitet oder mit bestimmten Situationen umgeht – davon kann ich nur profitieren. Die Kollegen sind auch hinsichtlich des Repertoires sehr erfahren und flexibel.

Was tun Sie jenseits der Orchesterdienste?

Ich versuche, viel Kammermusik zu machen. Dafür ist die Konzertreihe des Freundeskreises, bei der ich im Dezember mitgewirkt habe, eine gute Plattform. Und ich möchte im kommenden Jahr meinen Bachelor an der Musikhochschule abschließen, was organisatorisch nicht ganz einfach ist. Um eine Stelle zu bekommen, zählt zum Glück das, was man im Probespiel abliefert. Hier beim Rundfunkorchester musste ich in der ersten Runde natürlich das Fagottkonzert von Mozart spielen. Dann kamen verschiedene Orchesterstellen dran – zum Beispiel aus Bernsteins West Side Story, was auf die besondere Programmatik dieses Orchesters abzielte.

Welches war Ihr bisher schönstes Erlebnis mit dem Münchner Rundfunkorchester?

Es fällt mir schwer, mich da festzulegen. Aber ich mag besonders die Projekte mit dem BR-Chor. Und mir gefällt die Rolle des Orchesters beim ARD-Musikwettbewerb, wenn wir die Kandidatinnen und Kandidaten begleiten. Schön waren außerdem die Gastspiele beim Festival der Nationen, wo wir in diesem Jahr mit Fazıl Say und Mischa Maisky wieder herausragende Solisten hatten. Diese Vielseitigkeit macht großen Spaß. Die Tournee mit Diana Damrau in der letzten Spielzeit – mit einem Weltstar in großen Sälen aufzutreten – war ebenfalls etwas Besonderes. Gerne erinnere ich mich auch an die konzertante Aufführung der Oper Le tribut de Zamora von Charles Gounod, die inzwischen auf CD erschienen ist: Musik, die von ihren verschiedenen Farben lebt und bei der man zeigen kann, dass sie zu Unrecht vergessen wurde.

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