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StartseiteHome Interview Eckehard Stier zu Video Game Music

Der Erfolg der Spielemusik

Interview mit dem Dirigenten Eckehard Stier

Eckehard Stier - (C) Adrian Malloch

Eckehard Stier, Sie dirigieren regelmäßig Konzerte mit Computerspielmusik und haben offensichtlich viel Spaß daran. Darf man daraus folgern, dass Sie selbst gerne Computerspiele spielen?

Überhaupt nicht. Ich bin kein Gamer, auch wenn ich in den letzten zwanzig Jahren das ein oder andere Videospiel mal laufen hatte. Ich erinnere mich etwa an das Star Trek-Spiel Mitte der 1990er Jahre. Aber zum Spielen fehlt mir an sich die Zeit. Und ich habe Sport dem Am-Schreibtisch-Sitzen für Computerspiele immer vorgezogen.

Wie wichtig ist es aber, als Dirigent die Spiele und deren Originalmusik zu kennen?

Im Fall von Final Symphony läuft das folgendermaßen: Konzertproduzent Thomas Böcker und die finnischen Arrangeure, Roger Wanamo und Jonne Valtonen, setzen sich am Anfang eines neuen Projekts zusammen und nehmen kleine Schnipsel, kleine Schlaglichter, etwa 50 oder 60 Melodien der Ursprungsmusiken. Diese Melodien sind alle in den Köpfen der Fans mit bestimmten Elementen im Spiel verknüpft, weil sie es stundenlang, tagelang oder wochenlang gespielt haben. Aus diesen Schnipseln wird wie in einem symphonischen Gemälde ein neues Stück Musik gegossen. Und mit Zuhilfenahme eines großen Orchesters entsteht etwas ganz Eigenständiges – wie eine vierte oder fünfte Dimension. Als Dirigent muss ich natürlich genau über die Storys Bescheid wissen. Und ich muss auch im Kopf haben, wie die Originalmusik klingt, um Tempi nicht so zu verändern, dass die Fans am Ende sagen: Das war ja gar nicht das Stück, das wir kennen.

Gibt es spezielle Herausforderungen für den Dirigenten?

Spielemusik kann einen sehr hohen Unterhaltungsfaktor haben, kann wie Filmmusik klingen. Da greife ich vielleicht als Handwerker ein, damit die Tempogestaltung, die Instrumentierung gelingt, verändere die schon existierende Komposition in der Dynamik, damit die Musik qualitativ im bestmöglichen Gewand daherkommt. Aber, und eingefleischte Klassikfreunde werden jetzt vielleicht die Nase rümpfen, doch ich benutze den Vergleich mit Absicht: Es gibt durchaus Stellen im Programm – etwa in der Final Symphony –, wo ich das Auf und Ab der Musik gestalte, ähnlich wie bei einer Mahler-Symphonie, damit es einen psychologischen Kontext ergibt.

Überrascht Sie der Erfolg der Spielemusik-Konzerte?

Wir haben das Final Symphony-Programm weltweit mit Spitzenorchestern gespielt. Letztes Jahr waren wir beim San Francisco Symphony Orchestra, haben wieder mit dem London Symphony Orchestra gearbeitet und waren in Tokio. Immer sind die Konzerthallen rappelvoll mit Besuchern im Alter von 15 bis 35 Jahren. Das ist ein Novum. Was mich außerdem immer wieder beeindruckt, ist die Achtung, die die jungen Leute diesen Konzertmomenten entgegenbringen. Da ist eine Spannung im Publikum, die ist unfasslich. So etwas habe ich beim normalen Klassikpublikum wirklich ganz selten erlebt. Und da passiert etwas ganz Faszinierendes: Ich erreiche mit dem Orchester plötzlich 2000 Leute, die vorher nie in irgendeiner Form Kontakt mit klassischer Musik hatten – oder mit einem Orchester.

Es gibt also viel Emotion auf Seiten des Orchesters und auf Seiten der Zuhörer.

Ja, denn es ist für die Fans natürlich großartig, diese Abende mit dem gesamten Kontext der Handlung im Hinterkopf zu erleben. Auf der anderen Seite haben die Leute, die überhaupt keine Berührung mit Spielen hatten, trotzdem ein erstklassiges musikalisches Erlebnis. Denn die Stimmung ist ansteckend – und die Musik hat die Güte und Qualität, um durchaus in einem ganz normalen klassischen Konzert zu bestehen.

Das Gespräch führte Bettina Jech.

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