Tilbert Weigel © BR/Markus Konavlin

Tilbert Weigel

Viola

Der Bratscher Tilbert Weigel ist seit 2009 Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters.

Tilbert Weigel wurde in Ulm geboren und erhielt dort mit sieben Jahren seinen ersten Violinunterricht. Später wechselte er zu Jorge Sutil in München.

Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater München Violine bei Yuko Inagaki-Nothas und Kurt Guntner. Die Ausbildung auf der Viola bekam er ebenfalls in München bei Hariolf Schlichtig. Von 1993 bis 2000 wurde Tilbert Weigel als Stipendiat von „Yehudi Menuhin Live Music Now München e.V.“ gefördert.

Von 1998 bis 2009 war er im Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München engagiert. Im September 2009 wechselte er zum Bayerischen Rundfunk ins Münchner Rundfunkorchester, wo er heute Vorspieler der Bratschen ist.

Seit 2016 ist Tilbert Weigel Mitglied im Bayreuther Festspielorchester.

Außerdem pflegt er die Kammermusik und war langjähriges Mitglied im Arion-Quartett München. Nun ist er als Gast in verschiedenen Ensembles bei Konzerten im In- und Ausland unterwegs.

Interview mit Tilbert Weigel

Tilbert Weigel, wie würden Sie Ihr Instrument, die Bratsche, charakterisieren?

Sie hat einen sehr vermittelnden Charakter und ist allein schon aufgrund ihrer Lage ein klassisches „Mittelinstrument“. Die Bratsche liefert im Zusammenspiel immer wieder ganz entscheidende Farben – so, als ob man die Emotionen mit einer Taschenlampe beleuchten würde. Und manchmal gibt es auch wunderschöne Melodien, die zwar seltener vorkommen als bei den Ersten Violinen; aber wenn es ins Melancholische geht und ein ganz spezielles Timbre gefragt ist, das bis ins Innerste dringt, dann ist das oft in der Bratschenstimme zu finden. Das Dunkle ist das Erste, was einem bei diesem Instrument in den Sinn kommt. Ich liebe die Bratsche sehr und bin ja erst spät dazu gekommen, weil ich ursprünglich ein komplettes Geigenstudium absolviert habe. Doch jetzt möchte ich nichts Anderes mehr spielen.

Wie kam es dazu, dass Sie „umgesattelt“ haben?

Als Schüler und Student hatte ich die Bratsche immer mal wieder in die Hand genommen, Größe und Gewicht des Instruments aber als eher unangenehm empfunden. Gegen Ende meines Aufbaustudiums im Fach Violine suchte ich nach weiteren Optionen an der Münchner Musikhochschule. Ich hatte damals zusätzlich zum künstlerischen auch den pädagogischen Studiengang belegt. Hariolf Schlichtig, Professor für Viola und Kammermusik, kannte mich von der Kammermusik her und nahm mich deshalb ausnahmsweise für Bratsche als zweites Unterrichtsfach im Pädagogikstudium an. Da ich aber bereits Einladungen zu Probespielen für Violine hatte, ging ich noch zweimal mit der Geige zu ihm in den Unterricht. Er verlangte dann, dass ich mich für ein Instrument entscheide. Und er versicherte mir, dass ich – wenn ich die Geige ein halbes Jahr, also für die verbleibende Studienzeit bei ihm, weglege – danach an meinen vorigen Stand in kurzer Zeit wieder voll anknüpfen könne, falls ich doch zur Geige zurückkehren wolle. Dies war letztlich die Befreiung, wofür ich ihm zutiefst dankbar bin.

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