Jürgen Evers © BR/Markus Konavlin

Jürgen Evers

Oboe
Stellv. Solo

Jürgen Evers gehört seit 1990 dem Münchner Rundfunkorchester an.

Jürgen Evers gehört seit 1990 dem Münchner Rundfunkorchester an. Rund drei Jahrzehnte hatte er dabei die Position des Solooboisten inne, ehe er im März 2021 auf die Stelle des Stellvertretenden Solooboisten wechselte. Zudem unterrichtet er seit 2004 als Lehrbeauftragter für Oboe an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in München.

Geboren in Stuttgart, studierte er bei Diethelm Jonas an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen, wo er seine künstlerische Ausbildung 1989 mit Auszeichnung abschloss.

Daneben war er schon seit 1986 in verschiedenen Orchestern engagiert, so im Philharmonischen Staatsorchester in Bremen und im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Beim Münchner Rundfunkorchester übernahm er immer wieder auch solistische Aufgaben, etwa in Oboenkonzerten von Mozart und Martinů. Er trat bei Festivals wie dem MDR Musiksommer, den Ludwigsburger Schlossfestspielen, dem Swjatoslaw-Richter-Festival in Moskau oder im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins auf.

In Aufnahmen von Bachs Weihnachtsoratorium und der Matthäus-Passion mit dem Orchester der KlangVerwaltung und der Chorgemeinschaft Neubeuern unter der Leitung von Enoch zu Guttenberg spielte Jürgen Evers die Soloparts für Oboe. Mit demselben Ensemble entstanden überdies mehrere Fernsehproduktionen, u.a. von Haydns Jahreszeiten. Auch erschien eine viel beachtete Neueinspielung von Mozarts Gran Partita und der c-Moll-Serenade mit den Bläsersolisten der KlangVerwaltung.

Interview mit Jürgen Evers

Jürgen Evers, welche Kriterien muss man erfüllen, wenn man Oboist werden will?

Man braucht natürlich alle Voraussetzungen, die man allgemein als Musiker benötigt, ganz gleich ob als Kontrabassist, Geiger oder Flötist: Musikalität, Geduld zum Üben, ein gutes Gehör – eben die normalen Tugenden. Ich unterrichte ja neben meiner Tätigkeit als Orchestermusiker an der Hochschule für Musik und Theater und habe dort Erfahrungen gesammelt. Von Extremfällen abgesehen gibt es keine grundsätzlichen anatomischen Ausschlusskriterien – die richtige Technik vorausgesetzt. Bei den Oboisten kommt aber als interessante Erweiterung ins Handwerkliche dazu, dass man seine Rohre [Rohr: übliche Bezeichnung für das Mundstück] selbst „baut“. Auch hier braucht man Geduld, außerdem etwas Geschick – und vielleicht sogar eine gewisse Philosophie. Eine Zeit lang habe ich meine Rohre nach dem Mondkalender gefertigt. Aber was hilft es, wenn man dringend ein neues Rohr für ein Konzert braucht, und man befindet sich gerade in der falschen Mondphase …

Wie kamen Sie zur Oboe?

Ich habe – wie früher üblich – mit Blockflöte angefangen. Irgendwann kam dann das Klavier dazu, was mir aber überhaupt keinen Spaß machte. Eines Tages, in der sechsten oder siebten Klasse, war ein Oboist im Musikunterricht zu Gast. Die Schule hatte ein Leihinstrument angeschafft, und wer Interesse hatte, konnte sich melden. Ich bekam das Instrument, und eine Lehrerin war auch schnell gefunden: meine Grundschullehrerin der vierten Klasse, die auch Oboistin war und zu diesem Zeitpunkt in Stuttgart, meiner Heimatstadt, als freischaffende Musikerin arbeitete. Ich war dreizehn – für heutige Begriffe also schon relativ alt. Inzwischen fangen die Schüler deutlich früher mit Oboe an; mit Kinderinstrumenten aus leichterem Holz ist das möglich.

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