Hande Özyürek © BR/Markus Konavlin

Hande Özyürek

1. Violine

Seit September 2003 ist Hande Özyürek Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters in der Gruppe der Ersten Violinen.

Hande Özyürek wurde 1976 in Istanbul geboren. Nachdem sie als knapp Elfjährige mit dem Violinspiel begonnen hatte, studierte sie am Staatlichen Konservatorium bzw. der Musikhochschule in Istanbul Violine bei Çigdem Iyicil sowie Komposition bei Cengiz Tanç.

Als Stipendiatin der Türkischen Stiftung für Erziehung (TEV) setzte sie ihr Studium in Deutschland unter Lukas David und Tim Vogler an der Hochschule für Musik in Detmold fort, wo sie ebenfalls mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Unter der Obhut der Geiger Antje Weithaas in Berlin und Joshua Epstein in Saarbrücken beendete Hande Özyürek schließlich die Solistenklasse.

Bei den Münchner Philharmonikern war Hande Özyürek für zwei Jahre als Akademistin angestellt. Seit September 2003 ist sie Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters in der Gruppe der Ersten Violinen. Bei einem Konzert mit türkischer Musik in der Reihe Mittwochs um halb acht des Rundfunkorchesters übernahm sie den Solopart im Violinkonzert von Ulvi Cemal Erkin.

2007 nahm sie für das bedeutendste Klassik-Label der Türkei unter dem Titel Face to Face With Saygun die Werke für Violine und Klavier von Ahmed Adnan Saygun auf CD auf. Im selben Jahr gewann sie den Internationalen Musikwettbewerb der Perrenoud Foundation in Wien. Sie arbeitet seit Langem mit dem Pianisten Fedele Antonicelli zusammen und tritt auch anderweitig als Kammermusikerin und Solistin in Erscheinung. Vier Jahre lang unterrichtete Hande Özyürek als Professorin an der Hochschule für Musik in Istanbul.

Interview mit Hande Özyürek

Hande Özyürek, Sie wurden in Istanbul geboren und haben mit knapp elf Jahren begonnen, Geige zu spielen. Wie kamen Sie darauf? Für ein türkisches Mädchen war das vermutlich eher ungewöhnlich …

Meine Eltern haben zwar nicht jeden Tag klassische Musik gehört, aber sie haben schnell gemerkt, dass ich ein gutes Gehör besitze: Ich habe gern getanzt und viel gesungen. Schon mein Großvater, ein Mathematiklehrer, war kulturell sehr interessiert; er spielte Geige, hat in den 1940er Jahren sogar Noten aus Deutschland bestellt und kaufte ein Klavier für seine drei Töchter. Jedenfalls bin ich während der Grundschule zunächst probeweise ans Konservatorium gegangen. Ich machte einen Test in Gehörbildung und bekam einmal pro Woche Violinunterricht. Einen Monat später wusste ich: Das wird mein Beruf! Keiner hat mir Druck gemacht – ich war sowieso ein sehr fleißiges Kind, hatte immer die besten Noten. Nach zwei Jahren begann ich mit dem Konservatorium in Vollzeit, was auch Fächer wie Mathematik, Geschichte, Deutsch und Englisch umfasste – vergleichbar vielleicht mit dem deutschen Musikgymnasium. Danach habe ich an der Musikhochschule Violine und auch Komposition im Hauptfach studiert. Mit siebzehn sollte ich auf Wunsch meiner Lehrerin zur weiteren Ausbildung in die USA gehen, doch meine Mutter wollte mich noch nicht loslassen − mein Vater war bereits gestorben, kurz bevor ich mit der Geige angefangen hatte. Wir haben dann noch etwas gewartet; mit neunzehn kam ich mit einem Stipendium der Türkischen Stiftung für Erziehung nach Deutschland.

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